Aarau
Stadtrat hält an Asphaltbelag-Projekt ohne Stadtbachöffnung fest – nun muss der Regierungsrat entscheiden

Die umstrittene Sanierung der Vorderen Vorstadt ist zurück auf dem politischen Tapet. Der Stadtrat hat ein entsprechendes Postulat beantwortet und begründet, weshalb er keine Pflastersteine mehr will.

Nadja Rohner
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Die Vordere Vorstadt liegt zwischen Regierungsgebäude und Altstadt.

Die Vordere Vorstadt liegt zwischen Regierungsgebäude und Altstadt.

Nadja Rohner

Der Stadtrat hält am aktuellen Projekt zur Umgestaltung der Vorderen Vorstadt fest. Das bekräftigt er nochmals in seiner Botschaft zum Postulat «Überarbeitung der Neugestaltung Vordere Vorstadt» von GLP und Grüne. Dem Postulat war ein Bericht der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege sowie der Eidgenössischen Kommission für Natur- und Heimatschutz vorausgegangen.

Die Kommissionen beurteilten das Sanierungsprojekt und kamen zum Schluss, es sei «als schwerwiegende Beeinträchtigung des Denkmals <mittelalterliche Stadtanlage> und des Ortsbildes von nationaler Bedeutung einzustufen». Dies vor allem, weil die Pflastersteine einem Asphaltbelag weichen sollen.

Gutachten enthalte «Unklarheiten»

Laut Stadtrat hängt das Baugesuch wegen eines Beschwerdeverfahrens aktuell beim Regierungsrat. Der Schriftenwechsel sei noch nicht abgeschlossen, heisst es in der Botschaft zum Postulat. Im Gutachten seien «einige Unklarheiten festgestellt» worden. «Zudem setzt sich das Gutachten nicht mit den Interessen auseinander, welche für eine Asphaltierung sprechen. Hierzu bedarf es einer umfassenden Interessenabwägung der Beschwerdeinstanz.»

Visualisierung der Neugestaltung der Vorderen Vorstadt.

Visualisierung der Neugestaltung der Vorderen Vorstadt.

Zvg Stadt Aarau

Der Stadtrat nimmt zu verschiedenen im Postulat aufgebrachten Kritikpunkten Stellung. So sei das Thema Ortsbild bei der Ausarbeitung des Sanierungsprojekts «durchaus berücksichtigt» worden. Man habe aber auch Aspekte einfliessen lassen, etwa die «hohe Frequenz des Busverkehrs», welche besondere Anforderungen an den Belag stelle», der Lärmschutz, die Barrierefreiheit. Ausserdem wirtschaftliche Faktoren – die Kosten für den Unterhalt und die Instandstellung der neuen Strassenoberfläche.

Stadtbachöffnung wäre laut Stadtrat «sehr aufwendig» und teuer

Die Postulanten hatten gefordert, dass Aspekte der klimaangepassten Stadtentwicklung in das Projekt einfliessen. Der Stadtrat erteilt dem Anliegen aber eine Absage: Weil «in einer belebten historischen Bestandesstrasse in der Innenstadt» gebaut werde, wo «neben den Nutzungsanforderungen an die Oberfläche die volle Bandbreite an Werk- und Kanalisationsleitungen» unterzubringen sei, ginge das nicht.

Auch die gewünschte Offenlegung des Stadtbachs, welcher unter der Vorderen Vorstadt fliesst, erachtet der Stadtrat als nicht realistisch – und er weist zudem darauf hin, dass der Einwohnerrat dieses Ansinnen 2014 (knapp) abgelehnt hat. Eine teilweise Öffnung des Stadtbachs über «Dekorinnen» wie in der Altstadt sei «sehr aufwendig».

Ausserdem würden diese keinen Beitrag zum Hochwasserschutz leisten, der ebenfalls mit dem Sanierungsprojekt verbessert werden soll. Würde man den Stadtbach komplett öffnen wollen, bedingte das ein ganz neues Hochwasserschutzprojekt. «Für die Planung und Realisierung würden erhebliche Mehrkosten entstehen», schreibt der Stadtrat. Es würde ausserdem «zu neuen Konflikten mit den Werkleitungen» führen.

«Des Weiteren hätte die Offenlegung zur Folge, dass die Aufenthaltsbereiche der Strasse deutlich verkleinert, Stolperstellen geschaffen und die Zugänglichkeit zu den bestehenden Wohnhäusern und Geschäften erschwert werden.» Wegen der Busse, die die Rinnen überfahren müssten, bräuchte es ausserdem Roste, «wodurch weitere Kosten entstehen».

Es ist indes möglich, dass der Regierungsrat – oder folgende Instanzen – den Einsprechern recht geben und nicht dem Stadtrat. «Sollte aus dem Beschwerdeverfahren Anpassungsbedarf resultieren, würde das Projekt nach Rechtskraft des Entscheids entsprechend überarbeitet und die erforderlichen Kreditbegehren erstellt.»