Aarau
Lohnerhöhung: So viel sollen die Aarauer Spitzenbeamten neu verdienen

Der Stadtrat will die Lohnbänder der Verwaltungsangestellten erhöhen. Diese seien seit 22 Jahren nur noch minim angepasst worden, seit 10 Jahren gar nicht mehr. Die Bandbreite der Löhne soll neu von jährlich 48'000 bis über 220'000 Franken gehen.

Daniel Vizentini
Drucken
Die Maximallöhne der Aarauer Beamte sollen erhöht werden.

Die Maximallöhne der Aarauer Beamte sollen erhöht werden.

Sandra Ardizzone

Nach Veröffentlichung des Aarauer Budgets für 2023 hat der Stadtrat auch sein Vorhaben bekannt gegeben, die Maximallöhne der städtischen Angestellten anzuheben. Ab dem Jahr 2000 wurden diese Lohnbänder nur bei generellen Lohnerhöhungen angepasst. Seit 2012 wurden sie aber gar nicht mehr angehoben.

Während die landesweiten Nominallöhne seit 2000 um 26,6 Prozentpunkte stiegen, wurden die Lohnbänder in der Stadt nur um 10,85 Prozentpunkte erhöht. Die Löhne seien im Vergleich zum Landesdurchschnitt deshalb um 15,75 Prozent tiefer, als sie es vor 20 Jahren waren, schreibt der Stadtrat.

Dies schmälere die Attraktivität der Stadt Aarau als Arbeitgeberin vor allem bei qualifizierten Berufen deutlich. Finanzfachleute, Systemtechniker und diverse Projektleiter, etwa in den Bereichen Informatik oder Hoch- und Tiefbau, könnten in Aarau keine marktfähigen Löhne mehr angeboten erhalten.

41 Angestellte in Aarau verdienen bereits das Maximum

Der Stadtrat beantragt dem Einwohnerrat deshalb, das Lohnsystem anzupassen. Heute müssen neue Mitarbeitende zum Beispiel schon zu Beginn in einer hohen Lohnklasse angestellt werden, damit der Lohn im Vergleich zu anderen Arbeitgebenden attraktiv ist. Dadurch können sich die Löhne dieser Mitarbeitenden aber nicht mehr gross entwickeln, da schon bald das erlaubte Maximum erreicht ist.

Dies führe zu einer Abwanderung qualifizierten Personals. «Die Hälfte der Mitarbeitenden sind bereits im obersten Drittel des Lohnbandes eingestuft, 41 Mitarbeitende stehen an der oberen Grenze des Lohnbandes an und erhalten zum Teil seit zehn Jahren keine Lohnerhöhung mehr», so der Stadtrat.

Neu bis zu rund 227'800 Franken im Jahr, über 17'500 Franken mehr

Die Obergrenzen der Lohnbänder sollen also erhöht werden, «um mehr Spielraum zu bieten». Im Lohnband 10 etwa, dem höchsten, könnten Angestellte ab 55 Jahren neu bis zu 227'854 Franken im Jahr verdienen statt wie bisher 210'378 Franken. Die Stadtratslöhne sind übrigens separat geregelt: Das Stadtpräsidium erhält 242'500* inklusive Spesen.

Die Untergrenzen bleiben bei den neuen Lohnbändern gleich, ausser bei den Mindestlöhnen: Diese werden auf 48'000 respektive 52'000 Franken angehoben.

Personalverbände und Gewerkschaft freuen sich

«Die Überarbeitung der Lohnbänder soll nicht zu einer generellen Erhöhung aller Löhne im gleichen Umfang führen, sondern dort Möglichkeiten schaffen, wo die Marktfähigkeit es erfordert», schreibt der Stadtrat. Zum Beispiel bei Funktionen, wo es Fachkräftemangel gibt. In der Anhörung hätten Partei, Personalverband und die Gewerkschaft VPOD die Anpassungen mehrheitlich begrüsst.

Letztere äusserte sich auch in einer Medienmitteilung zum Vorhaben des Stadtrats, die Löhne laut Budget 2023 generell um 3 Prozent zu erhöhen. «Gefordert sind nun Städte, Gemeinden und Kanton wie auch die Kantonsspitäler, mit denen die Lohnverhandlungen anstehen», schreibt die Gewerkschaft. Sie hofft, dass der Entscheid aus Aarau Signalwirkung hat.

*In einer ersten Version stand, das Stadtpräsidium verdiene 342'500 Franken. Das ist falsch, es sind 242'500 Franken, davon 10'000 Franken Pauschalspesen.