Aarau
Aarauer Fischessen wegen Dauerregens abgesagt: "Ich hatte Tränen in den Augen"

Was für ein Pech: Das garstige und vor allem äusserst nasse Wetter hat einen weiteren Tribut gefordert. Die Fischerzunft Aarau muss ihr traditionelles Fischessen absagen, das jeweils gegen 2000 Gäste in den Schachen lockt. Es hätte am kommenden Freitag und Samstag stattgefunden.

Nadja Rohner
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Das Aarauer Fischessen 2016 ist abgesagt.

Das Aarauer Fischessen 2016 ist abgesagt.

Die Absage ist ein Novum in der gut 30-jährigen Geschichte des Fischessens. Aber als Fischerzunft-Aarau-Präsident Markus Jurt und OK-Präsident Peter Wälti den Festplatz inspizierten und bereits die ersten kleinen Seen auf der Wiese antrafen, wussten sie – das geht nicht. Eine Stunde bevor der Zeltbauer mit dem riesigen Zelt angerückt wäre, entschieden die beiden, dass der Zustand des Platzes einen Grossanlass wie das Fischessen nicht zulässt. Bereits nach dem Aufbau und dem Einrichten wäre der Platz in einem sehr schlechten Zustand gewesen.

Keine Bänke, kein Essen

Der „gewaltige Mehraufwand“, um den Anlass doch noch durchzuführen – Bodenplatten und Matten hätten verlegt werden müssen, wäre unverhältnismässig gewesen, betont Jurt. „Ausserdem hätten wir dann sehr viel weniger Gäste bewirten können, weil wir draussen ums Zelt herum und an einigen Stellen im Zelt keine Festbänke hätten stellen können.“

Man sieht es nicht auf den ersten Blick – aber der Boden auf der Festwiese ist mit Wasser getränkt. Ein Grossanlass würde Schäden verursachen. Ueli Wild

Man sieht es nicht auf den ersten Blick – aber der Boden auf der Festwiese ist mit Wasser getränkt. Ein Grossanlass würde Schäden verursachen. Ueli Wild

Ueli Wild

Hinzu komme, dass die Auflagen der Stadt für die Nutzung des Platzes neben Süffelsteg und Badi in den letzten Jahren immer grösser geworden seien, sagt Jurt. „Der Platz muss so abgegeben werden, wie er angetroffen wurde. Die Instandstellung nach dem Fest hätte uns etwa 4000 Franken gekostet.“ Bereits letztes Jahr gab es einen Versicherungsfall, den aber die Haftpflichtversicherung des Zeltbauers gezahlt hat, weil eines seiner Fahrzeuge einen Schaden verursachte. „Wir haben zwar auch eine Haftpflichtversicherung, aber diese würde die Kosten nicht übernehmen, zumal für uns ja absehbar ist, dass am Platz wegen des vielen Regens grössere Schäden entstehen würde“, sagt Jurt.

Ein bitterer Moment

Ein anderer Standort hätte sich auf die Schnelle unmöglich auftreiben lassen, eine Verschiebung um ein, zwei Wochen sei ebenfalls nicht machbar, sagt Jurt. Also entschieden er und der OK-Präsident, den Anlass abzusagen. „Ein bitterer Moment, ich hatte Tränen in den Augen“, sagt Jurt. „Mir tut es so leid für alle Lieferanten, Helfer und vor allem für unsere lieben treuen Gäste, die schon seit Jahren zu uns kommen und sich immer sehr darauf freuen.“

Die Lieferanten hätten zum Glück viel Verständnis gezeigt, betont der Fischerzunft-Präsident. 600 Kilogramm Fisch hatte man bei der Fischerei Braschler am Zürisee bestellt, zwei Drittel Felchen, ein Drittel Hecht. „Die Felchen sind teils fangfrisch, die kann der Fischer gut verkaufen“, sagt Jurt. Der gefrorene Fisch geht nun an Restaurants, Hotels oder Privatkunden. „Wir versuchen, dem Händler beim Absatz zu helfen“, sagt Jurt. Wenn einige Vereinsmitglieder ein paar Kilo übernehmen, sei der Fisch rasch weg.

Tartarsauce nicht zusammengemixt

Das bestellte Brot ist noch nicht gebacken, die Cremecornets auch nicht, die Tartaresauce nicht zusammengemixt. Auch die Getränke können zurückgegeben werden. „Von Seiten der Lebensmittel entstehen uns keine grösseren Probleme“, sagt Jurt. Dem Zeltbauer werde man hingegen etwas zahlen müssen, zumal die Absage erst eine Stunde vor dem Zeltaufbau beschlossen wurde.

Nun müssen die Aarauer ein Jahr warten bis zum nächsten Fischessen. Das soll dann auf keinen Fall abgesagt werden. Fischerzunft-Präsident Jurt: „Wir sind daran, einen wetterunabhängigen Standort zu suchen.“