Aarau
Wegen Eniwa-Panne standen zwei Etagen unter Wasser – am Donnerstag wurde abgepumpt

Die Sache blieb fast unbemerkt: Die Pumpen in den früheren Schutzräumen bei der Neuen Kanti Aarau fielen beim Stromausfall Mitte Mai aus, zwei Etagen wurden mit Wasser überflutet. Feuerwehr, Zivilschutz und Eniwa verhinderten nun Schlimmeres.

Daniel Vizentini
Merken
Drucken
Teilen
Feuerwehrkommandant David Bürge (links) und Serge Richner (Zivilschutz) zeigen die überfluteten Räume.

Feuerwehrkommandant David Bürge (links) und Serge Richner (Zivilschutz) zeigen die überfluteten Räume.

Daniel Vizentini

Der grossräumige Stromausfall vom 14. Mai in der Region Aarau hatte eine Folge, die über Wochen unentdeckt blieb: In der früheren Sanitätshilfestelle («SanHist») unter der Turnhalle bei der Neuen Kantonsschule stiegen die Pumpen aus, die normalerweise das Grund- und Schmutzwasser fernhalten, das auf die Mauern der unterirdischen Anlage drückt. Aus noch unbekannten Gründen schalteten sich die Pumpen nicht mehr ein, als der Strom zurück war. Leise und unbemerkt begann die Anlage zu überfluten, bis Tiefbauamt-Mitarbeiter Stefan Graber beim Ablesen der Wasserzähler das Ungemach bemerkte.

Das dritte Untergeschoss stand gestern Donnerstagmorgen noch komplett unter Wasser, beim zweiten Untergeschoss reichte das Wasser bis auf 84 cm Höhe:

Feuerwehrkommandant David Bürge zeigt die Höchstmarke der Überflutung: 84cm.

Feuerwehrkommandant David Bürge zeigt die Höchstmarke der Überflutung: 84cm.

Daniel Vizentini

Glück im Unglück: Einerseits regnete es in den letzten Tagen nicht mehr heftig, andererseits waren diese beiden Geschosse dem Vernehmen nach praktisch leer.

Musikgesellschaft konnte ihre Instrumente retten

Das erste Untergeschoss blieb trocken. Diese Räume werden an Vereine vermietet, zum Beispiel die Musikgesellschaft, die dort unter anderem ihre Instrumente aufbewahrt. Auch das Mobiliar der ehemaligen Sanitätshilfestelle ist in dieser Etage untergebracht.

In den 1960er-Jahren vom Bund zu Schutzzwecken gebaut, wurde die grosse Anlage 2013 aufgehoben und der Stadt übergeben. Sie führte einst über 170 Betten und drei Notoperationstische. 2019 beim Eidgenössischen Turnfest wurde sie zuletzt für Übernachtungen genutzt.

Rapport durch David Bürge, Kommandant Feuerwehr, im ersten Untergeschoss, das nicht überflutet wurde.

Rapport durch David Bürge, Kommandant Feuerwehr, im ersten Untergeschoss, das nicht überflutet wurde.

Daniel Vizentini

Die Aarauer Feuerwehr und die Zivilschutzorganisation ZSO Aare Region machten sich gestern Morgen an das Abpumpen der überfluteten Räume. Eineinhalb Stunden nach Beginn der Arbeiten war der Wasserstand im zweiten Untergeschoss bereits von 84 auf 57,5 cm gesunken. Die ganze Aktion sollte geschätzt vier bis fünf Stunden dauern.

Beim morgendlichen Rapport schauten Vertreter der Stadt vorbei, darunter die für die öffentliche Sicherheit zuständige Stadträtin Suzanne Marclay-Merz. Sie dankte den Beteiligten für die geglückte Zusammenarbeit.

«Dies zeigt, wie wichtig es ist, dass Feuerwehr und Zivilschutz Hand in Hand miteinander arbeiten.»
Die «perfekte Zusammenarbeit»: Serge Richner (ZSO Aare Region, links) und David Bürge (Kommandant Feuerwehr Aarau) bei der Eingangsrampe zur Sanitätshilfestelle, die teilweise überflutet wurde.

Die «perfekte Zusammenarbeit»: Serge Richner (ZSO Aare Region, links) und David Bürge (Kommandant Feuerwehr Aarau) bei der Eingangsrampe zur Sanitätshilfestelle, die teilweise überflutet wurde.

Daniel Vizentini

«Mit der Feuerwehr alleine geht es nicht»

Auch Feuerwehrkommandant David Bürge hob die «perfekte Zusammenarbeit» beider Organe hervor. «Das System Bevölkerungsschutz hat hier funktioniert», sagte er. Doch das Ereignis habe auch gezeigt, «dass es mit der Aarauer Feuerwehr alleine nicht geht». So habe die Feuerwehr keine leistungsfähigen Pumpen, wie sie in diesem Fall nötig waren.

Die Einsatztruppe samt Verantwortlichen der Stadt: Ganz links Stefan Graber (vom Tiefbauamt, hat die Überflutung entdeckt). In der Mitte unter anderem Stadträtin Suzanne Marclay-Merz und Feuerwehrkommandant David Bürge.

Die Einsatztruppe samt Verantwortlichen der Stadt: Ganz links Stefan Graber (vom Tiefbauamt, hat die Überflutung entdeckt). In der Mitte unter anderem Stadträtin Suzanne Marclay-Merz und Feuerwehrkommandant David Bürge.

Daniel Vizentini

Diese wurden vom regionalen Zivilschutz bereitgestellt, der unkompliziert zugesagt hatte. Serge Richner, Bataillonskommandant-Stv. der ZSO, sagte: «Polizei oder Feuerwehr sind wie Rennpferde: Sie sind schnell da, müssen sich aber ablösen können, um sich wieder den Alltagsaufgaben anzunehmen. Der Zivilschutz ist langsamer, kann aber über eine längere Zeit die Bevölkerungsschutzpartner unterstützen.»

Den nötigen Strom fürs Abpumpen hat die Eniwa eigens bereitgestellt. In den nächsten Wochen werden die Schäden ermittelt, behoben und die bestehenden Pumpen repariert.

David Bürge, Kommandant Feuerwehr Aarau, beim Rapport am Morgen.

David Bürge, Kommandant Feuerwehr Aarau, beim Rapport am Morgen.

Daniel Vizentini