Aarau
«Visionslos»: Dem Ein-Themen-Kandidaten gehts um die Rettung des Mitteldamms

Der Parteilose Peter Wehrli (62) will mit seiner Stadtratskandidatur die Sinnlosigkeit des Eniwa-Projektes aufzeigen.

Urs Helbling
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Peter Wehrli, Stadtratskandidat Aarau, fotgrafiert beim ENIWA-Kraftwerk in Aarau, am 26. August 2021.

Peter Wehrli, Stadtratskandidat Aarau, fotgrafiert beim ENIWA-Kraftwerk in Aarau, am 26. August 2021.

Severin Bigler / © CH Media

Er begann seine Karriere als Mechaniker, studierte dann an der ETH Elektroingenieur, machte eine Ausbildung zum Medizinphysiker und wurde schliesslich Solateur (Experte für Sonnenenergieanlagen). Privat wohnt er seit über 30 Jahren an der Vorderen Vorstadt. Politisch ist er bisher nicht aufgefallen: Doch jetzt will es Peter Wehrli (62) wissen. Er hat sich als Parteiloser zu den Stadtratswahlen angemeldet. Und er greift mit seiner Kandidatur als Vizepräsident gleich noch Werner Schib (CVP) an, der als einer der beiden Vertreter der Stadt im Verwaltungsrat der Eniwa sitzt.

Wehrli hat ein ganz grosses Anliegen: Er will die Kraftwerkserneuerung, so wie sie die Eniwa geplant hat, verhindern. Darum hat er der Gruppe, die ihn portiert, auch den Namen «Mitteldämme brechen nie!» gegeben. Es gibt sogar schon eine entsprechende Internetseite (www.mitteldämme-brechen-nie.ch). Wehrli sagt: «Das von der Eniwa aufgelegte Projekt ist visionslos. Es ist im Geiste der achtziger Jahre projektiert. Dies ist sehr schade, hätten wir doch jetzt die Möglichkeit, in Aarau die Kraftwerkserneuerung mit den neu uns zur Verfügung stehenden Technologien als Leuchtturm-Projekt zu realisieren.»

Ingenieur Wehrli hat sich intensivst mit dem Projekt befasst. Er war einer der Einsprecher gegen das Vorhaben. Seine Eingabe ist, weil er zu weit weg wohnt (er kein schutzwürdiges Interesse hat), abgelehnt worden. Doch Wehrli gibt nicht auf: «Wenn man das verhindern will, muss man es politisch verhindern.» Und: «Die Stadt müsste als Mehrheitsaktionärin bei der Eniwa vorstellig werden.»

Für Wehrli ist aufgrund seiner Berechnungen klar:

«Die Effektivität der
Mitteldamm-Entfernung wurde
viel zu hoch veranschlagt.»

Sie sei gar nicht notwendig, um die Fördermittel des Bundes (Subventionen) zu erhalten. Es werde sinnlos ein Naherholungsgebiet geopfert. All das hat er in der 17-seitigen Eingabe mit vielen Zahlen hergeleitet. Wehrli fordert nicht nur die Erhaltung des Mitteldammes in seiner vollen Länge. Er verlangt zudem: «Für den Betrieb des Kraftwerkes stellt die Eniwa ab Inbetriebnahme eine öffentlich zugängliche Smart-Meter-Schnittstelle mit beglaubigten hydrologischen Betriebs-und elektrischen Lastgang-Da-ten zur Verfügung.» Das diene der Kontrolle der zweckmässigen Verwendung von elektrischer Energie und den gesprochenen Fördermitteln durch die Öffentlichkeit.

In welchem Stadium sich die diversen Bewilligungsverfahren befinden, ist nicht öffentlich bekannt. «Aufgrund des laufenden Prozesses kann derzeit weder über den Ausgang der Verfahren noch über den Zeitpunkt der Entscheide Auskunft gegeben werden», heisst es seitens der Eniwa. Bekannt ist, dass gegen den 144 Millionen Franken teuren Kraftwerksneubau im Frühling vier Einsprachen eingereicht worden sind (darunter eine mit 23 Unterschriften). Bereits im Winter gab es acht Einsprachen (darunter eine Sammeleinsprache) gegen das 20 Millionen Franken teure Unterwerk. Gegenwärtig läuft zudem ein Projektwettbewerb für eine Wohnüberbauung (70 bis 90 Wohnungen) entlang der Erlinsbacherstrasse.

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