Aarau/Bern
Aarauer Bus-Problem in der Altstadt lässt die Berner müde lächeln

Weihnachtsshopping – für die Aarauer Buschauffeure muss die Zeit ein Albtraum sein. Doch die Situation in Aarau ist keine Ausnahme, wie ein Besuch in Bern zeigt.

Sabine Kuster
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Sind ständig im Konflikt miteinander und brauchen sich doch: Passanten und Tram in der Berner Spitalgasse.Keystone

Sind ständig im Konflikt miteinander und brauchen sich doch: Passanten und Tram in der Berner Spitalgasse.Keystone

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Beim Loeb an der Ecke, wo einst der Berner Troubadour Bernhard Stirnemann sein nach Schokolade duftendes «Käthi» besang, beginnt das Gewusel aus Menschen, Bussen und Trams.

Von hier fahren vier Tramlinien und zwei Busse durch die Spitalgasse zum Bärenplatz, wo Weihnachtsmarkt ist und das Bundeshaus steht. Entlang der Gasse unter den Lauben sind die bekanntesten Ladenketten zu finden. Hier ist Bern ein einziges Shoppingcenter in schöner mittelalterlicher Kulisse.

Das zieht Kundschaft an. Und jetzt, in der Adventszeit, ist es besonders eng. Je nach Blickwinkel scheinen die Busse und Trams durch ein Meer von Menschen zu pflügen. Die Glocke, die immer wieder schrillt, ist keine weihnachtliche, sondern das Warnsignal des Trams.

Auch bei Bernern ein Thema

Bern hat das gleiche Problem wie Aarau: Die Altstadt ist autofrei und so schön, dass sie zum Flanieren einlädt. Doch der öffentliche Verkehr ist immer noch da.

Die Flanierer vergessen das immer wieder, besonders die Touristen. Die Chauffeure nie. Sie müssen jede Sekunde damit rechnen, einen besonders Verträumten aufzugabeln.

Dabei ist in Bern alles noch viel dichter: die Menschen, die Läden, die Anzahl Busse und Trams. «Dagegen ist Aarau beschaulich», sagt Rolf Meyer von Bernmobil.

Ist das kein Thema in Bern? Werden hier keine Unterschriften für Petitionen gesammelt, damit der öV aus der Hauptgasse verbannt wird? «Doch», sagt Meyer, «die Spital- und die Marktgasse sind ein Thema, das immer wieder aufflammt.»

Im Dezember 2011 sammelte die FDP in Bern Unterschriften für eine Initiative gegen die «rote Wand», wie das Problem der Trams und Busse mitten in der Fussgängerzone genannt wurde.

Doch statt der nötigen 5000 Unterschriften kamen nur 4600 zusammen. Das Gewerbe hatte sich von der Initiative distanziert mit der Argumentation, der öV sei wichtig für die Kundenfrequenz. Das Begehren wurde dann einfach als Petition eingereicht – und nichts geschah.

Theoretisch könnten Busse und Trams in Bern durch die parallelen Nebengassen geleitet werden. Doch wie in Aarau fürchtet man sich davor, dass die Geschäfte weniger Umsatz machen würden, wenn die direkte Anbindung an den öV nicht mehr gegeben wäre.

Berner Busse fahren schneller

Und so machen es die Chauffeure wie in Aarau: Sie fahren auf Sicht. «Es ist Erfahrungssache», sagt Rolf Meyer, «ich staune als Laie jedes Mal, wie die Chauffeure das im Blut haben, wer ihnen gefährlich werden könnte.»

Gefährlicher ist es in Bern auf jeden Fall, wenn man die schützenden Lauben verlässt und in der Strassenmitte geht: Die Busse verkehren nämlich mit maximal 30 km/h, nicht mit maximal 20 km/h wie in der Aarauer Altstadt.

Die Bilanz der Unfälle in der Altstadt sticht aber auch in Bern nicht heraus: «Wir haben zum Glück nicht mehr Unfälle als auf anderen Strecken.»

Ob Aarau oder Bern – der Grund dafür liegt vermutlich bei den hyper-aufmerksamen Chauffeuren in dieser Chaos-Zone.

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