Aarau
Solange beim «Winkel» nichts geht: Stadt versucht, Infrastruktur im Schachen zu verbessern

Die Stadt investiert in ein Kamera-Podest, damit die Spiele von Red Boots Aarau (FC Aarau Frauen) aufgezeichnet werden können – dies ist eine Auflage der Liga. Eine Lösung für die fehlenden Garderoben sei ebenfalls in Sicht.

Daniel Vizentini
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Joy Steck von den FC Aarau Frauen (in Schwarz) im Zweikampf mit Sina Cavelti vom FC Luzern Frauen beim ersten Super-League-Heimspiel der Aarauerinnen im Schachen.

Joy Steck von den FC Aarau Frauen (in Schwarz) im Zweikampf mit Sina Cavelti vom FC Luzern Frauen beim ersten Super-League-Heimspiel der Aarauerinnen im Schachen.

M. Wuertenberg (28.8.2021)

Eigentlich hatte der Stadtrat vor, dem FC Aarau Frauen (heute Red Boots Aarau) in der Sportanlage Winkel im Stadtteil Rohr ein festes Zuhause mit genügend Trainingsplätzen anzubieten. Nach heftigem Widerstand der Anwohner schicke der Einwohnerrat den dafür nötigen Baukredit aber vor knapp einem Jahr zur Überarbeitung zurück, ein neues Projekt dürfte erst in zwei Jahren vorliegen.

Das Team, deren 1. Mannschaft letzten Sommer in die Super League aufgestiegen ist, steht nun ohne angemessene Infrastruktur da. Auf den Sportplätzen im Aarauer Schachen müssen sich die Top-Spielerinnen zurechtfinden, so gut es geht.

Unter anderem gibt es dort nicht genügend Trainingsplätze. Vor allem jetzt, da die Tage wieder kürzer werden und der FC auf Beleuchtung angewiesen ist. Im Schachen können auch nur die männlichen Mannschaften auf eigene Garderoben zählen, die Frauen aus der höchsten Spielliga aber immer noch nicht.

Am Sonntag thematisierte dies sogar das Schweizer Fernsehen in einem Beitrag zum Weltmädchenfussballtag. «Wir als Nationalliga-A-Team haben nicht mal die gleichen Garderoben wie die Juniorenspieler. Das ist schon noch schwierig», sagte dort Walter Berli, Co-Präsident des Vereins.

Walter Berli, Co-Präsident des Vereins FC Aarau Frauen.

Walter Berli, Co-Präsident des Vereins FC Aarau Frauen.

Nadja Rohner

Die Stadt bemühe sich aber um eine Lösung, wie Walter Berli der AZ auf Anfrage sagt. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit dem Aarauer Stadtrat derzeit gut. Dem selbstverliehenen Label «Sportstadt» versuche Aarau, gerecht zu werden.

In der obersten Liga werden alle Spiele übertragen

Ein kleiner aber unumgänglicher Schritt geschieht jetzt mit der geplanten Installation eines Podestes für Fernsehaufnahmen der Fussballspiele im Schachen. Aktuell liegt ein Baugesuch dafür auf. Als Bauherrin übernimmt die Stadt die Kosten.

Das Podest soll drei Meter hoch werden und Videoaufzeichnungen ermöglichen, bei denen zum Beispiel keine Lichtmasten der Kamera vors Bild geraten. Es ist nur für eine Person und eine Videokamera gedacht. Übertragen werden die Bilder ins SRF-Fernsehstudio in Zürich-Leutschenbach, das für die Aufnahmen verantwortlich ist. In der Super League müssen alle Fussballspiele aufgezeichnet werden.

Partien, die mit drei bis sechs Kameras produziert werden, werden im Brügglifeld ausgetragen. Zuletzt etwa vor zwei Wochen beim Heimspiel gegen den Grasshopper-Club Zürich, bei dem Red Boots Aarau anschliessend zum Spiel der Männermannschaft des FC Aarau das Feld für sich haben konnte – vor für sie ungewohnt zahlreichem Publikum.

Diese Fussballspiele im Doppelpack kam laut Walter Berli gut an beim Publikum. Ob die Fussballerinnen aber dieses Jahr nochmals im Brügglifeld auflaufen können, ist unklar. Die Nutzung des Stadions sei teuer und durch Auflagen der Nachbarschaft eingeschränkt. Zudem trainiert Red Boots Aarau immer auf kleineren Kunstrasenfeldern im Schachen. Wenn die Damen öfter auf dem grösseren Naturrasenfeld vom Brügglifeld spielen sollen, müssten sie auch auf einem ähnlichen Platz trainieren können.

Red Boots Aarau hat deshalb auch nicht vor, regelmässig im Brügglifeld zu spielen. Vielmehr steht derzeit das Bestehen in der Super League im Vordergrund: Nach sechs Spielen in der höchsten Liga spielte das Team zweimal unentschieden und kassierte vier Niederlagen. Immerhin liegen sie auf Platz 8 von 10 und damit nicht auf einem Abstiegsplatz. Walter Berli sagt:

«Es ist natürlich schade, dass bisher kein Sieg herausgeschaut hat. Aber von Spiel zu Spiel gab es eine Riesensteigerung.»

Wichtiger sei der ganze Prozess: Das Team ist nun in der obersten Liga angekommen, beim 0:1 am Wochenende gegen den FC Basel hätte das Resultat durchaus anders aussehen können, wie er sagt. «Wir sind überzeugt: In den drei Spielen bis Ende Jahr können wir gewinnen.»

FC Aarau Frauen vs. FC Luzern Frauen im Aarauer Schachen.

FC Aarau Frauen vs. FC Luzern Frauen im Aarauer Schachen.

M. Wuertenberg (28.8.2021)

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