Aarau
Kraftwerk-Neubau: Nicht realisiertes Projekt als Vorwand

Warum sich zwei eidgenössische Kommissionen mit dem dem geplanten Neubau des Aare-Kraftwerks schwertun, aber trotzdem nicht richtig Opposition machen.

Urs Helbling
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Eniwa-Wasserkraftwerk in Aarau mit dem markanten Türmli soll abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Eniwa-Wasserkraftwerk in Aarau mit dem markanten Türmli soll abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Urs Helbling

Am Mittwoch lief die Auflagefrist des Eniwa-Projektes «Optimierung Kraftwerk Aarau» ab. Es geht im Wesentlichen um den Neubau des Wasserkraftwerkes und eine Verlängerung der Konzessionsdauer. Teil des Gesamtvorhabens ist auch die vollständige Entfernung des Mitteldammes, die politisch sehr umstritten war und möglicherweise weiter sein wird – das wird man dann aus den Einsprachen sehen.

In den aufliegenden Unterlagen ist auch ein Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) und der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD) zu finden. Diese beiden Kommissionen hatten in Aarau zuletzt für Gesprächsstoff gesorgt, weil sie sich gegen die Asphaltierung der Vorderen Vorstadt stellen. Im Fall des Kraftwerks ist die Position der beiden Kommissionen eigentlich auch klar, doch ziehen sie daraus etwas spezielle Schlüsse.

«Hohe industriegeschichtliche Bedeutung»

Die Kommissionen schreiben: «Die heute bestehende Anlage hat für die Stadt Aarau und die Region eine hohe industriegeschichtliche Bedeutung.» Das Kraftwerk Aarau sei eine wichtige ortsbildprägende Anlage im breiten Flussraum der Aare, westlich der Altstadt von Aarau, die, von drei Türmen bekrönt und vom weitgehend unbebauten Flussufer zurückversetzt, auf einem Kalkfelsen über der Aare liege.

Aus Sicht der Kommission besteht das Problem im Projekt 2013 (das mit der gläsernen Kraftwerkszentrale), das zwar rechtskräftig bewilligt, aber nie realisiert worden ist. Es hätte, so die Kommissionen, «zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des Denkmals und des Ortsbildes von nationaler Bedeutung» geführt. Auch das optimierte Projekt 2019 würde im Vergleich zur aktuell noch bestehenden Situation eine schwere Beeinträchtigung von Denkmal und Ortsbild bedeuten.

«Gemessen am rechtskräftigen Projekt 2013 stellt das Projekt 2019 hingegen keine zusätzliche Beeinträchtigung des Denkmals und lediglich eine leichte zusätzliche Beeinträchtigung des Ortsbildes von nationaler Bedeutung dar.» Darum sprechen sich die Kommissionen nicht gegen Projekt «Optimierung Kraftwerk Aarau» aus.