Aarau
Jahrelang hat es nicht recht dazugehört – jetzt ist das Atelier für Bekleidungsgestaltung mittendrin

Die Schule für Gestaltung Aargau in der Aarauer Telli ist stark gewachsen, mitunter um die Bekleidungsgestalterinnen. Diese entwerfen, schneidern und ändern seit Jahren für eine grosse Schar von Kundinnen. Neu bietet das Atelier aber auch Masskonfektion für Männer.

Katja Schlegel
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Edith Heim, Atelierleiterin (links), und Mitarbeiterin Loredana Longo freuen sich über das helle, luftige Zuhause.

Edith Heim, Atelierleiterin (links), und Mitarbeiterin Loredana Longo freuen sich über das helle, luftige Zuhause.

Katja Schlegel / Aargauer Zeitung

Kurz schnurrt eine Maschine, dann raschelt der Tüll eines Brautkleids. Aber sonst ist es ruhig. Ein Dutzend junger Frauen sitzt gebeugt über Nähte und Entwürfe, inmitten von Stoffmustern, Fadenspulen, Knöpfen und Schneiderbüsten. Edith Heim legt ihre Arbeit zur Seite, richtet das Massband, das um ihren Nacken liegt, und sagt: «Jahrelang haben wir nicht so recht dazu gehört – und jetzt sind wir mittendrin. Es ist eine helle Freude.»

Seit 25 Jahren leitet Edith Heim das Aarauer Atelier für Bekleidungsgestaltung. Jahrzehntelang war es in den Räumen der Kantonalen Schule für Berufsbildung untergebracht, weit weg von den anderen kreativen Berufen. Bis Anfang Juli. Am letzten Schultag packten Edith Heim und ihre Teamkolleginnen Pia Brunner, Loredana Longo und Stefanie Buck die Kisten und zogen mit Maschinen, Büsten und Bergen von Stoffen in die Telli, in die Schule für Gestaltung Aargau an der Weihermattstrasse 94, kurz SfGA.

Dazu wurde der Erweiterungsbau aus den Achtzigerjahren um eine Etage aufgestockt. Auf dieser Etage, erreichbar über eine elegante Wendeltreppe, hat das Atelier seinen passenden Platz gefunden, in einem dank eines Sheddachs lichtdurchfluteten Raum.

Die Etage mit dem Sheddach wurde auf den bestehenden Bau aufgesetzt. Hier befindet sich das Atelier für Bekleidungsgestaltung.

Die Etage mit dem Sheddach wurde auf den bestehenden Bau aufgesetzt. Hier befindet sich das Atelier für Bekleidungsgestaltung.

Katja Schlegel / Aargauer Zeitung

Masskonfektion nicht mehr nur für die Dame

Das Aarauer Atelier bietet 24 Ausbildungsplätze. Im Kanton gibt es weiter ein Atelier in Wohlen und eines in Rheinfelden, beide mit je zwölf Plätzen. Die dreijährige Ausbildung zur Bekleidungsgestalterin ist beliebt, die Nachfrage gross. Wer die Ausbildung absolviert hat, dem stehen verschiedenste Weiterbildungsmöglichkeiten von Theaterschneiderin bis Modedesign offen. «Wir bieten hier eine Grundbildung, auf der man aufbauen kann», sagt Edith Heim.

Bei den Kleidern, welche die Lernenden entwerfen, schneidern oder abändern, handelt es sich um Kundenaufträge. Und das, obwohl das Atelier nicht direkt in der Öffentlichkeit auftritt, beispielsweise mit einem Lokal in der Stadt. «Wir haben inzwischen einen grossen Kundenstamm», sagt Edith Heim. Die Kundinnen kommen für Besprechung oder Anprobe direkt in die Schule. Die Kundinnen – und künftig auch die Kunden: Denn neu bietet das Atelier auch Masskonfektion für den Herrn an, genäht von «Scabal» in Portugal.

Diese Angebotserweiterung ist ein Auftakt für den Schritt nach aussen. «Wir erhoffen uns, so unseren Bekanntheitsgrad zu steigern und Neukunden zu gewinnen», sagt Edith Heim. Dazu bieten sich insbesondere die Accessoires an, die das Bekleidungsatelier unter dem Label allesecht.ch herstellt: Necessaires, Brillenetuis oder Laptop-Taschen beispielsweise.

Die beiden Co-Schulleiter Michèle Benz und Luigi Garavelli.

Die beiden Co-Schulleiter Michèle Benz und Luigi Garavelli.

Katja Schlegel / Aargauer Zeitung

Auch Viscom ist nun in Aarau daheim

Das Kompetenzzentrum für Gestaltung und visuelle Kommunikation an der SfGA ist in den letzten Monaten weiter gewachsen. Eingezogen ist nicht nur das Atelier für Bekleidungsgestaltung, sondern auch der Geschäftssitz des Viscom, dem Verband der Print- und Medienindustrie. Das bedeutet, dass seit diesem Schuljahr auch alle überbetrieblichen Kurse der grafischen Branche (Deutschschweiz), sogenannte üKs, in Aarau stattfinden.

Die Schule für Gestaltung selbst bildet in der Grundbildung Medientechnologen, Polygrafen, Printmedienpraktiker, Verpackungstechnologen und Bekleidungsgestalterinnen aus. Dazu kommen in der Vorbildung der Gestalterische Vorkurs, das Gestalterische Propädeutikum, die Fachmaturität Gestaltung und Gestalten für Jugendliche und Kinder.

«Heute sind wir hier alle unter einem Dach vereint, das lässt uns Synergien nutzen», sagt Co-Schulleiter Luigi Garavelli. «Und es stärkt unseren Schulstandort als Kompetenzzentrum für die grafische Branche und für gestalterische Ausbildungen massiv.» Insgesamt besuchten letztes Jahr 404 Lernende und Studierende die Schule, betreut von 32 Lehrpersonen und Dozierenden.

Schule für Gestaltung – vor 100 Jahren gegründet

Die Schule für Gestaltung Aargau wurde 1921 als Aargauische Buchdruckerfachschule in Aarau gegründet. Ursprünglich in den Räumen der heutigen Berufsschule Aarau daheim, zog die Schule – inzwischen in Grafische Fachschule Aarau, kurz GFA, umbenannt – 1977 an den heutigen Standort an der Weihermattstrasse 94, eine ehemalige Genossenschafts-Druckerei. 1987 wurde der Erweiterungsbau eingeweiht. 2006 wurde die GFA in Schule für Gestaltung Aargau umbenannt. Im gleichen Jahr kehrten der Gestalterische Vorkurs und das Gestalterische Propädeutikum nach ihrer zeitweiligen Ausgliederung an die SfGA zurück und befinden sich seit dem Neubau 2012 unter dem Dach der Schule für Gestaltung Aargau.

Hinweis: Tage der offenen Tür zur Neueröffnung des Ateliers für Bekleidungsgestaltung am 17. und 18. September: Freitag 14 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 15 Uhr. Mit Covid-Zertifikat.

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