Aarau
Wie ein zwölfjähriger Aarauer zum Wachteln-Pfleger wurde und die Eier mittlerweile im Quartierladen verkauft

Seit rund eineinhalb Jahren hält Leonardo Bonetti einige Wachteln im heimischen Garten und bringt ihnen Kunststücke bei. Wie er zu den Tieren kam und wieso er eines der Tiere sogar mal eine Woche in seinem Zimmer wohnen liess.

Anja Suter Jetzt kommentieren
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Der Aarauer Leonardo Bonetti im Aussengehege seiner Wachteln. Mehlwürmer mögen sie besonders.

Der Aarauer Leonardo Bonetti im Aussengehege seiner Wachteln. Mehlwürmer mögen sie besonders.

Valentin Hehli

Blitzschnell flitzt Trixi durch das Gehege und verschwindet in einem Laubhaufen. Erst das Rascheln der Mehlwürmer im Behälter, den Leonardo Bonetti in den Händen hält, erregt die Aufmerksamkeit der Wachtel und ihrer Kolleginnen. Mit dem proteinreichen Snack schafft es der 12-Jährige gar, seine Schützlinge zu ein paar Pirouetten zu überzeugen.

Lang recken sie die Hälse, um die Mehlwürmer zu erreichen. Auf den ersten Blick sehen sich die Tiere sehr ähnlich. Probleme sie zu unterscheiden, hat Leonardo keine. «Ich verstehe nicht, wie man sie nicht unterscheiden kann. Ich sehe das an der Art, wie sich bewegen und verhalten», sagt er.

Wieso er seinen Wachteln Katzengras gibt

Da es an diesem Morgen kalt und stürmisch ist, geht es für die drei Wachteln jedoch bald wieder zurück in ihr Winterquartier, wo zwei weitere Tiere warten. Fünf Wachteln besitzt Leonardo Bonetti derzeit, die kalten Wintermonate verbringen sie in ihrem Winterquartier im Keller. In mehreren Boxen, die mit Rohren und Treppen verbunden sind, warten die Wachteln auf besseres Wetter.

Die kalten Wintermonate verbringen die Wachteln in ihrem Winterquartier im Keller von Leonardo Bonetti.

Die kalten Wintermonate verbringen die Wachteln in ihrem Winterquartier im Keller von Leonardo Bonetti.

Valentin Hehli

«Wenn das Wetter schön ist, lasse ich sie auch im Winter raus», erklärt Leonardo, während er den Wachteln frisches Katzengras in die Boxen gibt. «Das mögen sie besonders», sagt er. Der junge Aarauer kennt seine Tiere gut, seit August 2020 hält er zu Hause eine kleiner Gruppe der rundlichen Vögel.

Wenn Leonardo seinen Wachteln eine Freude machen möchte, kauft er ihnen Katzengras.

Wenn Leonardo seinen Wachteln eine Freude machen möchte, kauft er ihnen Katzengras.

Valentin Hehli

Ursprünglich wollte Leonardo eigentlich Kaninchen. «Wir haben das Projekt mit Nachbarn zusammen beschlossen, sie wollten lieber Hühner.» Schliesslich wurden es Wachteln, Tiere, mit denen die Bonettis bis anhin noch keine wirklichen Berührungspunkte hatten.

«Meine Mutter hat dann einige Bücher gekauft, die wir gelesen haben», erzählt er. Vieles lernte Bonetti aber nach dem Prinzip «Learning-by-doing» und mit der Hilfe von anderen. «Unsere ehemalige Nachbarin ist Tierärztin und auf Geflügel spezialisiert. Mehr Glück konnten wir gar nicht haben», sagt Leonardo. Und auch bei der Züchterin aus Würenlos, von welcher die Wachteln stammen, meldet sich der junge Aarauer, wenn er Fragen hat.

Mit der richtigen Motivation lassen sich die Wachteln auch zu Kunststücken überreden.

Valentin Hehli

Die Hütte, die den Wachteln in ihrem Aussenquartier als Unterschlupf dient, erhielt die Familie von Freunden aus Deutschland, das Aussengehege baute sie selbst. Es ist mit einem Netz abgedeckt. «Wachteln können bis zu sieben Meter hoch kommen», begründet Leonardo die Abdeckung.

Wie die Wundversorgung bei Wachteln funktioniert

In den eineinhalb Jahren hat der Zwölfjährige viel Erfahrung sammeln können. So weiss er heute beispielsweise genau, wie er reagieren muss, wenn ein Tier bei Kämpfen um die Rangordnung verletzt wird. «Wenn die Wachteln bluten, kann ich ja kein Pflaster draufkleben, wie bei einem Menschen. Inzwischen haben wir aber einen Bepanthen-Spray.»

Ein krankes Tier pflegte der Wachtelbesitzer gar mal für eine Woche in seinem Zimmer. «Das war dann aber doch ein wenig staubig», sagte er. Da die Wachtel schon zu krank war, verstarb sie leider. «Das war wirklich schlimm für mich», erzählt Leonardo.

Eines der Tiere reckt sich nach einem Mehlwurm.

Eines der Tiere reckt sich nach einem Mehlwurm.

Valentin Hehli

Bei den Bonettis ist hauptsächlich Leonardo für die Wachteln zuständig und er hat viel über seine Schützlinge erklärt. Fachkundig erzählt er, was die Wachteln am liebsten fressen, wie man sie pflegt und wo er die verschiedenen Utensilien einkauft.

Der Verantwortung ist der Zwölfjährige definitiv gewachsen. So haben seine Eltern auch entschieden, ihm ein monatliches Budget für die Wachteln zur Verfügung zu stellen, das Leonardo selbst verwaltet und einteilt. «Seine Aufgaben sind organisch gewachsen und wir haben Freude, dass er das machen kann», sagt Yargo Bonetti und Leonardos Mutter, Isabelle Odermatt Bonetti, ergänzt:

«Er ist sehr verantwortungsbewusst.»

Aufstocken kann Leonardo sein Budget mit dem Verkauf der Wachteleiern im Quartierladen im Gönhard. Die kleinen Kisten dafür bestellt er im Internet und die Etiketten druckt er selbst. Er möge die Eier selbst nicht wirklich, sagt Leonardo. «Aber lieber Wachtel- als Hühnereier, die kann man in einem Happs essen.»

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