Aarau
Eine Seltenheit: Das Altersheim in der Altstadt ist fertig renoviert, am Samstag ist Tag der offenen Türe

Nach eineinhalb Jahren Bauzeit ist die Station Milchgasse des Aarauer Alters- und Pflegeheims Golatti fertig renoviert. Stadträtin Angelica Cavegn, zuständig fürs Ressort Alter, freut sich. Für die Stadt ist es eine Erfolgsgeschichte.

Daniel Vizentini
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Die Umbauarbeiten an der Station Milchgasse des Alters- und Pflegeheims Golatti sind beendet. Bald können die Bewohner wieder einziehen. Im Bild: Stadträtin Angelica Cavegn und Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker.

Die Umbauarbeiten an der Station Milchgasse des Alters- und Pflegeheims Golatti sind beendet. Bald können die Bewohner wieder einziehen. Im Bild: Stadträtin Angelica Cavegn und Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker.

Daniel Vizentini

Für Stadträtin Angelica Cavegn Leitner (Pro Aarau) ist es «eine absolute Herzensangelegenheit»: Die Umbauten der städtischen Alters- und Pflegeheime sind auf Kurs, diesen Samstag wird die renovierte Station Milchgasse des Pflegeheims Golatti der Bevölkerung an einem Tag der offenen Türe vorgestellt. Am Dienstag durften Medienschaffende bereits in das frisch sanierte Gebäude hineinschauen.

Wer die Bauarbeiten von Beginn an periodisch begleiten durfte, der staunt: Von Februar bis Mai 2020 war das Altstadthaus komplett ausgehöhlt worden, drinnen wähnte man sich «wie in einer Kathedrale», erinnert sich Angelica Cavegn. Aus den drei Altstadthäusern mit ihren verzweigten Gängen und dunklen Räumen ist in den letzten Monaten ein modernes, helles und übersichtliches Heim entstanden.

Drei Monate nach Beginn der Bauarbeiten waren beinahe alle Innenwände und die meisten Decken entfernt worden. 411 Tonnen Abbruchmaterial wurde von Hand hinausgetragen.

Drei Monate nach Beginn der Bauarbeiten waren beinahe alle Innenwände und die meisten Decken entfernt worden. 411 Tonnen Abbruchmaterial wurde von Hand hinausgetragen.

Zur Verfügung gestellt (6.5.2020)

Fenster wurden teils vergrössert und die Zimmer und Gänge so neu verteilt, dass einerseits mehr Licht eindringt und andererseits die Wege kürzer sind. Für das neue heimelige Gefühl sorgt auch ein eigens konzipiertes Beleuchtungs- und Farbkonzept in den Innenräumen: Die Zimmertüren sind je nach Etage in Grau, Braun, Grün, Rot oder Blau gehalten, inspiriert an den Farben der Umgebung draussen in der Altstadt.

Daniel Vizentini

Daniel Vizentini

Neue, helle Gänge mit beleuchteten Handgriffen.

Daniel Vizentini

Diese Farben sollen den Menschen helfen, sich im mehrgeschossigen Heim zu orientieren. Dazu wurde auch auf andere Details geachtet wie etwa, dass die Handgriffe bei den Treppen beleuchtet sind.

Neue, helle Gänge mit beleuchteten Handgriffen.

Neue, helle Gänge mit beleuchteten Handgriffen.

Daniel Vizentini (dvi) / Aargauer Zeitung

Die Station Milchgasse wird wie früher 27 Einzelzimmer führen, wovon 25 neu rollstuhlgängig sein werden und Nasszellen mit eigener Toilette und Dusche bieten. Wie Stadtbaumeister Jan Hlavica sagt, ist das Gebäude sowohl für den heutigen Gebrauch als Altersheim wie auch für eine womöglich andere Nutzung in 20 Jahren konzipiert, falls es bis dann vielleicht keine Nachfrage mehr nach Pflegeplätzen gibt.

Eine der neuen Nasszellen mit WC und Dusche. Vor dem Umbau waren sie nicht rollstuhlgängig und teilweise mussten die Duschen geteilt werden.

Eine der neuen Nasszellen mit WC und Dusche. Vor dem Umbau waren sie nicht rollstuhlgängig und teilweise mussten die Duschen geteilt werden.

Daniel Vizentini
Ein Beispiel für ein möbliertes Zimmer.

Ein Beispiel für ein möbliertes Zimmer.

Daniel Vizentini

Links eine der neuen Nasszellen, rechts das bisher einzige möblierte Zimmer.

Daniel Vizentini

Dazu bemühte man sich, sorgfältig mit der historischen Bausubstanz umzugehen. Bei vereinzelten Zimmern konnte eine über 250 Jahre alte Decke erhalten und restauriert werden. Verantwortlich für den Umbau war die «Architekten Gemeinschaft 4 AG» mit Leiter Bruno Hermann. Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker sprach von einem «Referenzobjekt».

