Aarau
Die Eiche im Gönhard-Quartier ist gefällt – beobachtet von aufgebrachten Anwohnern

Dass der Baum nach einer Petition zum Politikum wurde, half nichts mehr: Heute Dienstagmorgen fiel er der Motorsäge zum Opfer. Nach drei Stunden Arbeit blieb von der grossen Eiche nur noch der Stumpf übrig. Die Anwohner schauten traurig und empört zu.

Daniel Vizentini und Michael Küng
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Michael Küng

Im beschaulichen, ruhigen Aarauer Einfamilienhausquartier heulten heute Morgen die Motorsägen auf: Pünktlich um 7.30 Uhr begannen Forstarbeiter, die grosse Eiche stückweise zu zersägen. Ein Kran hievte die Baumkrone und andere grossen Stücke weg. Die Strasse wurde für den Verkehr gesperrt. Der Baum wurde noch vor Ort zerstückelt und danach abtransportiert.

Nach zwei Stunden war der grösste Teil des Baums abgesägt. Die Arbeit ging danach aber noch mindestens eine Stunde lang weiter.

6 Bilder

Bilder: Michael Küng

Einige Nachbarn trauern der Eiche nach, viele verfolgten am Morgen die Fällaktion aus nächster Nähe. Teilweise entstanden auch Diskussionen mit den Arbeitern, die nur ihren Auftrag erledigen mussten. Ein enttäuschter Anwohner sagte:

«Es ist einfach nur schade. So ein alter Baum ist doch auch ein Lebensraum für Vögel und andere Tiere.»

Für den Baum war eine regelrechte Gedenkstätte errichtet worden. Gestern Montag noch hatten Kinder Zeichnungen dort aufgehängt.

Die Nachbarn protestieren mit einer vorgezogenen Gedenkstätte.

Die Nachbarn protestieren mit einer vorgezogenen Gedenkstätte.

Bild: Urs Helbling

Der Baum soll laut Grundstückbesitzern rund 70 Jahre alt sein, Petitionäre gegen die Fällaktion hingegen sprachen von bis zu 200 Jahren. Er stand im Garten von Einwohnerrätin Barbara Schönberg (CVP, neu «Die Mitte»), an der Grenze zum Grundstück ihrer freisinnigen Nachbarn. Sie hätten sich seit Jahren wiederholt gewünscht, dass der Baum gefällt wird. Immer wieder mussten sie in ihrem Garten Blätter und Eicheln des Nachbarbaums wegwischen.

Berechtigter Umweltschutz oder übermässiger Eingriff ins Privateigentum?

Politisch relevant wurde der Fall der Gönhard-Eiche, weil dadurch die Diskussion ausgelöst wurde, inwiefern sich der Staat einmischen darf bei der Wahrung von Bäumen, die zwar auf privaten Grundstücken stehen, mit ihrem Beitrag zur Umwelt aber der Allgemeinheit dienen. Die Grüne Partei forderte etwa die Zusammenstellung eines städtischen Bauminventars, das es rechtlich zu schützen gelte. Ein Inventar, wie es im - vom Stadtrat im Herbst verabschiedeten - Biodiversitätskonzept bereits angedacht ist. Die FDP hingegen wehrte sich klar gegen staatliche Eingriffe in das Privateigentum.

Diese Diskussion wird in den nächsten Monaten weitergeführt werden. Der grossen Eiche im Gönhard-Quartier nützt das nichts mehr: Sie ist seit heute Morgen Geschichte.