Kommentar
Aarau ist fitter als gedacht

Mit einem Überschuss im Jahr 2017 steigt das Vermögen der Stadt Aarau um fast 8 Millionen – trotzdem besteht kein Grund zur Euphorie.

Urs Helbling
Urs Helbling
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Erste Abschlusszahlen zeigen, dass es der Stadt Aarau dank Sondereffekten und Budget finanziell besser geht. (Archiv)

Erste Abschlusszahlen zeigen, dass es der Stadt Aarau dank Sondereffekten und Budget finanziell besser geht. (Archiv)

Alex Spichale

Der bürgerlich denkende Aarauer wird sich ärgern, dass der Steuerfuss 2017 um 3 Prozent erhöht (von 94 auf 97 Prozent) und der eigentlich versprochene Steuerfussausgleich 2018 (zurück auf 94 Prozent) nicht gewährt wurde.

Der eher links denkende Aarauer wird darauf hinweisen, die anhaltenden Sparbemühungen seien ja gar nicht in diesem Umfang notwendig gewesen. Und vielen wird auffallen, wie geschickt der neue Stadtrat kommuniziert: Der erfreuliche Abschluss wird wenige Tage vor der Einwohnerratsdebatte über die Nice-to-have-Investition «Alte Reithalle» bekannt gegeben.

Das Kulturprojekt wird 20,45 Millionen Franken kosten (davon soll die Stadt 7,725 Millionen Franken übernehmen).

Der beste Abschluss seit Jahren beweist: Der Stadt Aarau geht es gut. Wer wegen der anhaltenden Spar- und Steuerfussdiskussionen den Eindruck hatte, sie sei armengenössig, kann aufschnaufen. Allerdings besteht kein Grund zur Euphorie.

So verdankt die Stadt den guten Zinsertrag beim Anlagefonds (Ende Jahr lagen in ihm 111 Millionen Franken) primär der erfreulichen Börsenentwicklung im letzten Jahr. Doch niemand kann garantieren, dass die Aktien 2018 wieder gleich viel abwerfen.

Dass die Stadt mehr Sonder- (etwa Erbschafts-), Quellen- und Aktiensteuern eingenommen hat, ist zwar erfreulich, aber halt relativ zufällig. Nichts Konkretes sagt die Medienmitteilung über die Steuereingänge der natürlichen Personen: Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker verrät immerhin, der Betrag liege über Budget.

Aber die Zahl wird die Öffentlichkeit wohl erst am 26. März erfahren, wenn der Stadtrat den Jahresbericht 2017 ins Internet stellt. Das Steueraufkommen der natürlichen Personen war in den letzten Jahren einnahmeseitig stets das ganz grosse Problem. So lag es im Jahr 2016 ganze 2,9 Millionen Franken unter Budget, was rund 5 Prozent entsprach.

Der Abschluss 2017 ist neben Zufälligkeiten vor allem das Ergebnis der Sparanstrengungen und der Steuererhöhung in der Legislatur von Stadtpräsidentin Jolanda Urech (SP). Der neue Finanzminister Hanspeter Hilfiker (FDP) hat darum einen relativ einfachen Start. Der finanzielle Handlungsspielraum ist grösser als auch schon. Aber es droht nun die Gefahr von Übermut.