Aarau/Buchs
Nach Exodus aus der Schulpflege: Verein Pro Aarau will Kreisschulrat abschaffen

Das Problem mit dem Schul-Gemeindeverband in Aarau und Buchs spitzt sich zu.

Nadja Rohner
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Der Kreisschulrat (hier an seiner ersten Sitzung im Jahr 2017) besteht aus 18 Mitgliedern.

Der Kreisschulrat (hier an seiner ersten Sitzung im Jahr 2017) besteht aus 18 Mitgliedern.

Severin Bigler / AAR

Die SVP stellt die Auflösung der Kreisschule Aarau-Buchs zur Diskussion. Dies, nachdem sechs von sieben Mitgliedern der Kreisschulpflege nicht zur Wiederwahl antreten. Damit gar nicht einverstanden ist der Verein Pro Aarau. «Pro Aarau ist der Meinung, dass die Kreisschule nun Kontinuität und wohlwollende Unterstützung braucht», heisst es in einer Mitteilung. «Das ist sicher nicht durch einen Verbandsaustritt aus dem Kreisschulverband zu erreichen, wie von der SVP in Erwägung gezogen. Ein solcher wäre zudem, gemäss der Satzungen, frühestens nach 10-jähriger Zugehörigkeit möglich.»

Pro Aarau will vielmehr den Kreisschulrat infrage stellen. Dieser, das Schulparlament, ist im Grunde eine Abgeordnetenversammlung des Gemeindeverbands mit 18 Sitzen. «Der Kanton sieht als mögliche Führungsstruktur für Kreisschulen ab 2022 explizit zwei Varianten vor: eine Struktur mit Vorstand oder eine mit Abgeordnetenversammlung», schreibt Pro Aarau. Und weiter: «Vielleicht stellt sich dann eine Lösung wie in Entfelden als zielführender heraus, in dem ein Schulvorstand bestehend aus Stadt- respektive Gemeinderäten beider Gemeinden – ergänzt durch Fachleute –die Schule politisch führt? Die demokratische Mitwirkung würde dann vom Kreisschulrat auf die Einwohnerräte übergehen.»

Vorwürfe an die Kreisschulratsmitglieder

Doch warum überhaupt ein Wechsel? Pro Aarau ortet ein Problem zwischen Kreisschulrat und Kreisschulpflege. Der Kreisschulrat, so wird in der Medienmitteilung implizit vermittelt, mische sich in Dinge ein, die nicht in seiner Kompetenz liegen. Wörtlich schreibt Pro Aarau: «Die Schulpflege war sehr gefordert, auf allen Ebenen, und dies hat Spuren hinterlassen. Die Funktion ist dermassen anspruchsvoll und zeitintensiv, dass für die meisten Schulpfleger und Schulpflegerinnen der Aufwand nicht mehr infrage kommt. Es ist ihnen hoch anzurechnen, dass sie trotz dieser sehr hohen Belastung die Legislatur ordentlich abschliessen werden.» Und dann: «Als schwierigster Part in diesem neuen Kreisschulkonstrukt hat sich aus Sicht von Pro Aarau das Verhältnis zwischen Kreisschulpflege und Kreisschulrat herauskristallisiert und ist möglicherweise der Hauptgrund, warum das Amt des Schulpflegers/der Schulpflegerin dermassen anspruchsvoll war.»

Einige Parteien, so schreibt Pro Aarau weiter, hätten das Kreisschulrats-Amt «als Sprungbrett für eine politische Karriere missbraucht». Es sei «die Tendenz» zu beobachten gewesen, dass «der Kreisschulrat zum Spielball von politisch motivierten Vorstössen wurde, die gar nicht in dessen Kompetenzbereich fielen». Kreisschulratsmitglieder hätten «diverse Partikularinteressen» vorgebracht, die «die angemessene Flughöhe vermissen liessen» und dem Wohl der Schule «in keiner Weise zuträglich» gewesen seien. «Der Schulpflege steht aber für solch politische Arbeit kein entsprechender Verwaltungsapparat zur Verfügung, wie dies beim Stadt- respektive Gemeinderat der Fall ist», so Pro Aarau in der Mitteilung. «Das Resultat ist eine überproportionale Belastung durch politische Vorstösse, bei der das eigentliche Tagesgeschäft kaum noch bewältigt werden kann.»

Dass sich Pro Aarau für die Kreisschulpflege in die Bresche wirft, ist einerseits damit erklärbar, dass der heutige Schulpflegepräsident, Daniel Fondado, zwar der SP beigetreten ist, aber laut einer Mitteilung auf der Website des Vereins nach wie vor Pro Aarau-Mitglied ist. Indes: Im Kreisschulrat ist Pro Aarau lediglich mit einem Sitz (Irene Bugmann Oelhafen) vertreten und stellt für die kommende Amtsperiode sogar gar keine Kandidatur mehr auf. Pro Aarau werde sich dafür einsetzen, dass die Rolle und die Funktion des Kreisschulrates nochmals kritisch hinterfragt werde, heisst es weiter in der Mitteilung von Pro Aarau. «Entsprechende Vorstösse sind in Vorbereitung.»

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