Aarau
Dessous-Kette «Perosa» zieht um – wegen Mietstreit während des Lockdowns

Nach 62 Jahren musste das traditionsreiche Geschäft das Lokal mitten in der Stadt verlassen. Morgen Dienstag eröffnet «Perosa» ihren neuen Laden an der Kasinostrasse 25, zwischen «Bernheim» und der Alten Reithalle.

Daniel Vizentini
Drucken
Bis letzten Freitag empfing «Perosa» die Kundinnen während 62 Jahren am Graben 18 in Aarau.

Bis letzten Freitag empfing «Perosa» die Kundinnen während 62 Jahren am Graben 18 in Aarau.

Zur Verfügung gestellt

62 Jahre lang befand sich das Dessous-Geschäft Perosa an prominenter Lage am Graben 18, gleich beim Durchgang zur Markthalle und dem Eingang zur Aarauer Altstadt. Am Dienstag wird das Lokal an der Kasinostrasse 25, hinter dem Modehaus Bernheim, wiedereröffnet.

Dies nicht wegen der «viel grösseren» Ladenfläche, sondern, weil Perosa vom Vermieter am Graben eine fristlose Kündigung erhalten hatte, da «wir die Miete während der Corona-Zeit nicht bezahlen konnten», schreibt Geschäftsführer Roger Schärer in einer Mail an die Kundschaft.

«Perosa» zieht neu hinter ins Gebäude an der Kasinostrasse 25 ein, zwischen «Bernheim» und der kürzlich sanierten Alten Reithalle.

«Perosa» zieht neu hinter ins Gebäude an der Kasinostrasse 25 ein, zwischen «Bernheim» und der kürzlich sanierten Alten Reithalle.

Ueli Wild (8.9.2018)

Auf Anfrage erzählt er: Beim ersten, kurzen Lockdown im April 2020 habe der Vermieter noch auf die Hälfte einer Monatsmiete verzichtet, so wie es landesweit bei einigen Geschäften der Fall war. Beim zweiten Lockdown aber wollte er der Ladenkette nicht mehr entgegenkommen, wie Roger Schärer sagt.

Nachdem Perosa die Januar-Miete 2021 nicht zahlte, erhielt das Unternehmen am 5. Februar eine eingeschriebene Zahlungsaufforderung, sonst werde das Mietverhältnis fristlos gekündigt. Auch die Februar-Miete blieb mangels Umsatz unbezahlt, ein schlichtendes Gespräch zwischen Vermieter und Mieter verlief negativ.

Mieter und Vermieter streiten nun vor Gericht

Nun läuft ein Gerichtsverfahren, bei dem auch die Frage geklärt werden soll, ob während des Corona-Lockdowns überhaupt fristlose Kündigungen gesprochen werden dürfen. Perosa führte unterdessen das Geschäft am Graben 18 fort und zahlte nach zwei ausfälligen Monaten ab März wieder normal die Miete ein, wie Roger Schärer sagt. Das gut gelegene Lokal verlassen sie aber nun trotzdem.

Perosa war seit 1959 im Aarauer Graben eingemietet, noch zur Zeit der ersten Ladeneröffnungen durch Gründer Peter Rossner aus St. Gallen (daher der Name Pe-Ro-Sa). Heute führt die Dessous-Kette landesweit 24 Filialen mit über 100 Mitarbeiterinnen. Roger Schärer ist seit 1994 Eigentümer.

Aktuelle Nachrichten