Aarau
Statt Bibelsprüchen gibts nun Kunstplakate

Sechs Aarauer Kunstschaffende haben im Auftrag der Stadt Plakate entworfen. Diese wurden nun an verschiedenen Plakatwänden aufgehängt.

Katja Schlegel
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Seit Donnerstagnachmittag hängen die ersten Plakate.

Seit Donnerstagnachmittag hängen die ersten Plakate.

Katja Schlegel / Aargauer Zeitung

Die Aarauer Kulturplakatwände fristen seit Monaten ein karges Leben. Wen wundert's, Kulturveranstaltungen sind ein rares Gut. Und so klebte zwischenzeitlich allerlei anderes an den Wänden; Bibelsprüche, Kleberli, Inserate für Lieferdienste und Babysitter. Alles recht, aber nicht im Sinne des Erfinders.

Jetzt nimmt die Abteilung Kultur der Stadt die sechs Plakatwände am Ziegelrain, hinter dem Telli-Centrum, beim Flösserplatz, in der Igelweid, beim Veloparkplatz Behmen und am Schlösslirain – von allem Ramsch befreit und frisch gestrichen – wieder in Anspruch.

Den Kunstschaffenden ist damit etwas geholfen

Und das grossflächig: «Wir haben sechs Aarauer Kulturschaffende um ein Sujet gebeten und haben davon Plakate drucken lassen», sagt Melanie Morgenegg, Leiterin der Abteilung Kultur. Diese Plakate wurden gestern Nachmittag aufgehängt und können nun quasi als Openair-Galerie besichtigt werden.

Die Sujets stammen von Leonie Brandner, Tomaz Gnus, Lionel Keller, Sadhyo Niederberger, Petra Njezic und Alain Schibli alias LAIN. Via QR-Code kann sich der Betrachter über die jeweilige Künstlerin oder den jeweiligen Künstler informieren.

Mit dieser Aktion werden nicht nur die Plakatwände verschönert und ein Einblick in Aaraus Kunstschaffen gewährt, sondern insbesondere auch die coronagebeutelten Kunstschaffenden unterstützt. Sie haben für ihr Sujet je 1200 Franken erhalten. «Wir gehen davon aus, dass die meisten im Moment weder ausstellen noch anderen Jobs nachgehen können und hoffen, dass unser Beitrag da ein bisschen hilft», sagt Melanie Morgenegg.

Freudig zugesagt, dann kam der Schweissausbruch

«Eine grossartige Aktion», findet denn auch Künstlerin Sadhyo Niederberger, die mit ihrem Werk «Performativer Farbfleck» vertreten ist. Sie habe keinen Moment überlegen müssen und sofort zugesagt. «Und gleichzeitig ist mir der Schweiss ausgebrochen.» Sie lacht.

Die Bildauswahl habe gut überlegt sein müssen, schliesslich richte sich so eine Präsentation im öffentlichen Raum an ein breites Publikum. Gleichzeitig wollte sie eine Aussage machen, die zum Nachdenken in der Zeit des Lockdowns anrege. «Aber jetzt bin ich mit dem Plakat sehr zufrieden.» Sadhyo Niederberger hofft nun, dass diese Aktion in Aarau Schule machen könnte: «Für uns Kunstschaffende ist das ein wunderbares Format. Und ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung.»

Vielleicht sogar für die heimische Stube zu haben

An den Plakatwänden zu sehen sind die sechs Poster solange, bis die Wände wieder von den Aarauer Kulturveranstaltenden genutzt werden. Wenn die Sujets bei den Passantinnen und Passanten gut ankommen, könne man sicher auch über einen Verkauf der Poster reden, so Melanie Morgenegg.