Aarau
«Die Räume wirken, als wären sie fluchtartig verlassen worden»: Junge Musiker bespielen abrissfertiges Eniwa-Areal

Das Duo Strahl & Sommer gastiert diese Woche im Eniwa Werkhof. Inspirieren lassen sich die Saxofonistin Silke Strahl und der Klarinettist Kevin Sommer bei ihrer Performance von der Geschichte des Areals.

Larissa Gassmann
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Sind das Duo Strahl & Sommer: Silke Strahl (33) und Kevin Sommer (30).

Sind das Duo Strahl & Sommer: Silke Strahl (33) und Kevin Sommer (30).

Larissa Gassmann

Noch kleben sie da, die verblichenen Namenschilder und leeren Dokumentenhalter im ehemaligen Eniwa-Werkhof. Ihren Dienst aber haben sie schon vor Jahren getan. Und doch ist es nicht geschrieben, das letzte Kapitel in der Geschichte des Areals. Obwohl das seit 2018 leer stehende Gebäude auf der Kraftwerkinsel dereinst abgerissen werden soll, bleibt hier Platz für Kultur. So ging vor einer Woche etwa das Jugend Theater Festival Fanfaluca über die Bühne.

Die Luzerner Saxofonistin Silke Strahl.

Die Luzerner Saxofonistin Silke Strahl.

Larissa Gassmann

Folgen soll nun die «Werkhof Residenz» des Duos Strahl & Sommer, welche am Samstag in einer öffentlichen Performance gipfelt. Zusammen mit der aus Deutschland stammenden Saxofonistin Silke Strahl will der Klarinettist Kevin Sommer dabei das Areal bespielen. Beiden war es nach einer ersten Kennenlernphase ein Anliegen, für einen längeren Zeitraum zusammenzuarbeiten.

«Angesehen haben wir uns dabei verschiedenste Räume. Dieser hier schien uns aber am faszinierendsten zu sein», sagt der aus Aarau stammende Sommer. Denn: «Das Gebäude erzählt eine ganz eigene Geschichte. Die Räume wirken, als wären sie fluchtartig verlassen worden, als wären die Menschen einfach aufgestanden und hätten alles zurückgelassen», so Strahl.

Bis zuletzt bleibt unklar, was als Nächstes passiert

Zugleich wollte das Duo keinesfalls die Gelegenheit verpassen, das Areal vor Abbruch musikalisch zu erkunden. Setzten wird es bei seiner Performance auf Improvisation. Dabei lassen sich beide von Eigenheiten des Gebäudes inspirieren. «Selbst wenn wir eine gewisse Ästhetik verfolgen, bleibt somit stets unklar, was als Nächstes passiert. Man hat das Gefühl, genau diesen einen Moment zu gestalten», so Sommer. «Es fühlt sich wie ein Dialog ohne Worte an.» Obwohl dies gewisse Risiken birgt, sei das Ganze durchaus spannend. «Ich schätzte es sehr, die Freiheit zu haben, auf den Moment, das Publikum und seine Stimmung zu reagieren», so Strahl.

Der Aarauer Klarinettist Kevin Sommer.

Der Aarauer Klarinettist Kevin Sommer.

Larissa Gassmann

Sitzen werden die beiden – anders bei einem normalen Konzertsetting – denn auch zwischen den Zuhörern. Dazu kommen während der Residenz erstellte Klanginstallationen, welche die Besucherinnen und Besucher in den oberen beiden Stockwerken erwarten. Weil der Ort aber nicht nur akustisch, sondern auch visuell einmalig ist, wird die Aufführung zudem durch den Aarauer Filmemacher Martin Richiusa dokumentiert.

Organisiert hat das Duo alles selbst, dies von Projektbeschrieb und Stiftungsgesuch bis hin zu Werbung und Material. Als grösste Herausforderung aber nehmen beide die Weitläufigkeit wahr. «Grundsätzlich ist das gesamte Areal spannend. Wichtig ist daher, dass man sich eine Grenze setzt, was man bespielen kann und möchte und was nicht», sagt Strahl. Erwarten darf der Besucher so oder so eine musikalisch experimentelle Reise durch die verschiedenen Räume. «Wer den Ort bereits kennt, der wird ihn auf eine ganz andere Art kennen lernen», so Sommer.

Hinweis

Öffentliche Performance: Samstag, 11. September, 20 Uhr,  Ehemaliger Eniwa Werkhof auf der Kraftwerksinsel, Erlinsbacherstrasse 57, Aarau 25.-/15.- Abendkasse. Reservation empfohlen: info@kevinsommer.ch

Verblichene Namenschilder und leere Schränke: Die Räume wirken, «als wären sie schlagartig verlassen worden».

Verblichene Namenschilder und leere Schränke: Die Räume wirken, «als wären sie schlagartig verlassen worden».

Larissa Gassmann

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