Aarau
Aarauer Alpenclub feiert und blickt auf 150 Jahre Bestehen zurück

Die Aarauer Sektion ist genau so alt wie der Schweizer Alpenclub selbst: 150 Jahre. Am Samstag liessen die Aarauer das Jubiläumsjahr mit einem Fest ausklingen. Ein Abend voller Geschichten von waghalsigen Kletterpartien und zerrissenen Hosen.

Sibylle Haltiner
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Auffahrtzusammenkunft des SAC Aarau auf dem Balmberg im Jahr 1923. Archiv SAC

Auffahrtzusammenkunft des SAC Aarau auf dem Balmberg im Jahr 1923. Archiv SAC

Archiv SAC

«Weisch no, bei unserer Wanderung im Bleniotal. Da hat es so doch dieses wahnsinnige Gewitter gegeben.» – «Ja, aber das war auf der Ibergeregg.» – «Du hast recht. Danach haben wir diese Italiener getroffen, die sich verlaufen hatten.» So und ähnlich tönte es am Samstagabend im Kultur- und Kongresshaus, wo die SAC-Sektion Aarau das Ende ihres Jubiläums-Jahres zum 150-jährigen Bestehen feierte.

Bereits bei der Gründung des SAC Schweiz am 19. April 1863 waren zwei Mitglieder aus Aarau dabei. Noch im gleichen Jahr wurde die Sektion Jura, welche später in Aarau umbenannt wurde, gegründet. Zum Geburtstag bestieg der SAC Aarau die höchsten Gipfel jedes Kantons und lud seine Mitglieder zum Jubiläumsfest.

Früher kletterte man ohne Helm

Man ist per du im SAC. Auch mit Älteren und Unbekannten. Da kommt man schnell ins Gespräch an den runden Tischen. Einige kennen sich aber auch schon ein halbes Leben lang. So wie Max Ammann und Arnold Steimen. Seit 1964 gehen die beiden zusammen «z Berg». Ammann wird bald 92 und hat den Übernamen «Klettermax», weil er oft als Erster auf dem Gipfel war. «Du musstest am Abend jeweils deine Hosen flicken, die beim Abseilen kaputt gingen», plaudert er mit seinem zehn Jahre jüngeren Freund. Dieser bestätigt: «Die Ausrüstung war früher anders. Wir trugen noch keine Helme und bei Steinschlag war es sehr gefährlich. Deshalb kamen wir bei unserer Tour aufs Matterhorn nur bis zur Solvayhütte.»

Während die älteren Mitglieder von vielen gemeinsamen Hochgebirgstouren berichten, haben jüngere oft über das Klettern zum SAC gefunden. Wie Dunja Horisberger (31) und Nadja Burkart (28), die erst seit Kurzem dabei sind. Am Fest haben sie Marc Bachmann (39) und Miriam Bätschmann (28) kennen gelernt. «Auch die Jüngeren erzählen einander, wo sie schon überall gewesen sind», meint Bachmann. «Das können dann aber auch Velotouren im Ausland gewesen sein.»

Entstanden aus Pioniergeist

Festredner war der ehemalige Regierungsrat Silvio Bircher. Er berichtete von der Gründungszeit des Vereins. «Es herrschte Pioniergeist allenthalben, die Angst der Menschen vor den Bergen war am Schwinden und die Eroberungslust nahm Oberhand.» Kritisch beleuchtete er den langen Ausschluss der Frauen, die erst seit 1980 als Vollmitglied im SAC akzeptiert sind, sowie die langjährige vaterländische und elitäre Gesinnung.

Bircher ist selbst Mitglied des SAC und erzählte von der Besteigung zweier Viertausender, die ihn an seine Grenzen gebracht hätten. «Mein Kollege wusste aber genau, wo ich in Schwierigkeiten kommen würde, und hat mich gehalten, als ich beim Klettern abrutschte.» So, wie Helmut Kober vom Deutschen Alpenverein Reutlingen in seiner Grussbotschaft betonte: «Verlässliche Tourenpartner sind wichtig – in den Bergen wie im Alltag.»