Aarau
Eine Demonstration im Regen für eine soziale Wende

Zum 1. Mai gingen Menschen in Aarau auf die Strasse. Die Demonstrierenden forderten unter anderem faire Löhne und einen Mindestlohn.

Anja Suter
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Der Demonstrationszug auf dem Weg zum Aargauerplatz.

Der Demonstrationszug auf dem Weg zum Aargauerplatz.

Anja Suter

Vom schlechten Wetter liessen sich die Demonstrantinnen und Demonstranten am Samstagnachmittag nicht aufhalten. Kurz nach 14 Uhr starteten sie ausstaffiert mit roten Masken, Bannern und Transparenten vom Aarauer Bahnhofplatz. «Zeit für die soziale Wende!», «Kein Lohn unter 4000 Franken» oder auch «Solidarisch aus der Krise» war auf den Transparenten zu lesen. Wiederholt wurden die Demonstrantinnen und Demonstranten dazu aufgerufen, sich an die Abstände und Schutzmassnahmen zu halten. «Behaltet die Maske bitte jederzeit an», sagte Silvia Dell’Aquila, Präsidentin des «1. Mai Komitee Aarau» und SP-Grossrätin. Vom Bahnhofplatz führte die Demonstration via Bahnhofstrasse zum Aargauerplatz, wo auch die Kundgebung stattfand. Um die Einhaltung der Schutzmassnahmen zu gewährleisten, wurde auf Unterhaltung und Gastronomie verzichtet.

«Haben gesehen, wer das Land am Laufen hält»

Eröffnet wurde die Kundgebung von Silvia Dell’Aquila: Man habe im Komitee lange diskutiert, ob und wie der 1. Mai durchgeführt werden solle, sagte sie. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass es gerade dieses Jahr besonders wichtig ist, unsere Anliegen und Forderungen auf die Strasse zu bringen.» Menschen mit tieferen Löhnen seien wirtschaftlich stärker von der Pandemie betroffen als Gutverdiener, so die Grossrätin. «Wir haben gesehen, wer das Land am Laufen hält: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.» Es sei Zeit für eine Veränderung, für einen sozialen Wandel, sagte Dell’Aquila.

Auch Lelia Hunziker, Präsidentin VPOD und SP-Grossrätin, referierte vor den Anwesenden. Die Pandemie könne nur im Kollektiv bekämpft werden, sagte sie. Das System müsse umgekrempelt werden. «Es ist ein Mehrfrontenkampf, komplex, verknüpft und mehrschichtig.» Auch sie sprach von der Wende, für die es Zeit sei. «Ein Jahr Pandemie hat gezeigt: Wir brauchen einen starken Staat, denn nur der Staat hilft in der Krise, und zwar allen.»

Irène Kälin, Nationalrätin der Grünen und Präsidentin von «ArbeitAargau», nutzte ihre Sprechzeit, um von den Problemen und Sorgen einer Malerin und eines Gipsers zu erzählen. Sie sprach von anfänglich fehlenden Schutzkonzepten und Desinfektionsmitteln auf der Baustelle. «Die Pandemie trifft uns alle unglaublich unterschiedlich», sagte Kälin. Die Antwort auf die Probleme müssen faire Löhne und ein Mindestlohn sein. «Heldinnen und Helden ehrt man nicht mit Worten und Applaus, sondern mit konkreten Taten», sagte die Nationalrätin.