Aarau
Stadtratskandidat Hanspeter Thür (Grüne): «Ich betrachte mein Engagement als Dienst an der Gemeinschaft und denke an meine Enkel»

Zehn Männer und Frauen wollen (wieder) in den Aarauer Stadtrat. Die AZ stellt sie anhand eines standardisierten Fragebogens vor. Heute: Hanspeter Thür (Grüne).

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Hanspeter Thür, Grüne, Stadtrat Aarau.

Hanspeter Thür, Grüne, Stadtrat Aarau.

Zvg / Aargauer Zeitung

Was stört Sie an Aarau?

Eigentlich nichts. Dennoch sehe ich Verbesserungspotenzial. In Sachen Umsetzung der Klimaziele hat die Stadt Luft nach oben. Aber der Weg stimmt.

Wie lange halten Sie es ohne Handy aus?

Das Handy ist für mich als Stadtrat ein ausgezeichnetes Arbeitsinstrument. Bin gut erreichbar und kann auf Bürgeranfragen rasch reagieren. Innerhalb des Stadtrats haben wir mit einem Chat eine einfache Kommunikation etabliert, sodass wir untereinander stets auf dem Laufenden sind. Es ist aber schon vorgekommen, dass ich das Gerät zu Hause vergass. Die Welt ist deshalb nicht untergegangen.

Der Mann mit grossem Rucksack

Hanspeter Thür (72) ist der Aarauer Stadtrat mit der grössten Politerfahrung, war er doch schon Gross- und Nationalrat sowie Präsident der Grünen Partei Schweiz. Bekannt ist der Jurist schweizweit auch als ehemaliger Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter. Per 2018 wurde er in den Stadtrat gewählt. Thür ist verheiratet mit Martina Pribnow, hat eine erwachsene Tochter und zwei Enkelkinder.

Warum sind Sie Politiker geworden?

Schon während meines Studiums in Basel in den frühen 70er-Jahren beschäftigten mich Umweltthemen: der Verlust von Lebensqualität durch Stadtautobahnen oder das AKW Kaiseraugst vor den Toren der Stadt. Später kamen Sorgen über das Klima oder den Verlust der Artenvielfalt hinzu. Ich betrachte mein politisches Engagement als Dienst an der Gemeinschaft und denke an meine Enkel.

Warum ist Andreas Glarner ein guter Politiker?

Darüber schweigt des Sängers Höflichkeit.

Wofür werden zu viele Steuergelder ausgegeben?

In den Budgetdebatten des Stadtrats nehmen wir alle Positionen akribisch unter die Lupe bis hin zu Details wie Fotokopien, Versandkosten usw. und kürzen und streichen unnötige Positionen. Das heisst: Die Stadt geht mit den Steuergeldern sehr sorgfältig um.

Wenn Sie einfach so könnten: Wofür würden Sie 10 Millionen Steuer-Franken ausgeben?

Es gibt noch viele Dächer in der Stadt, die mit Fotovoltaik ausgerüstet werden könnten. Fast 50 Prozent der städtischen C02-Immissionen stammen vom Heizen. Wenn noch Geld übrig bliebe, würde ich in den Ausbau des Wärme- und Kältenetzes der Eniwa investieren.

Trauern Sie dem Zukunftsraum nach?

Klar. Aarau mit seinen umliegenden Gemeinden ist ein Siedlungsraum mit gemeinsamen Herausforderungen. Ein übergeordneter Blick führt zu besseren Resultaten. Das Beispiel der Traglufthalle für ein Schwimmbecken in Suhr zeigt, wie schwierig es ist, die betroffenen Gemeinden, die davon profitieren würden, hinter das Projekt zu bringen, wenn es ums Zahlen geht.

Haben Sie Verständnis für die Einsprecher gegen das Stadion?

Ja, für die unmittelbaren Nachbarn bringt das Projekt eine beträchtliche Veränderung. Deshalb müssen sie sich einbringen können. Weniger Verständnis habe ich, wenn sich hinter ihren berechtigten Anliegen andere Gegner verstecken.

Warum könnten Sie sich vorstellen, in einer Telli-«Staumauer» zu wohnen?

Die «Staumauer» ist ein schweizweit anerkanntes Beispiel einer gelungenen Stadterweiterung mit hoher Verdichtung und guter Lebensqualität. Das in den 70ern gebaute Quartier funktioniert mit seiner guten Durchmischung bis heute. Die Stadt trägt mit der Unterstützung des Gemeinschaftszentrums und ihren günstigen Wohnungen dazu bei. Ich bin dort oft eingeladen und schätze Wohnqualität und Weitblick.

Was finden Sie attraktiv an sich?

Vielleicht meine Neugier für Neues und meine Lust am Debattieren.

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