Städte-Ranking
Aarau ist attraktiver als Baden und Basel

Aarau steigt im Städte-Ranking der Zeitschrift Bilanz um 5 Plätze und ist somit schweizweit auf Platz 6 und ist somit neu vor Baden. Die neuen Zahlen zeigen, was aus der Stadt geworden ist.

Sabine Kuster
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Aarau und Baden vergleichen sich ständig. Hier der Oberturm (links, 62 m) und der Badener Stadtturm (56 m).

Aarau und Baden vergleichen sich ständig. Hier der Oberturm (links, 62 m) und der Badener Stadtturm (56 m).

Aargauer Zeitung

Es lebt sich hervorragend in der Stadt auf dem Felsvorsprung an der Aare. Jedenfalls behauptet dies das neue Städte-Ranking, welches die Beratungsfirma Wüest & Partner zum achten Mal für die Zeitschrift Bilanz erstellt hat. Zürich bleibt auf dem 1. Platz. Aarau hat 5 Plätze gut gemacht und ist neu auf Platz 6 – vor Basel, hinter Bern – und sechs Ränge vor Baden. Baden ist überholt.

Die «Bilanz» schreibt in ihrer aktuellen Ausgabe deswegen ausführlich über die Stadt und listet die Gründe auf, warum der kleine Ort ohne See und Skigebiet (offenbar wichtige Kriterien) den Sprung in die Top 10 der Schweizer Städte geschafft hat: verkehrsbefreite, lebendige Altstadt mit vielen Cafés und Bars, regelmässig Austragungsort grosser Volksfeste, Wachstum auch durch die Fusion mit Rohr, neues Kunsthaus, neues Stadtmuseum, neue Wohnquartiere (Aarenau, Torfeld Süd), neues Hochhaus (Gastro Social), neuer Bahnhof (mit Wolke und Riesenuhr) und der baldige Zuzug von Swissgrid.

Aarau möchte das Energielabel Gold.
11 Bilder
Die Stadt Aarau soll noch städtischer werden.
Hochhäuser ragen nur vereinzelt aus Aarau – und vor allem am Stadtrand.
Luftaufnahme der Stadt Aarau
Schnappschuss von Herr Werner Borner Stadt Aarau am Abend.
Auch ausserhalb des mittelalterlichen Stadtkerns könnte Aarau dicht werden.
Die Hauptpost in Aarau
Aarau von oben
Die alte Post in Aarau
Blick auf die Kirche der Stadt Aarau.
Stadtbach Aarau

Aarau möchte das Energielabel Gold.

Drehort des «Bestatters» sei auch noch erwähnt und dann ist jüngst endlich ein schmuckes Hotel an der Kettenbrücke aufgegangen. In der Pipeline sind «Pont Neuf», der Umbau der Alten Reithalle in einen kantonalen Kulturort und das Stadion. Wobei sich Letzteres eher noch im Bohrloch befindet.

Zahlen statt Umfragen

Diese augenscheinlichen neuen Highlights flossen aber nur indirekt ins Bewertungssystem von Wüest & Partner. Die Rangliste wird durch viele eingespeiste Zahlen erstellt. Auf elf Themenbereiche verteilt, spielen zum Beispiel die Anzahl Läden, Kinos, Museen, Schwimmbäder, Schulen, Bars oder eben Skigebiete eine Rolle. Auch der Steuerfuss, die Arbeitslosenquote, das Bevölkerungswachstum und die Krankenkassenprämien werden erhoben. Beim Thema Sicherheit kommt es auf das Risiko durch ein AKW oder die Straftaten pro 1000 Einwohner an, bei der Mobilität auf den öffentlichen Verkehr und einen nahen Autobahnanschluss.

