Aarau
Nach heftigem Corona-Jahr geht es für die Stadtbibliothek mit grossen Projekten weiter

Dem Team der Stadtbibliothek Aarau hat das letzte Jahr viel abgefordert. Doch der Einsatz hat sich gelohnt; trotz geschlossenen Türen während zehn Wochen konnte der Rückgang der Ausleihzahlen gut abgefedert werden. Eine Verschnaufpause gibt es keine.

Katja Schlegel
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Aus Sicherheitsgründen richteten Lilo Moser und ihr Team bei der Medienrückgabe einen Buch-Quarantäneraum ein.

Aus Sicherheitsgründen richteten Lilo Moser und ihr Team bei der Medienrückgabe einen Buch-Quarantäneraum ein.

Daniel Vizentini (dvi)

Zehn Wochen musste die Stadtbibliothek Aarau im Jahr 2020 insgesamt geschlossen bleiben, ein Fünftel des Jahres. Das hat sich auf die Ausleihzahlen niedergeschlagen, wenn auch – dank Verdoppelung der Ausleihkontingente, Heimlieferdienst, Abholservice, dem Ausbau des eMedien-Angebots und der Verlängerung der Öffnungszeiten – nur in geringem Ausmass: Laut Jahresbericht lag der Rückgang bei 11 Prozent (von 329'600 auf 292'300).

Vor dem Lockdown rannten die Leseratten

Gar einen Ansturm verzeichnete die Stadtbibliothek in den letzten drei Tagen vor dem Lockdown im Frühling: Innert drei Tagen wurden knapp 6200 Medien ausgeliehen; dreimal so viel wie üblich.

Die Besucherzahlen nahmen um 23 Prozent auf 149'000 ab, die Zahl der eingeschriebenen Kundinnen und Kunden um knapp 4 Prozent auf 7256.

Wegweisende Entscheide aus dem Rathaus

Das Jahr 2021 wird für das 14-köpfige Kernteam (800 Stellenprozente) um Gesamtleiterin Lilo Moser ereignisreich: Wegweisende Entscheide erwartet das Team aus dem Rathaus bezüglich Sanierung der Stadtbibliothek. Das Gebäude muss dringend energetisch saniert werden, so stammen beispielsweise die Fenster noch aus dem Jahr 1969.

Der Sanierungsbedarf der Stadtbibliothek ist gross; die Fenster stammen beispielsweise noch aus dem Jahr 1969.

Der Sanierungsbedarf der Stadtbibliothek ist gross; die Fenster stammen beispielsweise noch aus dem Jahr 1969.

Katja Schlegel

Im Raum steht ausserdem die Frage, ob Büro- und Lagerräume ausgelagert werden könnten, um im Haus zusätzliche Fläche für Veranstaltungen zu schaffen. Lilo Moser:

«Unser Haus platzt aus allen Nähten, wir brauchen dringend mehr Raum für Publikumsveranstaltungen.»

Dies nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Überlegungen.

Aussenstelle auf der «Barmelweid»

Andere Erweiterungen sind bereits konkret: Voraussichtlich nach den Sommerferien wird im Eingangsbereich des neuen Bettenhauses auf der Barmelweid eine Mini-Stadtbibliothek mit leichter, unterhaltsamer Literatur entstehen, die Patienten, Besuchern und Mitarbeitern offensteht. Wie beim Konzept der Badi-Bibliothek in der Aarauer Schachen-Badi (seit dieser Woche wieder vor Ort) tragen sich die Ausleiher in einer Liste ein; ein Bibliotheksabo ist nicht nötig.

Zusätzlich zur geplanten Mini-Bibliothek schenkt die Geschäftsleitung der Barmelweid der interessierten Belegschaft Bibliotheksabos. «Innert einer Woche haben 70 Mitarbeiter ein Abo abgeschlossen», freut sich Moser. Die Mitarbeiter bekommen jede Woche einmal ihre Bestellungen direkt auf die Barmelweid geliefert.

Bis Ende September läuft das Bücherschrank-Pilotprojekt am Bahnhof Aarau, das in Zusammenarbeit mit der SBB entstanden ist. Und per 2022 will die Stadtbibliothek das System von «Open Library» umsetzen: Öffnungszeiten mit unbetreuten Randstunden frühmorgens (ab 6 Uhr) bis spätabends (bis 22 Uhr).