Aarau
Kritische Stimmen miteinbeziehen: Das KIFF lädt seinen grössten Kontrahenten zum Podium ein

Am Dienstag findet im Aarauer Stadtmuseum ein Podium zum Neubau des Kulturlokals KIFF statt. Unter den acht Teilnehmenden ist SVP-Einwohnerrat Christoph Müller, der sich sehr kritisch zu den Baukosten des KIFFs geäussert hatte.

Daniel Vizentini
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SVP-Einwohnerrat Christoph Müller (rechts) äusserte sich bisher kritisch zur Finanzierung des KIFF-Neubaus. Projektleiter ist Oliver Dredge.

SVP-Einwohnerrat Christoph Müller (rechts) äusserte sich bisher kritisch zur Finanzierung des KIFF-Neubaus. Projektleiter ist Oliver Dredge.

zvg/Mario Heller

In etwas mehr als drei Wochen steht definitiv fest, ob das KIFF 2.0 realisiert werden kann respektive das Volk mit dem von der Stadt Aarau gesprochenen Geld einverstanden ist. Die Abstimmungsunterlagen für den 27. November trudelten diese Woche in die Briefkästen und gefühlt hat auch die Kampagne in der Öffentlichkeit erst jetzt so richtig Schub erhalten. Am nächstens Dienstag, 8. November, findet im Stadtmuseum ein Abstimmungspodium statt.

Stadt- und Einwohnerrat haben in den letzten Monaten 9 Millionen Franken Investitionskredit und weitere 3 Millionen Franken zinsloses Darlehen für den Neubau des Kulturlokals in der Aarauer Telli beschlossen. Der Kanton sprach zuvor bereits 10 Millionen Franken. Insgesamt soll das neue KIFF rund 28,8 Millionen kosten.

Kritische Stimmen gab es bisher kaum. Einzig die SVP stellte sich in den Einwohnerratsdebatten gegen das Projekt. Wegen Teuerung und Verzögerungen könnte das Bauvorhaben gar mehr als doppelt so teuer werden, rechnete SVP-Ratsmitglied Christoph Müller vor. In zwei aufeinanderfolgenden, Dringlichen Anfragen verlangte der Informatikingenieur anschliessend vom Stadtrat zuerst, dieser solle alle Beiträge auflisten, die seit 1988 von der Stadt ans KIFF geleistet wurden. Danach wollte er wissen, ob der jährlich überwiesene Betriebsbeitrag mit dem Neubau erhöht oder gesenkt werden soll.

Kritische Stimmen seien Teil der offenen Kommunikation

Christoph Müller war bisher so was wie der einzige Stein im Schuh der KIFF-Neubauverantwortlichen. Dass ausgerechnet er nun ans Podium eingeladen wird, erstaunt. Für Oliver Dredge hingegen, den früheren KIFF-Geschäftsführer und nun Projektleiter des KIFFs 2.0, ist es eine Selbstverständlichkeit. Er erklärt auf Anfrage:

«Wir wollen offen und transparent kommunizieren, und da gehört es dazu, die kritischen Stimmen miteinzubeziehen.»

Christoph Müller soll seine Berechnungen darlegen, die Projektverantwortlichen aber auch etwas zu diesen Zahlen sagen können. Eingeladen sind am Podium auch Bauherrenberater Erich Niklaus und Stadtbaumeister Jan Hlavica, die das Bauprojekt erläutern und allfällige Zweifel beschwichtigen können.

Kultur-Stadträtin Suzanne Marclay-Merz, ebenfalls vor Ort, hat bereits nach Anfragen der SVP klargestellt, dass der Bau erst realisiert werde, wenn die Finanzierung geklärt sei und dass es von der Stadt kein zusätzliches Geld geben werde.

Thematisiert werden soll am Podium auch das Wegfallen einiger Kunstatelierräume im Bauprojekt, sie wurden der erhöhten Kosten wegen schrittweise gestrichen. Räume für Kreation werde es in Aarau weiterhin brauchen, auch wenn das neue KIFF als Ort für Präsentation von Kultur realisiert sei, sagt Oliver Dredge. Die Bandräume hingegen konnten im Bauprojekt beibehalten werden. Dass sich bereits Interessenten beim KIFF melden, zeige, dass das Bedürfnis danach vorhanden ist.

So soll das neue KIFF ab 2026 aussehen (Visualisierung).

So soll das neue KIFF ab 2026 aussehen (Visualisierung).

Maaars Architektur Visualisierungen/zvg

Das KIFF gibt sich zuversichtlich, sicher ist aber noch nichts

Nebst dem Podium mit insgesamt acht Teilnehmenden sind weitere Aktionen geplant. Heute Freitag, 4. November, findet im GZ Telli die Ausstellung «Aufbruch» statt mit Fotografien von KIFF-Aktivistinnen. Dort wird es einen Infostand zum KIFF-Neubau geben, wie auch später im Telli-Einkaufszentrum und der Igelweid. Dazu ist am 17. November eine öffentliche Führung durch das KIFF geplant.

In den letzten Tagen haben Freiwillige eigenhändig Flugblätter in jeden Aarauer Briefkasten verteilt. Vereinzelt hängen in der Stadt nun auch die ersten gelben Werbeflaggen für ein Ja zum KIFF 2.0. Und nicht zuletzt läuft die Kampagne im Internet und den sozialen Medien. Am Mittwoch wurden rund 70 Videostatements von unterschiedlichen Menschen aus Aarau veröffentlicht, die erzählen, warum ihnen das KIFF wichtig ist.

Grundsätzlich seien die KIFF-Verantwortlichen «nach dem einstimmigen Einwohnerratsentscheid aller Fraktionen ausser der SVP» zuversichtlich, dass sich auch die Bevölkerung «zur Zukunftssicherung des Aargauer Leuchtturms bekennt», sagt Oliver Dredge. Sicher sei aber natürlich noch nichts, jede Stimme wichtig. Man wolle deshalb weiter auf die Menschen in Aarau zugehen und mit ihnen ins Gespräch kommen. «Wir sind froh, wenn sie uns Fragen stellen und wir mit ihnen in Kontakt kommen.»

Der Neubau soll auf dem Kiesparkplatz hinter dem heutigen KIFF in der alten Kunath-Futterfabrik zu stehen kommen.

Der Neubau soll auf dem Kiesparkplatz hinter dem heutigen KIFF in der alten Kunath-Futterfabrik zu stehen kommen.

Chris Iseli (Archiv)

Podium zur Abstimmung fürs KIFF 2.0 am 8. November um 19.15 Uhr, Stadtmuseum Aarau. Weitere Infos unter dieser Website