Aarau
Aarauer Einwohnerrat beschliesst Marschhalt für die «Golatti»-Sanierung

Der Einwohnerrat weist den Zusatzkredit für die Projektierung zurück – aus Kostengründen. Das nötige Investitionsvolumen der Sanierung des Alters- und Pflegeheims Golatti wird allein für die Station Milchgasse auf 7,8 Millionen geschätzt.

Hermann Rauber
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Das «Golatti» hat unbestrittenermassen eine Sanierung nötig, doch die Bewohner müssen sich weiter in Geduld üben.

Das «Golatti» hat unbestrittenermassen eine Sanierung nötig, doch die Bewohner müssen sich weiter in Geduld üben.

Kus

Nach dem Ja zu den Infrastrukturanlagen für das Torfeld Süd beschäftigte sich das Aarauer Stadtparlament mit der Sanierung des Alters- und Pflegeheims Golatti. Der Stadtrat verlangte für die laufende Projektierung einen Zusatzkredit über 175 000 Franken, weil die Schätzung der Gesamtkosten allein für die Station Milchgasse mittlerweile eine Höhe von 7,8 Millionen Franken erreicht hat. Hier setzte die Kritik an.

Hielt sich die «Begeisterung» zu diesem Geschäft laut Marina Suter (FDP) bereits in der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission «in Grenzen», so stellte Simon Burger im Namen der SVP-Fraktion gar einen Antrag auf Rückweisung. Aufwand und Ertrag stimmten nicht überein, die Finanzierung über die Hotellerie-Taxe stosse sauer auf und es fehle an einem «Gesamtkonzept» für die städtischen Heime.

Weniger scharf formuliert

Das zweite Begehren auf Rückweisung stammte aus der Küche der Fraktion Pro Aarau/EVP/GLP, wobei Ueli Hertig (Pro Aarau) die Bedenken etwas weniger scharf formulierte. Auch er monierte das Fehlen einer strategischen Beurteilung von baulichen Massnahmen und möchte das Vorhaben im Rahmen der Alterskommission breiter abgestützt diskutieren.

Die Frage war, ob man sich eine solche «Denkpause» zeitlich überhaupt leisten kann. Der Stadtrat verwies in seiner Botschaft auf die «verschärften Auflagen» des Kantons, Martina Suter (FDP) hingegen stellte diese «Dringlichkeit» in Frage. Ein «Marschhalt» sei mit Blick auf eine genaue Analyse der künftigen Bedürfnisse für Alters- und Pflegeheimplätze in Aarau nicht nur möglich, sondern angezeigt.

Für den Antrag des Stadtrates vermochte sich einzig die SP-Fraktion zu erwärmen. Eva Schaffner warnte davor, «das Kind mit dem Bade auszuschütten» oder gar den Standort Milchgasse in Frage zu stellen. Die Sanierung dieser Station sei unumgänglich und werde auch mit einer Rückweisung «nicht billiger».

Das war Balsam auf die Seele der zuständigen Ressortleiterin, Stadträtin Angelica Cavegn Leitner. Man habe sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder mit der Beurteilung organisatorischer und baulicher Strukturen befasst und halte sich an die Erkenntnisse im Rahmen des Altersleitbildes.

Das Parlament liess sich aber nicht umstimmen und beharrte mit 32 Ja gegen 9 Nein bei 5 Enthaltungen auf Rückweisung des Geschäftes an den Stadtrat, wobei man in der Formulierung die mildere Variante von Pro Aarau knapp bevorzugte.

Zur Debatte stand am gleichen Abend auch die künftige Organisations- respektive Gesellschaftsform der städtischen Alters- und Pflegeheime. Eine Motion der FDP-Fraktion, mögliche Varianten einer solchen Trägerschaft zu untersuchen, passierte den Rat nach kurzer Diskussion mit 35 Ja gegen 9 Nein bei 2 Enthaltungen. Namentlich die SP-Fraktion stimmte dagegen, weil sie keine Änderung des Status quo anstrebt.