«Artothek»
Ein Gemälde aus der städtischen Sammlung zu Hause aufhängen? In Aarau ist das nun möglich

An ihrem ersten Arbeitstag als neu für die Bereiche Kultur und Sport zuständige Stadträtin hat Suzanne Marclay-Merz die aktuellen und anstehenden Kulturthemen in Aarau vorgestellt. Darunter das landesweit wohl einzigartige Projekt einer städtischen «Artothek».

Daniel Vizentini
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Stadträtin Suzanne Marclay-Merz (l.) mit Melanie Morgenegg, Leiterin Abteilung Kultur, vor dem Gemälde «Hund» der aktuellen Stadtkünstlerin Petra Njezic. Die Stadt hat das Werk für 6000 Franken erworben.

Stadträtin Suzanne Marclay-Merz (l.) mit Melanie Morgenegg, Leiterin Abteilung Kultur, vor dem Gemälde «Hund» der aktuellen Stadtkünstlerin Petra Njezic. Die Stadt hat das Werk für 6000 Franken erworben.

Daniel Vizentini

Während sich Baden gerne mit dem Titel «Kulturstadt» brüstet, in den letzten Jahren aber nicht spürbar viel Neues in diese Richtung angerissen hat, hat sich Aarau schrittweise zur kleinen Kulturhauptstadt gemausert. Dies zwar auch dank kantonaler Investitionen in das Aargauer Kunsthaus oder in die erst kürzlich eröffnete Alte Reithalle. Positiv aufgefallen sind aber auch die vielen originellen Ausstellungen im Stadtmuseum oder das Festival Cirqu'Aarau.

Für Suzanne Marclay-Merz, die ihr fünftes Jahr als Stadträtin neu als Vorsteherin des Ressorts Kultur und Sport beginnt, ist deshalb klar: «Wir wollen weiterhin eine starke Kulturhauptstadt sein.» Umfragen hätten gezeigt, dass Kultur für die Aarauer Bevölkerung grosse Bedeutung habe. Umso wichtiger sei es deshalb, diesen Bereich weiter zu stärken.

Sie habe sich deshalb «sehr darauf gefreut», den Bereich Kultur zu übernehmen. «Es ist ein Bereich, der der Bevölkerung extrem viel zurückgibt», sagte sie an einer Medienkonferenz am Montag. Dazu passt ein aktuelles Projekt, das die Stadt schon letztes Jahr angerissen hat, nun aber erstmals breiter kommuniziert: Jede in Aarau wohnhafte Person kann neu ein Kunstwerk aus der städtischen Sammlung ausleihen und bei sich zu Hause aufhängen. In diese sogenannte «Artothek» fallen einige der 1200 Werke, die die Stadt in ihrer Sammlung im Feuerwehrmagazin hortet oder in den städtischen Einrichtungen wie Altersheimen oder Schulen ausstellt.

Noch bis zum 19. Februar sind zum Beispiel Gemälde der in Buchs wohnhaften Künstlerin Petra Njezic im Aarauer Rathaus zu sehen. Eines davon hat die Stadt gerade frisch erworben: Das Bild mit dem Titel «Hund», das zuoberst im dritten Stock aufgehängt ist. Für die 1,5 auf 2 Metern grosse Leinwand zahlte Aarau 6000 Franken.

Der Stadtrat habe den Auftrag, die städtische Sammlung laufend zu aktualisieren und kaufe sich deshalb immer wieder Werke ein, erklärte die Leiterin Abteilung Kultur, Melanie Morgenegg. Neu hinzugestossen sind etwa auch Fotos vom ehemaligen Stadtfotografen Jiří Vurma.

Melanie Morgenegg, Leiterin Abteilung Kultur, zeigt Fotos vom ehemaligen Stadtfotografen Jiří Vurma, die ebenfalls neu für die städtische Kunstsammlung erworben wurden.

Melanie Morgenegg, Leiterin Abteilung Kultur, zeigt Fotos vom ehemaligen Stadtfotografen Jiří Vurma, die ebenfalls neu für die städtische Kunstsammlung erworben wurden.

Daniel Vizentini

Dank der «Artothek» sind diese Werke nun für die breite Bevölkerung greifbar. Interessierte können beim Forum Schlossplatz anfragen. Aarau dürfte damit landesweit eine Pionierrolle einnehmen: Gefragt nach anderen Städten, die ebenfalls Kunstwerke aus ihrer Sammlung an die Bevölkerung ausleihen, konnte Melanie Morgenegg nur Berlin als Beispiel nennen. Dort habe man gute Erfahrungen gemacht, sagt sie. «Die Werke kamen stets unbeschädigt zurück.»

Noch keine Neuigkeiten zum KiFF-Neubau

Was steht sonst noch dieses Jahr im Kulturbereich an? Laut Suzanne Marclay arbeitet die Stadt an einer Aktualisierung und Ergänzung des Kulturkonzepts von 2014. Daraus resultieren soll eine Strategie mit klaren Zielen für die nächsten zwei Legislaturen. Bereits einen grossen Schritt vorwärtsgekommen sei die Stadt bei der Digitalisierung im Kulturbereich: einerseits für Kulturangebote wie digitale Projekte des Stadtmuseums, andererseits für eine effizientere Bearbeitung von Beitragsgesuchen von städtischen Kulturschaffenden.

Zum wohl bedeutendsten Kulturprojekt Aaraus in diesem Jahr – dem Neubau des KiFF – gab es an der von der Stadt einberufenen Medienkonferenz aber noch nichts zu berichten. Auf Anfrage sagte Suzanne Marclay, dass der Ball aktuell beim Kulturhaus liegt: Der Stadtrat erwartet in den kommenden Wochen einen Antrag seitens des KiFF mit den zu erwarteten Kosten. Bisher war laut KiFF von rund 25 Millionen Franken die Rede, wovon die Stadt an die 7,5 Millionen Franken übernehmen könnte.

Steht der genaue Antrag des KiFF, werde der Stadtrat anschliessend mit einer Botschaft an den Einwohnerrat gelangen. Suzanne Marclay betont: Anders als bei der Renovierung der Alten Reithalle, liegt beim «KiFF 2.0» die Bauherrschaft beim Kulturhaus und nicht bei der Stadt.

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