AARAU
Stadtratskandidat Peter Wehrli: «Ohne Handy kann ich keine Rechnungen mehr bezahlen»

Die Stadtratskandidaten über Zukunftsraum, Stadion und «Staumauern». Heute: Peter Wehrli (parteilos).

Aargauer Zeitung
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Will die Sinnlosigkeit des Eniwa-Projektes aufzeigen: Stadtratskandidat Peter Wehrli.

Will die Sinnlosigkeit des Eniwa-Projektes aufzeigen: Stadtratskandidat Peter Wehrli.

Severin Bigler

Was stört sie an Aarau?

Peter Wehrli: Die Party-Meile Rathaus/Regierungsplatz ist fantasielos und der Bus muss hier endlich weg.

Wie lange halten Sie es ohne Handy aus?

Kommt darauf an wo, in Nepal auf einer Fünf-Tausender Bergtour ist es nutzloses Gewicht. Im Alltag bestenfalls bis zum nächsten Einkauf und e-Banking sei Dank, ohne Handy kann ich keine Rechnungen mehr bezahlen, also nicht sehr lange.

Der Ein-Themen-Kandidat

Peter Wehrli (62) ist ledig und hat keine Kinder. Eine Partnerschaft führt er mit Rita Meyer. Portiert wird Wehrli von «Mitteldämme brechen nie!». Beruflich tätig ist er als Solateur (Experte für Sonnenenergieanlagen). Seine Karriere begann er einst als Mechaniker, danach studierte er an der ETH Elektroingenieur und machte eine Ausbildung zum Medizinphysiker. In der Pfadi hiess er einst Yeti, dies sei «sein bestgehütetes Geheimnis».

Warum sind Sie Politiker geworden?

Immer schön der Reihe nach, als Politiker wird eine Person bezeichnet, welche ein politisches Amt innehat; es ist falsch, mich so zu nennen. Wenn mit Politik der Prozess gemeint ist, welcher unser tägliches Zusammenleben regelt, dann möchte ich nun aus aktuellem Anlass mit mein Wissen und meiner Erfahrung das Thema Energiepolitik (Strom) aktiv mitgestalten. Im Zusammenhang mit der Kraftwerkserneuerung in Aarau musste ich leider erkennen, dass es über das ganze Parteispektrum betrachtet, weder genügend Interesse noch das notwendige Fachwissen gibt, um ein Energieprojekt dieser Komplexität konzeptionell und politisch mitzugestalten. Man überlässt die Energiepolitik wieder einmal einer opportunistischen Elite im Hintergrund. Es gibt keine Energiepolitik hier und das geplante Wasserkraftwerk Aarau ist schlussendlich visionslos. Das Argument für maximal viel Wasserstrom um jeden Preis greift hier zu kurz. Es steht in keiner Relation zum Aufwand, um die letztmöglichen 2 % Strom aus der Natur zu pressen. Weil gefördert, ist das Paretoprinzip (20% Aufwand für 80% Ertrag) bei Eniwa komplett aus dem Fokus und «Öko» gleichfalls passé. Ende der 70er Jahren hat genau dieser Geist unsere Atomkraftwerke gebaut, baue jetzt (20%), entsorge später (80%). Der Reifegrad dieses Projektes kurz vor Ausführung ist besorgniserregend. Nicht einmal ein Leistungsplan ist vorhanden. Gemeint ist eine graphische Standard-Darstellung der charakteristischen Kenn- und Nennwerte eines Wasserkraftwerks und ist Teil jeder seriösen Planung. Offensichtlich habe nur ich diesen Leistungsplan gerechnet und ihn unter anderem in Form einer Einsprache an Eniwa kommuniziert. Ich kann zeigen, dass das neue Kraftwerk, wenn konzeptionell gut geplant, ohne den Mitteldamm zu entfernen genügend Strom produzieren wird, um vom Bund im Sinne der Energiestrategie 2050 gefördert zu werden. Fazit, die Energiepolitik hier hat komplett versagt und die Stadt sieht sich nicht in der Pflicht, die notwendige Projektmaturität einzufordern. Als Ingenieur übernehme ich nun Verantwortung für meine hier ausgeteilt Kritik und kandidiere als Stadtrat.

Warum ist Andreas Glarner ein guter Politiker?

Als Dadaist: Die Antwort auf die ultimative Frage nach dem Leben, dem Universum und allem ist 42 (Douglas Adams, Hitchhiker’s Guide to the Galaxy).

Wofür werden zu viele Steuergelder ausgegeben?

Der Öffentlichkeit wird eher zu viel Last für zu wenig Geld zugemutet. IT-Projekt wie Superb (900 Mio. Fr.) oder Insieme (Abbruch bei 116 Mio. Fr.) assoziiere ich mit einem nutzlosen Fass ohne Boden. Bei dieser Gelegenheit, wofür war die Million für die Namensänderung von IBA zu Eniwa?

Wenn Sie einfach so könnten: Wofür würden Sie 10 Millionen Steuer-Franken ausgeben?

Ohne zu zögern, in die Ausbildung unserer Kinder, zum Beispiel kleinere Schulklassen, es kommt 100 Mal zurück. Trauern Sie dem Zukunftsraum nach? Da bin ich eher neutral, wer nimmt, muss auch geben und eine Fusion muss von innen wachsen, vielleicht nicht alles am Stück, dann kommts gut.

Haben Sie Verständnis für die Einsprecher gegen das Stadion?

Ja, das habe ich, in gleichem Masse wie für den FC Aarau endlich in einem neuen Stadion zu spielen; leider ist das Projekt konzeptionell vergeigt, zweimal abgesägt und immer noch zu kurz.

Warum könnten Sie sich vorstellen, in einer Telli-«Staumauer» zu wohnen?

Ja sicher, ich wohne ja schon in einer (Altstadt)-Mauer, bitte zuoberst mit Blick auf den Sonnenuntergang.

Was finden Sie attraktiv an sich?

Ich mich, das kann nur mein Gegenüber beurteilen: Weiche Schale harter Kern.

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