Aarau
Trotz Aufteilung in neun Gottesdienste: «Konfirmanden sind noch nie so gern gekommen wie im Coronajahr»

500 Besucher sind beim Konfirmationsgottesdienst in der Aarauer Stadtkirche normal. Jetzt dürfen es nur 50 sein. Für Pfarrer Stefan Blumer bedeutet das: flexibel bleiben und Gottesdienste aufteilen.

Katja Schlegel
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Eine Konfirmation (wie hier 2018) wird Pfarrer Stefan Blumer (an der Gitarre) dieses Jahr nicht feiern können. Heuer gibt es neun Gottesdienste.

Eine Konfirmation (wie hier 2018) wird Pfarrer Stefan Blumer (an der Gitarre) dieses Jahr nicht feiern können. Heuer gibt es neun Gottesdienste.

Zvg / Aargauer Zeitung

Die Konfirmation. Eine Segenshandlung, der feierliche Übertritt ins kirchliche Erwachsenenalter. Und vor allem: ein Fest, ein Zusammenkommen, ein Gemeinschaftserlebnis.

Eine Gemeinschaft, die sich aktuell auf eine Handvoll Personen beschränkt. Fünf in der Stube, 15 im Garten, 50 in der Kirche. Das macht das Feiern schwierig. Die Folge: Die reformierten Kirchgemeinden müssen aufteilen, konfirmiert wird in Portionen.

So hat beispielsweise die reformierte Kirche Aarau im aktuellsten «Reformiert» neun Gottesdienste für 25 Konfirmanden gelistet, verteilt auf zwei Wochenenden im März.

Doch kaum publiziert, sind auch diese Daten schon nicht mehr aktuell, sagt Pfarrer Stefan Blumer und lacht. Inzwischen wurden – aufgrund des letzten Bundesratsentscheids – sieben der neun Gottesdienste auf das letzte Mai-Wochenende verschoben. «In der Hoffnung, dass dann ein Restaurantbesuch und das Feiern in grösserer Runde wieder möglich sind», sagt Blumer.

Was Pfarrer Blumer auf jeden Fall verhindern wollte

Improvisieren gehört für Pfarrer Blumer seit Monaten in allen Belangen mit dazu. Was wie eine Konfirmation langfristig geplant werden muss, weil beispielsweise die Verwandtschaft aus dem Ausland anreist, wurde in verschiedenen Varianten parallel geplant. «Das ist sehr aufwendig», sagt Blumer.

Aber beschweren will er sich auf keinen Fall. «Wir haben als Kirche das grosse Privileg, dass wir Gottesdienste mit bis zu 50 Personen feiern dürfen.» Was Pfarrer Blumer auf jeden Fall verhindern wollte: Einzelkonfirmationen. «Ich habe das in Zürich erlebt, als die Jugendlichen im 15-Minuten-Takt in die Kirche kamen. Das war traurig.»

Seine Konfirmanden hätten sich nun selbst arrangiert und sich so in Gruppen aufgeteilt, dass insgesamt die 50-Personen-Grenze nicht überschritten wird. Entstanden sind so Zweier-, Dreier- und eine Vierergruppe, und das ohne grosses Hin und Her. Blumer sagt:

«Die Stimmung unter den Jugendlichen ist extrem gut und das Verständnis für die Situation ist gross.»

Aber ja, wehmütig stimme ihn das schon auch. «In den Vorjahren war es völlig normal, dass bei 20 Konfirmanden 500 Gäste in der Stadtkirche sassen.»

Konf-Lager nach dem dritten Anlauf abgesagt

Das Highlight jedes Konfirmanden, das Konf-Lager, musste nach drei Versuchen abgesagt werden. Ein echter Verlust, sagt Pfarrer Blumer, der seit 35 Jahren Jugendliche betreut. Um die Lagerstimmung ansatzweise wettzumachen, hat Blumer den Jugendlichen innerhalb des Unterrichts viel Zeit für sich gelassen. Für Gespräche, für den Austausch. Momente, die coronabedingt für diese Altersgruppe sonst kaum möglich waren.

«Die Jugendlichen haben sich richtig auf den Konf-Unterricht gefreut», sagt Blumer und lacht. «Ich habe noch nie erlebt, dass die Konfirmanden so gern in den Unterricht gekommen sind wie im Coronajahr.»

Ein bisschen Gemeinschaftsgefühl wird es an den Konfirmationen doch geben: Damit trotz allem alle Jugendlichen bei jedem Konf-Gottesdienst mit dabei sind, zeichnen die Konfirmanden ein Video auf, das bei den Feiern eingespielt wird. Und der letzte Funken Hoffnung auf das traditionelle Aarauer Nach-Konf-Lager in Berlin, der glimmt noch immer.