Aarau
Eine Gartenbeiz mit Betonung auf Garten: Warum es in der Pelzgasse plötzlich spriesst

Vor dem Bed&Breakfast in der Aarauer Pelzgasse stehen seit ein paar Tagen Pflanzenkisten. Cécile und Tobias Graf erklären, warum sie für mehr Grün in der Gasse auf Sitzplätze verzichten.

Katja Schlegel
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Cécile Graf betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Tobias das Bed&Breakfast zum Graf in der Pelzgasse, Aarau.

Cécile Graf betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Tobias das Bed&Breakfast zum Graf in der Pelzgasse, Aarau.

Katja Schlegel

Aarau ist voller Gartenbeizen. Hüben wie drüben kann man draussen sitzen und die Sonne geniessen; Gartenbeizen machen eine Stadt erst richtig lebendig. Wobei das mit dem Begriff «Gartenbeiz» so eine Sache ist: Da ist zwar viel Beiz, also Tische und Stühle unter freiem Himmel. Der Garten aber beschränkt sich meist auf etwas Grün als Tischdeko.

Die Pelzgasse macht da keine Ausnahme. Zwischen Rathausgasse und Schultheissenhöfli reiht sich Tisch an Tisch. Oder besser: Hat sich gereiht. Seit ein paar Tagen spriesst es da mittendrin: Das Bed&Breakfast zum Graf hat die Hälfte seiner Aussensitzplätze zu Gunsten von drei Gartenrabatten aufgehoben. «Ich habe das Grün in der Gasse vermisst», sagt Cécile Graf, die das Haus gemeinsam mit ihrem Mann Tobias betreibt. Die Pflanzenkisten sind so konzipiert, dass sie sich genauso mühelos aus dem Weg räumen lassen, wie Tisch und Stühle.

Der kleine Garten wirke Wunder, sagt Graf. Nicht nur, dass sich bereits die ersten Insekten an den einheimischen Pflanzen gütlich tun. «Wir bekommen so viele gute Rückmeldungen, wir sind selbst überrascht.»

Grafs hoffen auf viel mehr Grün in den Gassen

Die Reduktion der Aussensitzplätze hat natürlich Konsequenzen. Auch Übernachtungsgäste frühstücken gern im Freien; doch die Grafs haben eine Lösung gefunden: Ihre Gäste dürfen die Tische vom neuen Nachbarn, Pizzaiolo Ilario Ninni, nutzen. Den donnerstäglichen Café-Betrieb hingegen stellen die Grafs zu Gunsten des Gartens ein. «Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft, für guten Kaffee verweisen wir gern an unsere Nachbarn», sagt Graf und das meint sie ehrlich, man arbeite hier miteinander und schaue zueinander. «Der gute Geist in dieser Gasse ist wohl einmalig in Aarau.»

Cécile Graf hofft, dass nun möglichst viele Gastronomen mit auf den Zug aufspringen und mehr Garten in ihren Aussenbereich bringen. Nicht nur der Optik, sondern vor allem dem Klima wegen. «Eben hat die Stadt vier Klimainseln geschaffen; das ist gut, aber innerhalb der Altstadt gibt es noch so viel Potenzial.»

Natürlich sei ihr klar, dass kein Gastronom zu Gunsten einer Staude auf Einnahmen verzichten wolle, aber es finde sich doch immer ein Plätzchen, notfalls an der Hauswand. Wie sehr eine Gasse von einer einzigen Pflanze profitiere, habe schon der Feigenbaum vor dem «Näscht» in der Metzgergasse gezeigt, so Graf und lacht. «Grün macht einfach glücklich.»