Aarau
Diese Studierende setzen sich für die Bildung von Flüchtlingen ein

Während sie in der fachlichen Arbeit bestens unterwegs sind, fallen Flüchtlinge leider oft wegen mangelnder Schulkenntnisse aus der Berufslehre. «Das muss nicht sein», sagte sich eine Gruppe von Studierenden der Region. Sie geben nun jeden Samstag freiwillig Nachhilfeunterricht.

Daniel Vizentini
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Diese Studierende helfen jungen Flüchtlingen, die eine Berufslehre absolvieren (von links): Anaïs Gutknecht (Suhr), Myuri Retnarajah (Rothrist), Claudia Lomuto (Erlinsbach), Julia Hauri (Oberentfelden), Grischa Ruprecht (Suhr) und Corina Walti (Oberentfelden). Zur Gruppe gehören noch weitere Freiwillige.

Diese Studierende helfen jungen Flüchtlingen, die eine Berufslehre absolvieren (von links): Anaïs Gutknecht (Suhr), Myuri Retnarajah (Rothrist), Claudia Lomuto (Erlinsbach), Julia Hauri (Oberentfelden), Grischa Ruprecht (Suhr) und Corina Walti (Oberentfelden). Zur Gruppe gehören noch weitere Freiwillige.

Britta Gut

Wenn geflüchtete Menschen endlich den Ort erreichen, an dem sie in Sicherheit und Würde leben können, haben sie bereits einen langen und steinigen Weg hinter sich. Doch auch nach einer definitiven Aufnahme im neuen Land enden die Herausforderungen nicht: Viele finden zwar eine Berufslehre und führen die praktische Arbeit oft auch bestens aus. In der Schule aber hapert es bei einigen – sei es wegen der Sprache oder schlicht wegen der mangelhaften Vorbildung.

Der schulische Hintergrund, den sie mitbringen, sei von Flüchtling zu Flüchtling denn auch komplett unterschiedlich, sagt Elektrotechnikstudent Grischa Ruprecht. Der 21-Jährige aus Suhr hatte deshalb die Idee, Nachhilfeunterricht für Flüchtlinge zu organisieren. Gewinnen würden dadurch alle: Dank gutem Schulabschluss und einem allgemein besseren Bildungsstand würden Flüchtlinge später im Leben nicht zu Sozialhilfefällen, was den Staat langfristig weniger kostet – so der junge Student, der sich auch in der Suhrer FDP engagiert.

Grischa Ruprechts Idee fand rasch Anklang: Seine früheren Kanti-Kolleginnen, die Pädagogikstudentinnen Anaïs Gutknecht (21, Suhr) und Claudia Lomuto (21, Erlinsbach) sagten gleich zu und luden weitere Freiwillige ein. Heute bilden sie eine Gruppe von rund zehn Studierenden, die jeweils samstags den jungen Flüchtlingen Nachhilfeunterricht gibt.

Nachhilfestunden in der Schule «Uma» in der Telli

Die Räume dafür stellt das Projekt «Uma – Leben und Lernen» vom Verein Netzwerk Asyl Aargau zur Verfügung, der in der Aarauer Telli gleich gegenüber vom KiFF eine kleine Schule führt. Über 50 Freiwillige setzen sich dort für die Bildung von Flüchtlingen ein; die jungen Studierenden neu seit letztem Herbst. Zum Treffen vor Ort gesellten sich diese Woche auch Pädagogikstudentin Myuri Retnarajah (25, Rothrist), Agrarwissenschaftsstudentin Julia Hauri (21, Oberentfelden) und Psychologiestudentin Corina Walti (21, Oberentfelden) hinzu.

Vier bis fünf von ihnen kümmern sich jeweils je um eine Berufsschülerin oder einen Berufsschüler und helfen ihnen, den «Berg an Schulstoff» zu meistern, wie Claudia Lomuto sagt. Einige Flüchtlinge müssten sich nebst Arbeit und Schule auch um den Haushalt kümmern und hätten sowieso bereits schwierigere Bedingungen als ihre heimischen Schulkollegen. Nebst den Sprachmängeln im Deutsch bereitet laut Mynri Retnarajah oft das Fach Allgemeinbildung Mühe.

Sie wollen künftig doppelt so vielen Flüchtlingen helfen

Die Studierende begleiten die Flüchtlinge deshalb von Prüfung zu Prüfung mit dem Ziel, dass sie nicht wegen schlechter Noten aus der Berufslehre fallen. Der Kontakt zu den nur leicht älteren Nachhilfelehrerinnen sei dazu für viele enorm wichtig: Sie werden zu lokalen Bezugspersonen, die auch mal in anderen praktischen Lebensbereichen helfen können.

Ziel ist, dass die Gruppe von heute zehn freiwilligen Studierenden weiter anwächst und so auch mehr Flüchtlingen geholfen werden kann. «Wir wollen künftig statt vier bis fünf jeden Samstag etwa zehn Schülern helfen können», sagt Grischa Ruprecht.