Aarau
Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker: «Ich bin überzeugt, dass wir einen ‹Zukunftsraum› brauchen»

Zehn Männer und Frauen wollen (wieder) in den Aarauer Stadtrat. Die AZ stellt sie anhand eines standardisierten Fragebogens vor. Heute: Hanspeter Hilfiker (FDP).

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Hanspeter Hilfiker (56, FDP) kandidiert für eine zweite Legislatur als Stadtpräsident.

Hanspeter Hilfiker (56, FDP) kandidiert für eine zweite Legislatur als Stadtpräsident.

Bild: Benibasler.com

Was stört Sie an Aarau?

Hanspeter Hilfiker: Aarau hat sich gut entwickelt, wirklich «stören» tut mich wenig. Aber es gibt Baustellen: Im wörtlichen Sinn, vom KSA über die Igelweid bis zur Rohrerstrasse, die stören natürlich manchmal. Eine andere Baustelle sind die Nutzungskonflikte in der Altstadt. Da stören mich die Lärm- und Litteringvorfälle am meisten. Parallel dazu sehe ich, dass die Tagesnutzungen konfliktträchtiger werden: Das Nebeneinander von Gewerbe, Gastronomie, ÖV, Velo- und Fussgängerverkehr braucht neue Leitlinien. Und manchmal wünsche ich mir in der politischen Diskussion mit unseren Legislativen mehr Sachlichkeit und weniger Polemik, was in Wahlzeiten möglicherweise etwas viel verlangt ist.

Wie lange halten Sie es ohne Handy aus?

Nicht lange. Ich nehme mir keine bewussten Handy-Auszeiten und schätze es eigentlich seit vielen Jahren, auch in der Freizeit verbunden zu sein. Mich beruhigt das.

Bald 20 Jahre Politiker

Dr. Hanspeter Hilfiker (56) ist ledig und hat keine Kinder, dafür vier Göttikinder. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft war er rund 20 Jahre in der Rückversicherungsbranche tätig. Per 2003 wurde er Einwohnerrat, ab 2014 Stadtrat und seit 2018 ist er Stadtpräsident. 

Warum sind Sie Politiker geworden?

Bevor ich mich für Politik interessiert habe, war Geschichte mein Lieblingsfach. Die Entwicklung unserer Gesellschaft, der Wirtschaft, der Schweiz über die Jahrhunderte hinweg, hat mich seit meiner Kindheit fasziniert. Die Erkenntnis, dass Einzelne etwas bewegen können, hat mich auch zur FDP gebracht. Für mich ist die Entwicklung des Bundesstaates die grösste Leistung der Schweizer Geschichte. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit einer faktenbasierten Politik auch künftig alle Probleme lösen können. Von Zeitgeistaktivismen halte ich wenig; sie sind für mich zu oft geschichtslos, partikulär und, im Kern, undemokratisch.

Warum ist Andreas Glarner ein guter Politiker?

Keine Ahnung.

Wofür werden zu viele Steuergelder ausgegeben?

Für Giesskannenprojekte und für Leistungen, die gar nicht benötigt werden. Wenn wir beispielsweise Gebäude in Aarau erdbebensicher sanieren, ist das wenig sinnvoll, weil wir uns hier in keinem Erdbebengebiet befinden. Dieses Geld könnte man sinnvoller ausgeben.

Wenn Sie einfach so könnten: Wofür würden Sie 10 Millionen Steuer-Franken ausgeben?

Ich würde in eine Infrastruktur investieren, die von grossen Teilen der Bevölkerung langfristig genutzt werden kann. Gleichzeitig sollte es eine Infrastruktur sein, die sich nicht selbst finanzieren lässt. Üblicherweise sind dies Kultur- und Sportinfrastrukturen. In den letzten Jahren haben wir in Aarau grosse Kulturhäuser realisiert (Stadtmuseum, Alte Reithalle). Im Sportbereich haben wir Nachholbedarf. Ausser der KEBA sind praktisch alle Anlagen veraltet. Ich würde die 10 Mio. Franken in die Sanierung der Sporthalle investieren.

Trauern Sie dem Zukunftsraum nach?

Durchaus, weil ich überzeugt bin, dass wir einen «Zukunftsraum» brauchen. Unser Siedlungsgebiet ist beschränkt, unser Steuersubstrat ebenso. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an urbane Leistungen (Tagesschulen, öffentliche Räume usw.). Wenn wir unseren Standard als Stadt und als Region in der Schweiz halten wollen, wird nichts an Fusionen vorbeiführen. Unsere Nachbargemeinden sind vielleicht weniger finanzstark, bieten aber beste Wohn-, Arbeits- und Lebensräume. Gleichzeitig werden auch sie an die Grenzen ihrer eigenen Leistungsfähigkeit gelangen. Diesen Erkenntnissen zum Durchbruch zu verhelfen, das bleibt in unserer Region eine wichtige Aufgabe.

Haben Sie Verständnis für die Einsprecher gegen das Stadion?

Ich habe Verständnis dafür, dass offerierte Instrumente genutzt werden. Mir stellen sich aber zwei Fragen: Erstens, ob all diese Instrumente noch zeitgemäss sind; und zweitens, ob es überhaupt Entscheidungen gibt, die von gewissen Einsprechenden akzeptiert werden. Oft habe ich den Eindruck, dass es eher um das bedingungslose Durchsetzen einer eigenen Perspektive geht, als um eine ausgeglichene, faire Lösung.

Warum könnten Sie sich vorstellen, in einer Telli-«Staumauer» zu wohnen?

Weil es ein grosszügiges «Grand Ensemble» in schönster Umgebung ist, das gegenwärtig auch zeitgemäss saniert wird. Ein Highlight für Aarau.

Was finden Sie attraktiv an sich?

Dies zu beurteilen, überlasse ich gerne anderen.

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