Liegt es daran, dass die Eniwa AG (vormals IBAarau) ausschliesslich erneuerbaren Strom liefert? Oder müssen die Strombezüger das neue Fernwärmenetz quersubventionieren? Fest steht, nirgends ist die Elektrizität so teuer wie in der Kantonshauptstadt und den 17 weiteren Gemeinden rund um Aarau, in denen Eniwa Direktversorger ist. Nach wie vor teuer ist der Strom in Lenzburg, das in der Tabelle der teuersten Orte im Vergleich zu 2017 vom zweiten auf den dritten Platz gerutscht ist.

Freuen können sich die Einwohner von Rupperswil, Dürrenäsch und Kölliken — sie leben in den günstigsten Gemeinden. Das Rechnungsbeispiel zeigt, dass die Kosten um bis zu 244 Franken differieren.

Stadtnetz ist teurer

Vergleiche von Stromkosten sind schwierig. Aber dank des Strompreisrechners der ElCom, der unabhängigen eidgenössichen Regulierungsbehörde, möglich. Ein Durchschnittshaushalt bezahlt in Aarau 877 Franken (ElCom-Beispiel H3: 4500 kWh/Jahr: 4-Zimmer-Wohnung mit Elektroherd und Elektroboiler). Die Rupperswiler bekommen die gleiche Menge Strom im AZ-Einzugsgebiet Aargau West (siehe Tabelle rechts) am günstigsten. Sie bezahlen 633 Franken.

Den Preisunterschied begründet die Eniwa AG zum einen mit dem Strombeschaffungsmix. «Im Versorgungsgebiet der Eniwa erhalten seit 1.1.2017 alle Tarifkunden 100 Prozent erneuerbaren Strom ‹Wasserkraft Schweiz› als Grundangebot, mit einem Anteil Wasserkraftstrom vom Aare-Kraftwerk in Aarau», sagt Sandra Bläuer, Sprecherin der Eniwa AG. Weiter sagt sie, dass einige Gemeinden, die von Eniwa versorgt würden, aber ihren Strom als eigenes Energieversorgungsunternehmen (EVU) an ihre Kunden verkauften, keine Eigenproduktion hätten und die gesamte Strommenge am Strommarkt zu derzeit günstigen Konditionen beschaffen könne. Bei steigenden Strompreisen würden diese EVU ihre Strompreise deutlicher anheben müssen. Laut der Sprecherin unterscheiden sich die Netzkosten dahingehend, dass die Eniwa AG nebst dem Stadtnetz von Aarau auch 22 Konzessionsgemeinden versorgt. Das Stadtnetz habe eine hohe Leistungsdichte, während das ländlichere Netz mit einer eher tiefen Leistungsdichte versorgt werde. «Bei Gemeinden mit einem kompakten, lokalen Verteilnetz liegen die Netzkosten pro Ausspeispunkt deutlich tiefer als im Netz der Eniwa AG», so Bläuer.

Keine Quersubventionierung

Das Energie-Dienstleistungsunternehmen investiert zudem seit einigen Jahren in die Erneuerung seines Mittelspannungsnetzes. «Diese Investitionen dienen der Versorgungssicherheit. In anderen Gemeinden der Region stehen in den nächsten Jahren einige Erneuerungsprojekte im Verteilnetz an. Daher geht Eniwa davon aus, dass sich die Unterschiede infolge Strommarktliberalisierung und künftiger Investitionen ins Stromnetz (Leitungserneuerungen, Ausbau der Anschlüsse und Digitalisierung) mittel- bis langfristig angleichen werden.»

Die Eniwa AG finanziert das Fernwärmenetz aus eigenen Mitteln (Reserven und Gewinne) als langfristige Investition. «Die Strompreise werden jährlich von der Elektrizitätskommission ElCom überprüft. Eine Quersubvention oder Belastung der Netz- oder Energiekosten durch andere Aufgaben als durch die Stromproduktion und Stromverteilung ist strengstens untersagt und wird von der ElCom kontrolliert», sagt die Eniwa-Sprecherin Sandra Bläuer.

Neues Stromparadies

Die grösste Preiserhöhung im Vergleich zum letzten Jahr nahm die AEW Energie AG vor: Die Einwohner der AEW-Direktversorger-Gemeinden – darunter Meisterschwanden und Unterkulm – bezahlen künftig 8,36 Prozent mehr. Für einen durchschnittlichen Haushalt bedeutet das eine Erhöhung von rund 60 Franken pro Jahr, was aber immer noch 90 Franken günstiger ist als der Eniwa-Strom.

Trotz dem Anstieg der Förderabgabe des Bundes (ehemals KEV, durchschnittlich plus 36 Franken pro Jahr) konnten von den 57 verglichenen Gemeinden deren vier (Möriken-Wildegg, Niederlenz, Oberentfelden und Rupperswil) den Strompreis senken. Rupperswil schlägt dabei alle Rekorde: minus 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Günstiger als im Jahr 2010. Und neu: die günstigste Gemeinde der Region. Der durchschnittliche Haushalt bezahlt 633 Franken (2017: 704 Franken). Wie hat der Netzbetreiber Elektrizitätsversorgung Rupperswil das geschafft? Gemeindeschreiber Marco Landert erklärt es damit: «Einerseits konnten die Netznutzungskosten tiefer gehalten werden, andererseits haben wir uns im Herbst 2016 für die Strombeschaffung mit den Regionalen Technischen Betrieben Wildegg zusammengeschlossen und eine gemeinsame Strategie definiert. Das hat die Einkaufskosten günstig beeinflusst.» Durch diese gemeinsame Beschaffungsstrategie habe das Preisrisiko verteilt werden können. «Wir kaufen den Strom strukturiert zu möglichst kleinen Tranchen über das Jahr verteilt am Markt ein. Durch den frühen Beschaffungsbeginn für das Jahr 2018 konnten wir von den tiefen Marktpreisen profitieren», ergänzt der Leiter der Regionalen Technischen Betriebe Wildegg (RTB), Laszlo Körtvelyesi. Sie seien damit gut gefahren. Die Energiepreise der RTB würden die Strommarktentwicklung widerspiegeln. Die Tendenz für die kommenden Jahre zeige bereits jetzt nach oben, deshalb rechnet Körtvelyesi ab 2019 mit leicht steigenden Energiepreisen.

Grosse Unterschiede

Die Strompreise erhöhten sich im Vergleich zu 2017 im AZ-Region Aargau West durchschnittlich um 5,37 Prozent, von 748 auf 789 Franken jährlichen Stromkosten für einen 4-Zimmer-Haushalt. 16 Gemeinden liegen deutlich über diesem Durchschnitt. Die Teufenthaler zum Beispiel bezahlen 81 Franken mehr als der Durchschnitt und beziehen somit den zweitteuersten Strom in der Region. Die Lenzburger folgen auf Platz 3 mit 858 Franken pro Jahr. Dem gegenüber stehen 41 Gemeinden, die klar unter den durchschnittlichen Kosten liegen. Dazu gehören Reinach (755 Franken), Suhr (704 Franken) und Staufen (680 Franken).