Im Zeitraffer
Aarauer Brücke fünf Meter versetzt: Hier werden 400 Tonnen Beton verschoben

Die Lindenhofbrücke in Aarau verbindet bald den Bahnhof und das Torfeld Nord – zuerst musste sie aber versetzt werden. Millimeter für Millimeter wurde der Betonkoloss von Stahlseilen an ihren definitiven Platz verschoben.

Stefanie Suter
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Prüfend schweift sein Blick über die riesige Brücke vor ihm. 400 Tonnen wiegt sie. Über fünf Meter muss sie verschoben werden. Und Balz Girsberger ist verantwortlich, dass dabei nichts schief läuft.

Auf seinem Computer behält er im Auge, wie viele Millimeter die Lindenhofbrücke bereits hinter sich gebracht hat. Und ob die Stahlseile, die sogenannten Litzen, die Brücke gleichmässig über die schienenähnlichen Verschubbahnträger ziehen.

Fast lautlos verschiebt sich die rote Brücke Millimeter um Millimeter – weg vom Kreuzplatz hin zu den Gleisen. Unter der Brücke, zwischen Kreuzplatz und Gaiskreisel, brummen die Autos über die Buchserstrasse.

Die rote Lindenhofbrücke verbindet ab Frühjahr 2016 den Aarauer Bahnhof mit dem Torfeld Nord.
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Auf diesen hydraulischen Pressen, Stahlplatten und einer Teflonplatte wird die Brücke mit Stahlseilen über die Metallbleche auf dem schienenählichen Vorschubbahnträger gezogen.
Innerhalb von 2,5 Stunden wird die 400 Tonnen schwere Lindenhofbrücke 5,25 Meter verschoben.
Balz Girsberger sorgt mithilfe des Computers dafür, dass die Brücke gleichmässig verschoben wird.
Der Computer von nah.
Die Arbeiter legen laufend gefettete Stahlbleche nach, über welche die Brücke gezogen wird.
Die Autos rauschen unter der Brücke durch und übertönen die wenigen Geräusche, die beim Verschieben der Brücke entstehen.

Die rote Lindenhofbrücke verbindet ab Frühjahr 2016 den Aarauer Bahnhof mit dem Torfeld Nord.

Mario Heller

Um 7 Uhr standen am Donnerstag die ersten Bauarbeiter auf dem Platz und bereiteten alles vor, um den Betonkoloss verschieben zu können. 5,25 Meter muss die Brücke überwinden.

Kurz nach der Znüni-Pause, um halb 10 Uhr, wurde die Brücke in Bewegung gesetzt. Ein leises Knacken war zu hören. Der vorbeirauschende Zug übertönte alle anderen Geräusche.

Die Arbeiten hatten bereits im Juli begonnen. Da es aber zu gefährlich war, die Brücke so nahe an den Fahrleitungen der Züge zu realisieren, wurde sie fünf Meter vom definitiven Standort entfernt in die Form gegossen.

Höchste Konzentration gefordert

Die Lindenhofbrücke verbindet ab Frühjahr 2016 den Bahnhof mit dem Torfeld Nord. Kostenpunkt: rund 1,6 Millionen Franken. «Fussgänger und Velofahrer können so den Verkehrsknoten Kreuzplatz umgehen», sagt Thomas Pfister, Leiter Tiefbau der Stadt Aarau.

«Die Brücke ist komfortabler und sicherer.» Sie ist das erste Element der Radwegverbindung zwischen dem Stadtteil Rohr und dem Bahnhof Aarau. Und im Notfall könnten sogar Rettungsfahrzeuge über die 5 Meter breite und 42 Meter lange Brücke fahren.

«Ich ziehe ein», sagt Balz Girsberger durch das Funkgerät. Das Zeichen, dass die Brücke kurz still steht, während die Zylinder der Zugvorrichtung eingezogen werden und die Stahlseile wieder nachfassen, um die Brücke erneut ziehen zu können.

Eine kurze Verschnaufpause, bevor sich die Brücke wieder in Bewegung setzt. Höchste Konzentration ist von Girsberger gefordert. Laufend kontrolliert er auf seinem Computer, ob die vier Stahlseile die Brücke gleichmässig ziehen. Sonst könnte sie in Schräglage geraten.

Gleichzeitig muss er im Auge behalten, ob unterhalb der Brücke alles nach Plan verläuft. Dort legen die Arbeiter laufend gefettete Stahlbleche vor, über welche die Brücke gezogen wird. Die Bleche müssen korrekt ausgerichtet und leicht überlappend auf die Vorschubbahnträger gelegt werden.

Pünktlich auf die Mittagszeit ist das Werk vollbracht. Der Betonkoloss steht nach 2,5 Stunden an seinem Platz. Girsberger nimmt den Helm vom Kopf und wischt sich den Schweiss von der Stirn.