Aarau
Nadelöhr über die Aare: Ist der neue Zurlindensteg 10 Millionen Franken wert?

Vor 70 Jahren ist der Zurlindensteg zwischen Telli und Aarenau gebaut worden. Heute ist er ein Nadelöhr, Fussgänger und Velofahrer kommen sich in die Quere. Es braucht eine neue oder zusätzliche Verbindung. Diese wurde nun mit Priorität A für das Agglomerationsprogramm «AareLand» 4. Generation des Bundes vorgeschlagen. Darin ist von Kosten von 10 Millionen Franken die Rede.

Katja Schlegel
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Der Zurlindensteg in Aarau kommt längst an seine Kapazitätsgrenzen.

Der Zurlindensteg in Aarau kommt längst an seine Kapazitätsgrenzen.

Katja Schlegel / Aargauer Zeitung

Dem Zurlindensteg würde man seine 70 Jahre nicht geben, zumindest nicht auf den ersten Blick. Aber tatsächlich begann der Zürcher Bauingenieur Emil Schubiger am 1. Juni 1951 mit dem Bau des Aarestegs, im Auftrag der Jura-Cement-Fabriken. Der Kanton hatte die JCF mit der Konzessionserteilung für das Wasserwerk Rüchlig dazu verpflichtet, einen Steg für Fussgänger und Radfahrer zu bauen. Der Zurlindensteg ist eine der ersten vorgespannten Betonbrücken der Schweiz. Kostenpunkt: 150'000 Franken.

Inzwischen ist der Steg zum Nadelöhr geworden, quillt zeitweise fast über. Das Problem ist erkannt. Vor einem Jahr hat der Einwohnerrat die Motion «Aareübergang Aarenau-Telli für Fuss- und Veloverkehr» überwiesen.

«Idealerweise» Verbindung über Zufahrt zum Kraftwerk

Inzwischen wurde eine Machbarkeitsstudie mit verschiedenen Varianten erstellt. Die Verbindung wurde zudem mit Priorität A für das Agglomerationsprogramm «AareLand» 4. Generation des Bundes vorgeschlagen. Das Programm wurde von den Regierungsräten der Kantone Aargau, Solothurn und Luzern verabschiedet und wird spätestens bis 15. Juni beim Bund eingereicht.

Im Massnahmenbeschrieb heisst es, dass für die Verbindung «idealerweise» die private Verkehrsinfrastruktur auf der Zurlindeninsel (Stockmattstrasse, Zufahrt Kraftwerk Rüchlig) mitgenutzt werden könnte, sodass nur eine Brücke über den südlichen Aare-Arm nötig wäre. Die Strasse kann bislang nicht öffentlich genutzt werden, weil sie durch ein Naturschutzgebiet führt.

Diese Nutzung sei aber vom Einverständnis der Grundeigentümerin und Vorgaben zum Naturschutz abhängig. «Ist eine Nutzung der bestehenden Verkehrsinfrastruktur nicht möglich, wäre eine Brücke über die gesamte Aare (inkl. Zurlindeninsel) zu erstellen», so die Ausführungen weiter.

Als Baubeginn wird der Zeitraum 2024/2025 angegeben, als Inbetriebnahme 2026/2027. Die Kosten werden mit 10 Millionen Franken angegeben (Genauigkeit +/- 40 Prozent).

Lösung für 2,6 Millionen wollte man 2012 nicht

Eine Lösung mit einer zusätzlichen Verbindung zwischen Telli und Aarenau hatte der Stadtrat 2012 vor den Einwohnerrat gebracht. Dieser schickte den 2,6-Millionen-Kredit mit 21 zu 20 Stimmen bachab. Zwar stellte keine Einwohnerrats-Fraktion damals Nutzen einer zusätzlichen Verbindung infrage. Es ging mehr ums Prinzip.

SVP-Fraktionssprecherin Susanne Heuberger hatte damals gesagt: «Insbesondere die Tatsache, dass die geplante neue Fuss- und Veloverbindung durchaus nicht zwingend realisiert werden muss – Stichwort ‹nice to have› – und der Umstand, dass das ambitionierte städtische Investitionsprogramm angesichts der instabilen Haushaltsverhältnisse dringend entschlackt und auf Diät gesetzt werden muss, haben uns bewogen, heute einstimmig gegen das Projekt zu stimmen.» Das sei, so die SVP-Sprecherin, ein «erstes kleines, aber starkes Zeichen gegen den nicht länger tolerierbaren, rasanten Vermögensverzehr.»