«Wir stützen unser Ranking bewusst nur auf messbare Daten und nicht auf Umfragen ab», sagt Isabel Häberling von Wüest & Partner. Sie findet: «Wir bewegen uns auf einem sehr hohen Niveau, die Unterschiede der Schweizer Städte sind nicht sehr gross. Die Lebensqualität in Baden ist noch immer hoch, auch wenn es jetzt sechs Plätze hinter Aarau liegt.»
Wobei wir beim Thema wären. Aargau, Kanton mit zwei statt einem starken Zentrum. Diese befinden sich in einem ständigen Kopf-an-Kopf-Rennen. Ein befruchtendes Rennen. Schon 2014, Aarau lag noch hinter Baden, sagte Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing Baden, gegenüber der «Bilanz»: «Wenn Aarau einen tollen neuen Bahnhof kriegt, werden wir hier etwas nervös und fragen uns: Was wird unser nächstes Ding sein?»
Dabei war es Aarau, das lange unter dem Ruf als Beamtenstadt litt, wo man angeblich weniger gut zu feiern weiss als in Baden. Das Gemeinde-Ranking der «Weltwoche» vom letzten Jahr, welches Aarau auf Platz 117 und Baden auf Platz 38 setzte, löste aber bereits gelassenes Kopfschütteln aus.

Erntezeit in Aarau

So unterschiedlich ein Ranking ausfallen mag: In Aarau ist unzweifelhaft die Erntezeit angebrochen, wie die «Bilanz» treffend schreibt. Der Wakker-Preis 2014 war der Auftakt dazu. Gut möglich, dass sich der Wandel, den die Stadt in den letzten zehn Jahren durchgemacht hat, nun in den Zahlen von Wüest & Partner niederschlägt. «Wir fanden uns natürlich schon immer gut», sagt Daniel Lüscher, der neue Präsident von Aarau Standortmarketing, «Aber nun können wir guten Gewissens sagen: Wir leben in einer tollen Stadt.»

Dabei war das Standortmarketing nicht unwichtig: «Ob Rüeblimärt, Musig i de Altstadt oder Gigathlon – seit acht Jahren läuft alles koordiniert ab, das gibt der Stadt ein klareres Gesicht.» Auch die eigenen Zahlen weisen auf den Aufschwung hin: Die Zahl der Stadtführungen ist seit 2012 kontinuierlich von 614 auf 822 gestiegen (+34%), die Zahl der Besucher der Seite aarauinfo.ch im selben Zeitraum um 68 Prozent auf heute 180 000 Besucher.

Verkehrskonzept war wichtig

«Es war kein aufgezwungener Wandel, es gab keinen Napoleon», sagt Lüscher. «Der Wandel kam von innen, die Zeit war reif.» Ein wichtiger Startpunkt war das neue Verkehrskonzept für die Stadt mit den 20 000 Einwohnern und 30 000 Zupendlern: der Bau des Staffeleggzubringers und des Sauerländertunnels ermöglichte die autofreie Altstadt.
«Platz 6! Diese Bilanz macht jeden Aarauer ein wenig stolz, nicht? Ich finds jedenfalls total schön und glaube, dass sich Aarau nun noch mehr Mühe geben wird.» Lüscher ist optimistisch, dass sich Aarau nicht auf den Lorbeeren ausruhen wird. Es sei noch viel Neues im Tun, auch wenn die Stadt momentan spart. «Dass grosse Projekte die Kasse einer Stadt mal überfordern, dafür habe ich Verständnis. Es muss nicht alles sofort kommen. Und auch die private Seite fördert den Wandel.»

Baden

«Ich gratuliere den Aarauern von Herzen»

Das ist doppelt bitter: Baden ist im Städteranking des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» nicht nur aus den Top Ten geflogen, sondern wurde auch noch von Aarau überholt. Stadtammann Geri Müller nimmts sportlich: «Ich gratuliere den Aarauern von Herzen zu diesem Sprung! Baden und Aarau halten seit Jahren in den vordersten Rängen mit, einmal sind sie vorne, vorher war es Baden.» Dass Baden nicht mehr in den Top Ten ist, sei nicht alle Welt, sagt Isabel Häberling von Wüest & Partner. «Auch das neuste Ranking zeigt, dass die Lebensqualität in Baden sehr hoch ist.» Die Unterschiede seien in den obersten Rängen minim. Zudem habe die Bäderstadt in gewissen Themen Plätze gutgemacht, so beim Indikator «Kultur und Freizeit», wo Baden die Rangliste anführt. «Grundsätzlich ist es toll, dass Baden so weit vorne liegt», sagt Stadträtin und Vorsteherin des Standortmarketings Ruth Müri. Und: «Es ist schön, dass zwei Aargauer Städte im Ranking vorne liegen.» Die Stadträtin glaubt, dass Baden mit dem Bau des Botta-Bades in Zukunft einige Ränge gutmachen kann. (ces)

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