Aarau
Früh übt sich: An der Bildschule toben sich zukünftige Grafikerinnen und Polygrafen auch in den Ferien kreativ aus

An der Aarauer Bildschule lernen kunstbegeisterte Kinder und Jugendliche das Gestalten. Koordinatorin Patricia Bucher spricht von einem «Defizit in der Berufsberatung» und hofft, dass Bildschulen so selbstverständlich werden wie Musikschulen.

Valérie Jost
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Perfekte Pose zum Abzeichnen: Ein Mädchen passt die Gliederpuppe ihrer Vorlage an.

Perfekte Pose zum Abzeichnen: Ein Mädchen passt die Gliederpuppe ihrer Vorlage an.

Britta Gut

Maske im Gesicht, Bleistift in der Hand: Hochkonzentriert zeichnen Jugendliche Gliederpuppen in den verschiedensten Verrenkungen ab – stehend, tanzend, springend. Es ist der dritte Tag des «Crashkurses Zeichnen» der Bildschule in Aarau, den die zehn Jugendlichen in ihren Schulferien fünf Stunden täglich besuchen.

Einen Raum weiter lernen etwas jüngere Kinder mit ausgestopften Exemplaren, Tiere zu zeichnen. Ein Neunjähriger tupft mit Hingabe Farbe von einem Schwamm in den Dachs-Umriss seines Zeichnungsblattes und schwärmt von der Kursleiterin:

«Sie hat uns verschiedene Techniken gezeigt. Auf die Idee mit dem Schwamm wäre ich nicht gekommen.»
Anhand eines ausgestopften Dachses fertigt ein Neunjähriger sein Dachs-Wasserfarbenbild.

Anhand eines ausgestopften Dachses fertigt ein Neunjähriger sein Dachs-Wasserfarbenbild.

Britta Gut

Die Kurse finden an der Schule für Gestaltung Aargau in den Frühlings-, Sommer- und Herbstferien zu wechselnden Themen statt. So ist eine 12-Jährige nach einem Kurs zu Käfern und einem zu figürlichem Zeichnen bereits zum dritten Mal dabei, wie sie stolz erklärt. Neben den Ferien-Workshops gibt es mit Grund- und Aufbaukursen auch Semesterangebote, in denen sich die Kinder jede Woche gestalterisch ausprobieren können.

So selbstverständlich wie Musikschulen

Gemäss der Koordinatorin der Bildschule, Patricia Bucher, bestehen für die Kreativbranche grosse Defizite in der Berufsberatung: «Neben den Möglichkeiten von gestalterischen Berufslehren und Ausbildungen, beispielsweise zur Polygrafin oder zum Verpackungsdesigner, ist der akademische Weg der Kunsthochschulen leider kaum bekannt.» Ein Ziel der «Konferenz Bildschulen Schweiz» sei es deshalb, dass Bildschulen so selbstverständlich werden wie Musikschulen: Denn so können kunstinteressierte Kinder früh abgeholt werden.

Effektiv überlegen sich viele der Kinder und Jugendlichen, einen kreativen Beruf zu ergreifen. Von Architekt über Illustratorin bis hin zu Werbetechnikerin ist alles dabei. Der grösste Traum einer 13-Jährigen ist es, «wilde Tiere zu zeichnen und ein Bild zu verkaufen». Und eine 15-Jährige erzählt:

«Ich fand es super, als ich herausgefunden habe, dass ich mein Hobby mal zu meinem Beruf machen könnte.»

Sie möchte nach der Schule den gestalterischen Vorkurs machen, der auf eine Berufslehre oder auf eine Ausbildung an einer Schule für Gestaltung vorbereitet.