Aarau
Dank dem jungen Duo Rapshit lebt die Hip-Hop-Kultur in der Region über Generationen weiter

Timon Bachmann (30) und Gordana Naskovic (25) führen seit sieben Jahren den Aarauer Verein Rapshit, über den sie Hip-Hop-Kultur den Menschen in der Region näher bringen wollen. Sie organisieren dafür einige Anlässe – im Dezember haben sie etwas besonders Grosses vor.

Daniel Vizentini
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Timon Bachmann und Gordana Naskovic, das Duo hinter dem Verein Rapshit, vor den Graffitiwänden vom Jugendkulturhaus Flösserplatz in Aarau.

Timon Bachmann und Gordana Naskovic, das Duo hinter dem Verein Rapshit, vor den Graffitiwänden vom Jugendkulturhaus Flösserplatz in Aarau.

Fabio Baranzini

Schon seit Jahrzehnten zieht die Hip-Hop-Kultur weltweit sehr viele junge Menschen in ihren Bann. Die Begeisterung dafür hält auch über einige Generationen an. Heutige über 40-Jährige sind schon als «Hip Hopper» aufgewachsen. Ein paar Jahre jünger, aber nicht minder vom Hip-Hop berauscht, sind Timon Bachmann (30) und Gordana Naskovic (25). Zusammen führen sie den Verein Rapshit, mit dem sie unter anderem den Hip-Hop-Nachwuchs in der Region fördern.

Im Oberstufenschulhaus Schachen zum Beispiel führen sie mit Musiklehrer Martin Deubelbeiss Werkstätten in Sachen Hip-Hop-Kultur und Songproduktion. Die Aktivitäten von Rapshit sind vielschichtig: Dazu gehören Events mit Graffiti, Breakdance, auch Partys und vor allem Konzerte. Davon einige im KIFF in Aarau: Am 16. September findet dort das All-Star-Battle statt. Wer dort gewinnt, qualifiziert sich direkt für die Freestyle-Rap-Schweizer-Meisterschaft in Bern.

Dieses Jahr setzt das Rapshit-Duo zudem zum grossen Wurf an: Am 10. Dezember veranstalten sie das erste «Rapshit Blockfestival» im Zürcher Volkshaus. Gebucht haben sie Konzerte von 14 Acts, einige davon international. Dazu wird es Breakdance-Auftritte und Freestyle-Battles geben. Und die Klasse vom Aarauer Schulhaus Schachen wird die Ehre haben, ihren Song aus der Rapshit-Werkstatt vor grossem Publikum uraufführen zu können.

Rapshit wird dafür vom Swisslos-Fonds unterstützt. Mittelfristig will das Duo ein grosses Hip-Hop-Open-Air in Aarau organisieren. Eines, dass das heutige «Make The Hood Look Good», das jeweils bei der Pferderennbahn stattfindet, weiter ergänzen kann.

Nach einem verpatzen Auftritt hängte er die Rapper-Karriere an den Nagel

Die Hip-Hop-Kultur in Aarau ist dank Einrichtungen wie dem Rolling Rock und einigen anderen Gruppierungen ziemlich ausgeprägt. Timon Bachmann ist in diesen Kreisen aufgewachsen, er habe früher auch gesprayt und Breakdance gemacht, wie er erzählt. Und er schreibt auch Texte, damals wie heute. Dies obwohl er seine Rapper-Karriere nach nur einem versuchten Auftritt schon rasch an den Nagel gehängt hat – eine Geschichte, die er eigentlich nicht gerne veröffentlich haben wollte, aber eben doch sehr sympathisch ist.

2009 stand Timon, damals 17-jährig, als Rapper Lil' T.A.B. auf der Bühne des Festivals «Make The Hood Look Good», wollte damals seinen Traum als Hip-Hopper erfüllen. Vor lauter Nervosität aber vergass er, auf der Bühne vor all den Leuten, seinen Text. «Da habe ich gemerkt: Andere können besser rappen als ich», sagt er, der sich fortan dem Organisieren von Hip-Hop-Anlässen widmete. So entstand Rapshit.

Noch weiter zurück gehen Timons musikalischen Anfänge gar als 14-Jähriger als Mitglied einer Punkband, wie er heute mit einem Augenzwinkern erzählt. Seine herzhafte Hingabe zum Hip-Hop und zu Rapshit ist aber eindeutig, davon zeugen auch seine Tattoos: Zweimal hat er das Logo von Rapshit auf seinen Armen tätowiert.

Der Aarauer Timon Bachmann und die Badenerin Gordana Naskovic stehen hinter dem Verein Rapshit.

Der Aarauer Timon Bachmann und die Badenerin Gordana Naskovic stehen hinter dem Verein Rapshit.

Fabio Baranzini

In Sachen Hip-Hop gewinne Aarau heute gegen Baden

Noch hat Vereinspartnerin Gordana Naskovic kein Rapshit-Tattoo, mache aber vielleicht eines nach dem grossen Event im Volkshaus, wie sie humorvoll sagt. Gordana wuchs in Baden auf, wo Rapshit ebenfalls hie und da Anlässe organisiert, etwa im Nordportal. Die Hip-Hop-Szene in Aarau sei aber ausgeprägter, wie sie sagt. Kennen gelernt hatten sich die beiden an einem Event. Die Leidenschaft für den Hip-Hop einte das Vereinsduo von Beginn weg.

«Hip-Hop ist sehr familiär», sagt Gordana. Schon allein die Liedtexte zeugen von einer Kultur, die sehr viel Bewusstsein für die Menschen und Geschehnisse um sich herum pflegt. Man ist füreinander da, unterstützt sich gegenseitig.

Texte schreibt auch Gordana, aber wie Timon auch behält sie diese meistens lieber für sich oder zeigt sie nur guten Freunden. Obwohl Timon festhält: «Ihre Texte sind super.» Botschaften vermitteln, Bewusstsein schaffen: Darum geht es im Hip-Hop über weite Strecken. Dank Rapshit soll die Kultur weiterleben und weiterhin ihren Platz in der Region haben.