Aarau
SVP-Stadtratskandidatin Nicole Burger: «Die Anfrage für eine Kandidatur kam für mich überraschend»

Zehn Männer und Frauen wollen (wieder) in den Aarauer Stadtrat. Die AZ stellt sie anhand eines standardisierten Fragebogens vor. Heute: Nicole Burger (SVP).

Nadja Rohner
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Nicole Burger mit ihrem Mann Simon und zwei der vier Kinder am Maienzug light.

Nicole Burger mit ihrem Mann Simon und zwei der vier Kinder am Maienzug light.

Fabio Baranzini

Was stört Sie an Aarau?

Nicole Burger: Wenn man mehrere Tage über diese Frage nachstudiert und trotzdem keine Antwort findet, muss man vielleicht einfach ehrlich sein: Nichts. Ich finde die Lebensqualität unvergleichlich. Insbesondere schätze ich, dass ich mit dem Velo alles gut erreichen kann und ein tolles Angebot für Familien besteht.

Wie lange halten Sie es ohne Handy aus?

Ich lege das Handy immer wieder komplett auf die Seite, insbesondere, wenn ich auf Besuch bin oder mich mit anderen treffe. Es passiert mir auch, dass ich es irgendwo vergesse oder nicht dran denke, es auf laut zu stellen. Dann bin ich halt nicht erreichbar, was aber auch nicht schlimm ist.

Warum sind Sie Politikerin geworden?

Ziemlich unbeabsichtigt. Als Jugendliche und junge Erwachsene war ich zwar interessiert an Politik, verlor diese im Verlaufe meiner Ausbildung und Familiengründung aber etwas aus den Augen. Erst als ich im Zusammenhang mit einer Pensumsreduktion nach der Geburt eines meiner Kinder etwas mehr Zeit hatte, verspürte ich wieder den Wunsch, mich zu engagieren. Lokal- und Schulpolitik interessierte mich, weswegen ich mich für diesen Weg entschied. Die Anfrage für eine Stadtratskandidatur kam für mich überraschend. Ich nahm diese Herausforderung aber gerne an.

Warum ist Andreas Glarner ein guter Politiker?

Andreas Glarner hat ein Gespür für Themen, welche die Leute bewegen. Mit seiner unverblümten Ausdrucksweise bringt er diese in einer Art auf den Punkt, die manche wohl auf die Palme bringt. Dennoch muss man ihm diese Fähigkeit mit Sicherheit neidlos zugestehen.

Juristin mit vier Kindern

Nicole Burger-Mittner (41) ist mit Simon verheiratet und hat vier Kinder. 2017 wurde sie in den Kreisschulrat Aarau-Buchs gewählt. Sie ist pomovierte Juristin und arbeitet Teilzeit als Staatsanwältin. In der Pfadi war die Ostschweizerin nie («das gab’s bei uns im Dorf nicht»).

Wofür werden zu viele Steuergelder ausgegeben?

Mir scheint, dass der Stadtrat bislang recht haushälterisch mit unseren Steuergeldern umgeht. Auf lokaler Ebene eröffnet sich mir kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Bei der Höhe des Steuerfusses kann meines Erachtens diskutiert werden, ob nicht Luft nach unten besteht. Im Zusammenhang mit dem Steuerfussabgleich mit dem Kanton im Jahr 2018 wurde darauf verzichtet, die eingesparten 3 Prozent an die Bevölkerung weiterzugeben. Die damals befürchteten Steuerausfälle traten in der Folge aber nicht ein.

Wenn Sie einfach so könnten: Wofür würden Sie 10 Millionen Steuer-Franken ausgeben?

Einem ersten Gedanken folgend, würde ich das Geld in Bildung investieren. Bildung bereichert unsere Gesellschaft und macht uns konkurrenzfähig. Auf der anderen Seite: Wären 10 Millionen frei verfügbar, hiesse das wohl auch, dass dieser Betrag zu viel eingenommen worden ist. Es wäre vermessen, diese Millionen einfach nach meinem eigenen Gutdünken auszugeben, insbesondere denjenigen gegenüber, welche dieses Geld verdient und dem Staat überwiesen haben. Zumindest notwendig wäre folglich ein demokratischer Entscheid über die Verwendung – oder die Rückzahlung an die Steuerpflichtigen.

Trauern Sie dem Zukunftsraum nach?

Ich hätte zwar durchaus die Vorteile gesehen, welche Aarau durch eine Vergrösserung erreicht hätte. Letztlich glaube ich aber, dass die Nachteile überwogen hätten. Die Aarauerinnen und Aarauer hätten nicht nur längere Wege für Behördengänge auf sich nehmen müssen, sondern wohl auch mit einer höheren Steuerlast zu kämpfen gehabt.

Haben Sie Verständnis für die Einsprecher gegen das Stadion?

Ein bisschen. Natürlich ist so ein Stadion eine Belastung für die unmittelbare Nachbarschaft. Das merken auch die derzeitigen Anwohner des Brügglifelds. Auf der anderen Seite muss man einen demokratischen Entscheid irgendwann akzeptieren. Und dieser Zeitpunkt ist mittlerweile mit Sicherheit gekommen.

Warum könnten Sie sich vorstellen, in einer Telli-«Staumauer» zu wohnen?

Als ich als Neuzuzügerin vor vielen Jahren erstmals die Telli-Blöcke von Rombach her von oben betrachten konnte, hatte ich als Erstes die Assoziation mit drei grossen Kreuzfahrtschiffen. Das ist mir bis heute geblieben. Insofern ist das Quartier bei mir überhaupt nicht negativ belastet. Im Gegenteil: Die Naherholungszone mit der Aare ist wunderschön. Als Mutter von vier Kindern schätze ich zwar im Moment unser Haus mit Garten. Lebensumstände ändern sich aber. Ich kann mir durchaus vorstellen, auch mal in einem anderen Stadtteil glücklich zu sein.

Was finden Sie attraktiv an sich?

Rein äusserliche Merkmale verlieren mit der Zeit an Bedeutung. Darüber dürfen gerne andere urteilen. Ansonsten finde ich an mir attraktiv, dass ich eine gute Balance zwischen Familie, Job und Politik gefunden habe – und dabei das gute Gefühl habe, dass niemand zu kurz kommt.

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