Aarau
Einmalige Gelegenheit: Im ersten Bundeshaus der Schweiz wird eine Wohnung frei

Von Frühling bis Herbst 1798 war das Aarauer «Haus zum Schlossgarten» erstes Bundeshaus der Schweiz. Heute gehört es den Ortsbürgern. Und diese suchen nun einen neuen Mieter für eine der beiden Wohnungen unter dem Dach. Sie ist erstaunlich günstig – dafür muss man mit Spuk rechnen.

Nadja Rohner
Drucken
Das Haus steht etwas versteckt an der Ecke Schlossplatz / Laurenzenvorstadt. Mieter dürfen den Garten nicht nutzen.

Das Haus steht etwas versteckt an der Ecke Schlossplatz / Laurenzenvorstadt. Mieter dürfen den Garten nicht nutzen.

Bild: Alex Spichale

Einmal im Bundeshaus wohnen? Wer schon immer diesen – zugegeben etwas speziellen – Traum hatte, kann ihn jetzt in Aarau Wirklichkeit werden lassen. Im «Haus zum Schlossgarten» wird nämlich eine der beiden Mietwohnungen unter dem Dach frei. Für 2,5 Zimmer respektive 65 Quadratmeter zahlt man 1650 Franken (inklusive Nebenkosten). Der Haken: Man darf den Garten nicht mitbenutzen, geht nur durch den Lieferanteneingang rein - und man muss damit rechnen, temporär ausquartiert zu werden, wenn ganz hoher Besuch kommt.

Das 1777 erbaute (aber erst kürzlich renovierte) klassizistische Gebäude diente 1798 in den ersten Monaten der Helvetischen Republik für wenige Monate als Sitz der neuen Zentralregierung. Es war also quasi das erste Bundeshaus der Schweiz.

Heute gehört das Haus den Aarauer Ortsbürgern. Im Erdgeschoss befindet sich die Kulturstätte «Forum Schlossplatz», im ersten Obergeschoss gibt es repräsentative Räume und im zweiten die beiden Wohnungen. Ausserdem befinden sich gemäss Website der Stadt im Keller das Archiv der Ortsbürgergemeinde sowie der Weinkeller des ortsbürgerlichen Rebbergs Herznach.

Wie es sich im geschichtsträchtigen Haus lebt, erzählt der Mieter der zweiten, grösseren Wohnung im sehr hörenswerten Podcast «Ein Haus zum Garten» des Forum Schlossplatz. Dort berichtet Jost Timcke, der schon seit 13 Jahren im Haus wohnt und nicht gedenkt, jemals wieder auszuziehen, zum Beispiel vom Besuch des Gesamtbundesrats 2010.

Damals durfte er den ganzen Tag nicht in seine Wohnung, erzählt er. Und die Polizei habe ihn vorgängig gefragt, ob sie beim Staatssicherheitsdienst Erkundungen über ihn tätigen dürfe – man wollte einen terroristischen Hintergrund beim Mieter ausschliessen, bevor sich alle sieben Regierungsmitglieder des Landes im Haus versammeln. Zur Sicherheit schickte man doch noch einen Sprengstoffhund durch alle Räume.

Timke ist sich sicher, dass es im Haus spukt. Deshalb habe er seine Wohnung ausräuchern lassen, als er vor einigen Jahren von der kleineren in die grössere Wohnung zog, erzählt er im Podcast. Auch gewisse Kunstschaffende, die schon im Forum Schlossplatz ausgestellt haben, berichten offenbar von unheimlichen Erlebnissen. Ob man's glaubt oder nicht: Völlig real waren «die beiden ungebetenen Gäste mit Selfiestick im Garten», von denen Anna Schiestl, Pascal Nater und Lena Friedli – die Leiterin des Forums – im Podcast erzählen. Es handelte sich bei den überraschend erschienenen Besucher um Roger Köppel und Christoph Mörgeli von der «Weltwoche»:

Wer sich die Geschichte des Hauses lieber von jemand anderem als den beiden Herren erzählen lässt, dem sei der Podcast des« Forum Schlossplatz» ans Herz gelegt. Zwei Episoden sind schon erschienen, sie dauern jeweils 26 Minuten.