Aarau
Der nimmermüde Idealist: Schafft es Stephan Müller im vierten Anlauf?

Stephan Müller («Eine Wahl für Aarau») kandidiert nicht nur für den den Stadtrat, sondern er fordert auch Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker heraus.

Urs Helbling
Drucken
Teilen
Stephan Müller, Stadtratskandidat Aarau, fotgrafiert beim ENIWA-Kraftwerk in Aarau, am 26. August 2021.

Stephan Müller, Stadtratskandidat Aarau, fotgrafiert beim ENIWA-Kraftwerk in Aarau, am 26. August 2021.

Severin Bigler / © CH Media

Er ist in Aarau eine auffällige Figur: Wegen seines Äusseren und weil er viel, vornehmlich in der Altstadt, zu Fuss unterwegs ist. Aber auch, weil er sich politisch immer wieder engagiert und die Polit-Elite mit seiner Hartnäckigkeit, mit seinen Eingaben aller Art, auf Trab hält. Dabei ist Stephan Müller (56, «Eine Wahl für Aarau») in der Sachpolitik überdurchschnittlich erfolgreich. Jetzt tritt er zum vierten Mal als Stadtrats-und zum dritten Mal als Stadtpräsidentenkandidat an. Er hat dabei eine thematische Überschneidung mit dem anderen Aussenseiter, Peter Wehrli (62, «Mitteldämme brechen nie!») unter den zehn Stadtratskandidaten, die am 26. September zur Wahl antreten: die Frage des Kraftwerk-Neubaus und vor allem des Mitteldamms. Müller fordert eine freiwillige Volksabstimmung in Aarau über das Kraftwerksprojekt. «Die demokratische Mitbestimmung der Bevölkerung bei der Eniwa soll generell gestärkt werden.»

«Führt Stadtwächter gegen Littering und Lärm ein»

Stephan Müller ist im Wynental aufgewachsen (als Sohn von alt LdU-Nationalrat Andreas Müller). Er hat, abgesehen von einer kurzen Zeit in Zürich, immer in Aarau gelebt. Und er wohnt mitten in der Altstadt. Dort erlebt er die Auswirkungen der 24-Stunden-Gesellschaft und wird von den Ausgehenden öfters um den Schlag gebracht. Müller fordert: «Führt in der Altstadt Stadtwächter gegen Littering und Lärm ein.» Stephan Müller arbeitet seit zehn Jahren bei der Genossenschaft «WOZ Die Wochenzeitung» in Zürich, die Einheitslöhne zahlt. Als Inserateaquisiteur sowie Leserbrief-und Politveranstaltungsredaktor.

Altstadt-Erneuerung wesentlich mitgeprägt

Müller ist im Herzen ein Linker, seine eigentliche Antriebsfeder der Kampf für gelebte demokratische Prozesse. So sagt er etwa: «Ich kandidiere auch, weil sonst zum ersten Mal in diesem Jahrhundert keine Auswahl für das Stadtpräsidium bestehen würde.» Also Hanspeter Hilfiker (FDP) einfach durchmarschieren könnte. Das war schon die Hauptmotivation bei Müllers erster Kandidatur kurz nach der Jahrtausendwende. Und es ist von den Stimmbürgern durchaus honoriert worden, auch wenn der grosse Erfolg ausblieb: Müller schaffte 2001 zwar die Hürde des absoluten Mehrs und machte sogar mehr Stimmen als die offizielle SVP-Kandidatin, wurde aber als Überzähliger nicht gewählt.

Zwischen 2002 und 2004 gehörte er als Mitglied der damaligen Gruppierung «Jetzt!» dem Einwohnerrat an. Müller nimmt für sich in Anspruch, einer der Impuls- und Ideengeber für die Gründung des Zentrums für Demokratie in Aarau (ZDA) zu sein. Er hat in letzter Zeit gegen den Willen des Stadtrates im Parlament zwei Bürgermotionen durchgebracht (Aarebadi, Tag der Republik). Seine grössten politischen Erfolge feierte er aber bei der Neugestaltung der Altstadt. Er war massgeblich beteiligt an der Verhinderung der Asphaltierung. «Ich war einer von nur zwei Einwohnerräten, die dagegen votierten», sagt Müller. «Wir gewannen daraufhin die Volksabstimmung über die Asphaltierung.» Dass die Bushaltestellen aus der Kernaltstadt herausgenommen wurden und der Stadtbach geöffnet worden sei, hätten sie mit der Volksinitiative «für eine sinnvolle Gestaltung der Altstadtgassen» erreicht. «Heute sind darüber alle begeistert», sagt Müller. «Ich habe, zusammen mit anderen, einen entscheidenden Beitrag dafür geleistet.»

Und seine Rolle in der Stadionfrage? Stephan Müller kämpfte stets mehr oder min-der intensiv gegen die offiziellen Projekte. Er ist ein glühender Verfechter der Idee eines Standortes «Obermatte» (Rohr/Buchs), also gegen das Projekt im «Torfeld Süd».

«Fusionsdesaster» offen ausdiskutieren

Der «www.einewahlfüraarau.ch»-Kandidat will vor allem Diskussionen anstossen. So spricht er sich dafür aus, dass das «Fusionsdesaster im Zukunftsraum» offen analysiert werde und man nicht einfach zur Tagesordnung übergehe. Er ist gegen die Busse in der Altstadt und für eine gepflästerte Vordere Vorstadt mit offenem Stadtbach. Und für eine Überprüfung der Kreisschule Aarau-Buchs.

Aktuelle Nachrichten