Aarau

Aarau hat eine grosse Tradition als eidgenössische Feststadt

Imposant: Für das Schützenfest von 1924 wurde der Festplatz im Schachen hergerichtet. zvg

Imposant: Für das Schützenfest von 1924 wurde der Festplatz im Schachen hergerichtet. zvg

In Aarau wird 2015 das Volksmusikfest ausgetragen. Das ist kein Zufall. Mit der Ausführung des traditionellen Schweizer Festes wird in Aarau eine beispiellose Serie fortgesetzt.

Tradition aus der Geschichte, ideales Festgelände in der Altstadt und im Schachen, gute Erreichbarkeit aus allen Landesteilen und zuverlässige Organisatoren, das sind die Trumpfkarten, die Aarau häufiger als anderen Städten die Möglichkeit geben, Austragungsort für eidgenössische Feste zu werden. So lief es auch wieder bei der Lokalisierung des nächsten eidgenössischen Volksmusikfestes 2015.

Ganz so einfach ist der Zuschlag für ein «Eidgenössisches» allerdings nicht, erfolgt doch dieser in den meisten der grossen Dachorganisationen «föderalistisch». Die Vergabe ist über einen Turnus der regionalen Teilverbände streng verankert.

Aarau zählt mit dem Aargau in der Regel zur «Nordwestschweiz», zu der auch die Kantone Solothurn und die beiden Basel gehören. Ein Jodlerfest zum Beispiel ist aus diesem Grund im besten Fall nur alle dreissig Jahre in Aarau möglich.

Die Wurzeln für diese «nationale» Rolle Aaraus liegen im vereins- und festfreudigen 19. Jahrhundert. In der Aargauer Kantonshauptstadt stand die Wiege für drei «vaterländische» Zusammenschlüsse, nämlich für den schweizerischen Schützenverein (1824), für den eidgenössischen Turnverein (1832) und schliesslich für den Sängerverein (1842).

Rückkehr in die Gründungsstadt

Mehrfach kehrten diese Verbände denn auch aus festlichem Anlass in ihre Gründungsstadt zurück. Namentlich die Schützen, die 1924 ihre Zentenarfeier in Aarau durchführten, ein «Eidgenössisches», das lange nachhallte und von dem noch heute das Schützendenkmal, das früher mitten auf dem Bahnhofplatz stand und heute vor dem Herzoghaus auf dem Kasernenareal einen Platz gefunden hat, zeugt.

Neben kantonalen Anlässen wie dem glanzvollen Jubiläum «150 Jahre Kanton Aargau» 1953 erlebte Aarau vor einem knappen Jahrhundert eine erste beispiellose Kette von «Eidgenössischen», angefangen 1964 mit dem Schwing- und Älplerfest, gefolgt vom Musikfest (1966), dem Turnfest (1972) und zum Abschluss vom Jodlerfest (1975), dessen Festumzug in einem heftigen Gewittersturm endete.

Dann wandte man sich mit der ausgedehnten Feier zum 700-jährigen Bestehen des Stadtrechts 1983 und dem «Fest der Feste» zum runden Geburtstag der Eidgenossenschaft 1991 historischen Feierlichkeiten zu, die 1998 in das Gedenkjahr «200 Jahre Helvetik» mündete, an dem der Bundesrat in corpore durch die Stadt marschierte. 1992 fand in Aarau zudem das Eidgenössische Harmonika- und Akkordeon-Musikfest statt.

2019 kommen die Turner

Jetzt wiederholt sich die Geschichte mit einer neuen Reihe von eidgenössischen Anlässen in der Stadt Aarau, die 2005 mit dem glanzvollen Jodlerfest begann und sich 2007 mit dem Schwing- und Älplerfest fortsetzte. 2010 war wieder einmal die Schweizer Schützengemeinde am Gründungsort zu Gast, 2015 folgen dann im September die Volksmusikanten, gekrönt wird die Serie 2019 mit dem eidgenössischen Turnfest.

Bereits in den 60er und 70er-Jahren durften die Aarauer auf ein eingespieltes Organisations-Team mit bewährten Kräften zählen. Das ist im neuen Jahrtausend nicht anders. So erlebte Marcel Suter, der in Aarau ein Medienbüro betreibt, am vergangenen Sonntag in Chur bereits die vierte Präsentation einer Aarauer Kandidatur für ein «Eidgenössisches».

«Aarau hat als Feststadt in der ganzen Schweiz einen hervorragenden Ruf», sagt Suter und betont, «dass es ohne initiative Vereine, Privatpersonen mit dem Mut zum Risiko und ohne Unterstützung der Politik nicht geht.»

Der Trend für Grossanlässe gehe von den Metropolen wie Zürich, Bern oder Basel «zu mittleren oder kleineren Städten», neben Aarau etwa Frauenfeld, Chur, Winterthur, Schwyz oder Stans. «Die grossen Zentren verfolgen eine andere Event-Strategie», stellt Marcel Suter fest.

Gefragt sei als Kulisse immer mehr das heimelige Ambiente von geschlossenen und überschaubaren historischen Zentren, wie sie Aarau eben biete. Zudem verfügt die Aargauer Kantonshauptstadt für Festumzüge über eine ideale Paraderoute, die von der breiten Laurenzenvorstadt durch die Altstadt und durch die Bahnhofstrasse führt.

«Bisher zu wenig Nutzen gezogen»

Stadt und Region hätten aber «aus dem medialen Echo bisheriger Feste noch zu wenig Nutzung gezogen», sagt Suter, der auch im Vorstand des Vereins Aarau Standortmarketing sitzt. Dennoch sei die «Promotion» für die Stadt vor allem durch die Präsenz im Fernsehen «unbezahlbar».

Es sei wichtig, dass die Feststadt künftig mehr Wert auf den «Vor- und Nachhall» eines «Eidgenössischen» lege. Beim letzten Volksmusikfest 2011 in Chur zählten die Organisatoren nicht weniger als 403 dokumentierte Berichte respektive Sendungen in den verschiedensten Medien, beste Werbung für die Stadt und den Kanton.

Nicht zu verachten ist letztlich der Mehrumsatz, den die Aktiven und die Festbesucher dem einheimischen Gewerbe, vor allem der Gastronomie und der Hotellerie, bringt. Allerdings hängt dies vom gewählten Konzept ab.

Während beim Schwingfest die Gastronomie praktisch im Raum Schachen konzentriert blieb, profitierte am Jodlerfest das einheimische Schaffen fast flächendeckend. Beim Volksmusikfest 2015 soll dieser Effekt ebenfalls wieder zum Tragen kommen.

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