Kommentar
Aarau-Wahlen: Was für eine Blamage für die SVP – was für ein Erfolg für die SP

Auch wenn der Stadtpräsident noch nicht gekürt ist und die Einwohnerratswahlen erst im November stattfinden, steht bereits heute fest: Aarau ist künftig eine Mitte-Links-Stadt.

Urs Helbling
Urs Helbling
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Simon Burger am Bahnhof Aarau: Er schaffte es nicht, für die SVP den Stadtratssitz zu halten.

Simon Burger am Bahnhof Aarau: Er schaffte es nicht, für die SVP den Stadtratssitz zu halten.

HO

Die SP und die ihr zugewandten Parteien sind die grossen Sieger des gestrigen Wahltages. Sie stellen künftig vier der sieben Stadträte.

Und sie können sich berechtigte Hoffnungen machen, das Stadtpräsidium zu verteidigen. Daniel Siegenthaler erreichte mit 35,2 Prozent der gültigen Stimmen ein besseres Ergebnis, als weitherum erwartet worden war.

Angelica Cavegn Leitner (Pro Aarau) schnitt mit ihren 19,8 Prozent eher enttäuschend ab. Sie tritt zum zweiten Wahlgang nicht mehr an und wird Siegenthaler unterstützen. Rein mathematisch wäre der SP-Mann damit schon gewählt. Aber wer weiss, wie am 26. November, wenn es keinen zugkräftigen nationalen Urnengang mehr gibt, die Stimmbeteiligung sein wird. Gestern lag sie bei hohen 50 Prozent (wie 2013).

Für die Bürgerlichen ist der Kampf um die Rückeroberung des Präsidiums noch nicht verloren: Allerdings werden sie den Nachbrenner zünden müssen. Der Freisinnige Hanspeter Hilfiker hat mit 40,6 % zwar ein gutes, aber kein berauschendes Ergebnis erzielt.

Einmal mehr schwer geschlagen wurde die SVP. Sie verlor ihren Sitz. Den Sitz, den sie ohne den Effekt der Fusion mit Rohr seit 2001 nie mehr zu gewinnen vermochte. Der SVP-Mann Simon Burger hat über 700 Stimmen weniger gemacht, als Silvia Dell’Aquila. Was für eine Blamage für die SVP, was für ein Tiefschlag für Burger. Wie soll die Sünneli-Partei je den Wiedereinzug in den Stadtrat schaffen, wenn es ihr mit Leuten wie einem Simon Burger nicht mehr gelingt.

Zu den Siegern gehört der Grüne Hanspeter Thür. Er ist Stadtrat und er wird wohl Vizepräsident. Er hat mit Franziska Graf-Bruppacher sogar eine Bisherige geschlagen. Der Hochbau für den Grünen, die Polizei und die Feuerwehr für Suzanne Marclay?

Die Frauen haben im Stadtrat zwar nicht mehr die Mehrheit, aber wenigstens noch drei Sitze. Suzanne Marclay-Merz verteidigte zudem den zweiten FDP-Sitz. Das war nicht selbstverständlich – und dürfte die Bürgerlichen über den Verlust der Mehrheit im Stadtrat hinwegtrösten. Zur Erinnerung: Noch in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts stellte die FDP vier der sieben Stadträte – hatte also für sich alleine das Sagen.

Was hat die Wende in der Sachpolitik für Folgen? Einen Vorgeschmack gibts heute Abend im Einwohnerrat: Dort hat Mitte-Links bereits eine hauchdünne Mehrheit. Es droht eine weitere Steuererhöhung.