Stadtmuseum Aarau
Mit politischen, sprachlichen und intimen Grenzen spielen: Das Trio Balladin setzt auf Musik, die wandert

Das Trio Balladin gastiert Ende Monat im Stadtmuseum. Dort wollen die drei Frauen Eigenkompositonen präsentieren, die sich mit persönlichen, politischen, örtlichen, sprachlichen und intimen Grenzen befassen. Mit von der Partie ist dabei die Aarauerin Magdalena Irmann.

Larissa Gassmann
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Das Trio Balladin, bestehend aus Magdalena Irmann, Sabrina Merz, und Alexandra Fülscher (von links).

Das Trio Balladin, bestehend aus Magdalena Irmann, Sabrina Merz, und Alexandra Fülscher (von links).

Stephan Trösch/ Zur Verfügung gestellt

28 Gründe gibt es, um das Meer zu überqueren – zumindest, wenn es nach Katarina Tereh geht. Eingefallen sind diese der Theaterpädagogin beim Hören des Stückes «Pazzo di gioia» (Deutsch: Verrückt vor Freude), das aus der Feder des Trio Balladin stammt. Und weil diese Gründe so schön mannigfaltig sind – Flucht, Reisen und Warentransporte gehören dazu – sind sie denn auch titelgebend für die musikalisch literarische Auseinandersetzung mit dem Thema Grenzen, welche das Trio samt Tereh und Thirza Möschinger (Projektionen und Technik) im Stadtmuseum Aarau präsentieren will.

Freuen dürfen sich die Besucherinnen und Besucher dabei «auf die spezielle Kombination von Musik und Texten, die live geschrieben und projiziert werden», wie Madgalena Irmann als Teil des «Trio Balladin» sagt. Zur Aarauerin, die für Akkordeon, Stimme und Perkussion zuständig ist, gesellen sich dabei Alexandra Fülscher (Querflöte, Stimme, Beatbox) und Sabrina Merz (Kontrabass, Stimme, Perkussion).

Alle drei stellen den experimenteller Umgang mit Folk und die Einflüsse anderer Kulturen ins Zentrum. An der Musik fasziniert Irmann denn auch, «dass es sie überall auf der Welt gibt, dass sie wandert, nicht an einem Ort bleibt und von Menschen hin und her getragen wird und sich vermischt». Gleichzeitig sei es erfüllend, dies anderen Menschen weiterzugeben. So unterrichtet Irmann nebenbei Akkordeon. Dazu ist sie Teil der Klezmerformation Freilach Trio und des Ensemble SoundTrieb.

Verarbeitet wurde in den Eigenkompostionen auch Intimes

Aufgewachsen ist die 30-Jährige im Emmental. «Lernen konnte man dort vor allem Schwyzerörgeli und Blockflöte, was ich auch tat», sagt sie. Eine völlig andere Welt lernte sie dank einem russischen Strassenmusiker kennen, der auf seinem Akkordeon Bach spielte. Von da an wollte Irmann es ihm gleichtun. Musik, das sei daheim «etwas mega selbstverständliches» gewesen, sagt sie.

Am meisten Zeit investiere sie derzeit in das Unterrichten. Dies ändere sich aber immer wieder ein bisschen. So gebe es auch mit dem Trio intensive Phasen. Ursprünglich bestand die Formation aus einem siebenköpfigen Team, das sich im Rahmen des Bachelorstudiums an der Zürcher Hochschule der Künste fand. Zu dritt sind die Frauen nun seit 2015. Dies habe sich aufgrund der Wohnorte und Interessen ergeben. Mittlerweile kenne man sich in- und auswendig, sei sich freundschaftlich sehr nahe. «Es fühlt sich an, wie eine Paarbeziehung. Man erlebt schwierige Sachen und schöne Sachen, lernt, besser miteinander umzugehen und entwickelt sich weiter», sagt Irmann.

So klingt das Trio Balladin:

An der Improvisation gefalle es ihr wiederum, stets neue Seiten an ihrem Instrument zu entdecken. Was als nächstes passiert, bleibt auch im Stadtmuseum unklar. Dort wollen die Frauen nicht weniger als «mit persönlichen, politischen, örtlichen, sprachlichen und intimen Grenzen spielen». So sollen die Kompositionen auch Autobiografisches mit einbeziehen. Inspirieren lassen hat sich Irmann etwa von der Grenze, die das trennt, was man an schlechten Nachrichten aus aller Welt aufnehmen kann, und dem, was schlichtweg zu viel ist.

«Dabei hat jede von uns komponiert, ohne mit den anderen Kontakt aufzunehmen. Somit haben wir uns auch innerhalb der Band Grenzen gesetzt», sagt Irmann. So sei die eine der drei etwa auf Weltreise gegangen, andere hätten zum Teil derart intime Dinge verarbeitet, «dass sie zu persönlich waren, um sie direkt dem Publikum zu erzählen». So steht denn nicht immer nur das Lustige im Vordergrund: «Für uns geht es bei diesem Projekt vor allem darum, alles von verschiedenen Seiten zu beleuchten.»

Konzert «28 Gründe das Meer zu überqueren – eine musikalisch literarische Auseinandersetzung mit dem Thema Grenzen», Sonntag, 31. Oktober, 14:30 Uhr, Stadtmuseum Aarau, 2. UG. Informationen, Reservation und Vorverkauf via Website des Trios.

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