Der einzige Bereich, an dem die 250-350-Jahre alte Decke bewahrt und restauriert werden konnte.

Der einzige Bereich, an dem die 250-350-Jahre alte Decke bewahrt und restauriert werden konnte.

Daniel Vizentini (dvi) / Aargauer Zeitung

Neu in der Station Milchgasse ist gleich beim Eingang der betreute Gemeinschaftsraum mit kleiner Küche. Unmittelbar gegenüber befindet sich auch der öffentliche Coiffeursalon. Die Idee ist, dass die Bewohnenden die Gänge und Räume beleben und sich nicht in ihren Zimmern verstecken oder bei jeder Gelegenheit ins Pflegeheim Golatti hinüberlaufen.

Gleich beim Eingang an der Milchgasse befindet sich der neue, betreute Gemeinschaftsbereich mit einer kleinen Küche.

Gleich beim Eingang an der Milchgasse befindet sich der neue, betreute Gemeinschaftsbereich mit einer kleinen Küche.

Daniel Vizentini

Von den ehemaligen Bewohnenden, die vor zwei Jahren wegen der Umbauten provisorisch ins Altersheim Herosé umziehen mussten, werden am 20. Oktober elf wieder zurückkehren. Von der Verwandlung ihres alten, bald neuen Zuhause seien alle begeistert, sagt Rupert Studer, Leiter Abteilung Alter. Auch er freut sich darüber, wie Station und Wohnbereich «viel an Qualität gewonnen» haben. In den nächsten Wochen werden die Zimmer möbliert – eine kleine Herausforderung, denn jedes der 27 Zimmer hat einen völlig anderen Grundriss.

Beim Umzug von der Station Milchgasse ins Herosé wurde den Bewohnerinnen und Bewohnern der rote Teppich ausgerollt. Dasselbe soll nun bei der Rückkehr ins renovierte Heim gemacht werden.

Beim Umzug von der Station Milchgasse ins Herosé wurde den Bewohnerinnen und Bewohnern der rote Teppich ausgerollt. Dasselbe soll nun bei der Rückkehr ins renovierte Heim gemacht werden.

Zur Verfügung gestellt (7.2.2020)

Bei den Wahlen wurde Angelica Cavegn für ihren Einsatz belohnt

Laut Stadträtin Angelica Cavegn konnten sowohl der Zeitplan wie auch die budgetieren Ausgaben von 7,8 Millionen Franken genau eingehalten werden. Auch mit den anderen Projekten im Altersbereich ist die Stadt auf Kurs: Bei den Plänen zum Neubau des Alters- und Pflegeheims Herosé sei man aktuell beim letzten Schliff. Das Vorhaben soll im Dezember vom Stadtrat verabschiedet und im Januar dem Einwohnerrat vorgelegt werden. Im Mai würde das Volk abstimmen.

Baubeginn wäre wahrscheinlich 2023. Für 50 Millionen Franken entstehen 116 Zimmer auf fünf Stockwerken, ein öffentliches Restaurant, ein getrennter Garten für Menschen mit Demenz und sogar ein kleines Schwimmbecken. Ab 2025 wäre die Renovierung des Herzoghauses an der Reihe. Dann wären alle Aarauer Alterseinrichtungen auf dem neusten Stand.

Stadträtin Angelica Cavegn Leitner.

Stadträtin Angelica Cavegn Leitner.

Daniel Vizentini

Für Angelica Cavegn, die nächstes Jahr ihre dritte und letzte Amtsperiode als Stadträtin antritt, sei es wichtig, alle Projekte in die richtige Bahn zu lenken, sodass «der Zug auf der Schiene ist und nur noch rollen muss», wie sie sagt.

Für ihren beherzten Einsatz für die ältere Bevölkerung wurde die Vorsteherin des Ressorts Alter, Gesundheit und Soziales am Sonntag vom Stimmvolk auch belohnt: Angelica Cavegn machte das zweitbeste Resultat noch knapp vor Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker.

«Das Ressort Alter und Soziales ist auch absolut mein Ressort», sagt sie. Direkt bei den Menschen etwas Positives auslösen zu können und unmittelbar die Resultate zu sehen, sei ihre grosse Motivation. Bevor Angelica Cavegn 2014 für den Verein Pro Aarau in den Stadtrat gewählt wurde, sass sie 11,5 Jahre lang im Einwohnerrat.

Die Fassade der Station Milchgasse mit ihrem frischen Anstrich und den teils goldenen Fensterläden sticht im Ensemble der Altstadthäuser hervor.

Die Fassade der Station Milchgasse mit ihrem frischen Anstrich und den teils goldenen Fensterläden sticht im Ensemble der Altstadthäuser hervor.

Daniel Vizentini

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