Aarau
Pferderennen werden grösster Covid-Zertifikat-Anlass im Aargau

Die Corona-Zwangspause hat dem Aargauischen Rennverein zugesetzt. Aber am Sonntag, 29.August gehts wieder los.

Urs Helbling
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Traditionell gute Stimmung: Ein Turfrennen im Aarauer Schachen vor imposanter Kulisse.

Traditionell gute Stimmung: Ein Turfrennen im Aarauer Schachen vor imposanter Kulisse.

Es ist zwei Jahre her, seit im Aarauer Schachen letztmals Pferderennen stattfanden. Im Herbst 2019 kamen 7700 und 4500 Zuschauer. In einer Woche wird die grösste Publikumsveranstaltung im Aargau seit Coronabeginn stattfinden. Der Aargauische Rennverein (ARV) erwartet über 5000 Besucher. Einlass nur mit dem Covid-Zertifikat (getestet, geimpft, genesen) – das gilt nicht für Kinder bis 16 Jahre. Es gibt kein Testzentrum vor Ort – für Besucher aber auch keine Maskenpflicht im Reiterstadion. Erste Wetterprognosen sind vielversprechend.

Wegen Corona zusätzliche Kosten von über 10000 Franken

«Es ist eigentlich alles, wie es immer war: Wir kehren zurück zur Normalität», erklärt Daniel Frischknecht, Vizepräsident des ARV. Er leitet den Verein seit dem gesundheitlich bedingten Rücktritt von Präsident Bruno Vogel. «Wir sind gespannt, wie viele Besucher kommen werden», sagt Frischknecht. «Wir hoffen auf die traditionell gute Stimmung.»

Die Vorbereitungen waren intensiv: Zuletzt sorgten die Überschwemmung der Anlage durch den Roggenhausen-Bach und das hinaufdrückende Aare-Grundwasser für Sorgen – doch diese Probleme sind nun bewältigt.

Das Corona-Schutzkonzept musste viermal umgeschrieben werden: «Wir müssen sicherstellen, dass an den beiden Renntagen vom 29. August und 11. September alle Besucher ein Covid-Zertifikat haben», sagt Frischknecht. Dafür seien zusätzliche Securitas-Angestellte im Einsatz, aber es könne allenfalls etwas längere Wartezeiten beim Einlass geben. Der ARV musste zudem ein zusätzliches Reinigungsteam (drei Personen) engagieren. Insgesamt wird mit einem fünfstelligen Betrag an coronabedingten Zusatzkosten gerechnet. Weniger anspruchsvoll wäre das Schutzkonzept, wenn maximal 1000 Besucher, Sportler und Funktionäre zum Renntag zugelassen würden, wie das etwa vorletzte Woche beim Homberg-Schwinget der Fall war. Doch eine derartige Beschränkung war für den ARV nicht denkbar.

Erstmals mit neuer Gastronomie und neuer Lautsprecheranlage

Am Samstag fand nach der Coronapause wieder der erste klassische Renntag mit Zuschauern statt: der «Summer Race Day» in Dielsdorf (dort müssen sich die Besucher, anders als in Aarau, auch noch registrieren lassen). Die Preisgelder im Zürcher Unterland sind aber vergleichsweise tief.

In Aarau werden an den beiden Herbstrenntagen insgesamt 16 Rennen durchgeführt. Für alle konnten Sponsoren gefunden werden, was laut Frischknecht keine Selbstverständlichkeit ist. Hauptereignisse sind am ersten Sonntag die Meisterschaft der Traber (Preisgeld 35'000 Franken) und am zweiten Sonntag der grosse Preis der Schweiz (Preisgeld 40'000 Franken). Die Grösse der Felder ist noch nicht bekannt, viele Wetter dürfte freuen, dass es in der Schweiz wieder mehr Galopper hat.

An beiden Renntagen kommt die neue Beschallungsanlage erstmals zum Einsatz. Ebenso die Thommen Gastronomie, die Nachfolger des «Schützen»-Teams, das am letzten Wettkampftag vor der Coronapause abgetreten ist.

Der Rennverein braucht Geld und einen neuen Präsidenten

Zum Nichtstun verdammt sein war für den ARV eine grosse Herausforderung: Der Ausfall von sechs Renntagen 2020 und im Frühling 2021 hat in der Rechnung Spuren hinterlassen. Ebenso der fast totale Ausfall der Fremdvermietungen. Und zu allem Unglück hatte das wenige, das stattfinden konnte, noch Wetterpech, wie zuletzt das eben zu Ende gegangene Open-Air-Kino.

Der Wegfall praktisch sämtlicher Einnahmen sei für den ARV «geradezu fatal» gewesen, hat der abgetretene Präsident Bruno Vogel im Jahresbericht 2020 geschrieben. Im Anhang zur Jahresrechnung heisst es: «Der ARV wird zusätzliche Beiträge benötigen (Härtefallgelder, Defizitbeiträge, Gönnerbeiträge usw.), um die prognostizierten Verluste einigermassen abdecken zu können und die Liquidität sicherzustellen. Sollte dies nicht im geforderten Ausmass gelingen, könnte die Fortführungsfähigkeit des Aargauischen Rennvereins gefährdet sein.»

Aus Kostengründen ist die Stelle der Geschäftsführerin, die auf den letzten Herbst gekündigt hatte, nicht mehr besetzt worden. Die Arbeiten werden unter den Vorstandsmitgliedern auf-geteilt. Noch nicht geregelt ist auch die definitive Nachfolge von Präsident Bruno Vogel. «Wir sind zurzeit mit di-versen Persönlichkeiten in Kontakt», heisst es in den Unterlagen zur Generalversammlung, die aktuell schriftlich durchgeführt wird. Nachfolgerin von Vorstandsmitglied Reto Fischer ist Jessica Kessler. Die Zahl der ARV-Mitglieder ist mit 500 praktisch unverändert.

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