Die Bar «3. Stock» ist Geschichte. In der Kronengasse wurde am ersten Septemberwochenende Abschied gefeiert und ausgetrunken. Es war ein so inniges Abschiednehmen, dass sämtliche Rekorde der letzten sieben Jahre gebrochen wurden. Noch nie kamen so viele Gäste, noch nie wurde so viel getrunken. «Eine optimalere Würdigung konnten wir uns kaum ausmalen», sagt Betreiber Alessandro Crivaro.

Mit dem kurzfristigen Bekanntwerden der Schliessung des «3. Stock» Ende August tauchten auch die ersten Gerüchte über die Zukunft des Lokals auf. Gerüchte, die Crivaro lange nicht kommentieren wollte. Doch jetzt lässt er die Katze aus dem Sack: Aus dem «3. Stock» wird das «Max-Moriz».

Ein Lokal mit Doppelfunktion: Tagsüber bietet es ein veganes Buffet mit Smoothie Bowls, nachts werden Cocktails serviert und am Wochenende wird zu später Stunde getanzt. Das Restaurant mit rund 30 Sitzplätzen verteilt sich auf das Erdgeschoss und erste Untergeschoss, die Tanzfläche bleibt im zweiten Untergeschoss.

Im «Max-Moriz» – die Schreibweise ist absichtlich so gewählt – stecken laut Crivaro zwei Charaktere, so wie die beiden Schlitzohren aus dem Kinderbuch von Wilhelm Busch: der ruhigere Part mit gediegenem Essen und der wildere Partyteil. Auch personell gibt es zwei Schichten, aufgeteilt auf Restaurant- und Barbetrieb.

Mitarbeiterin steckt hinter der Idee

Die Idee für das vegane Restaurant stammt nicht von Crivaro, sondern von seiner Mitarbeiterin Anisha, die bereits mit 17 Jahren ein Kochbuch herausgegeben hat. «Anisha wird die veganen Speisen selber kochen», sagt Crivaro. Angeboten werden nebst einem Buffet mit Salat und Gemüse, Linsen-Hacktätschli oder Quinoa-Burgern auch täglich zwei Menus ab 12 Franken.

Gekocht wird nicht vor Ort, sondern in der «Kronen»-Küche im Nachbargebäude, und das vor 11 Uhr, bevor der «Kronen»-Betrieb anläuft. «Solange die veganen Speisen zubereitet werden, kocht da sonst keiner», sagt Crivaro. Durch die Doppelnutzung der «Kronen»-Küche braucht es im «Max-Moriz» kaum bauliche Massnahmen, einzig der Tresen wird etwas angepasst, damit die veganen Smoothie Bowls direkt im Lokal zubereitet werden können.

Ein veganes Restaurant – bislang im Aargau Mangelware. Einzig in Bremgarten gibt es eines. Für Crivaro ist es eine Möglichkeit, die Vielfalt in der Aarauer Gastroszene auszubauen: «Die Nachfrage in der ‹Krone› ist so gross; ich hätte einfach eine Wand einreissen und sie vergrössern können.» Doch das habe er nicht gewollt. Er wolle mit dem «Max-Moriz» ein anderes Publikum ansprechen. Und er wolle seiner Mitarbeiterin Anisha eine Plattform geben, sich selbst zu verwirklichen.

Mit dem «Max-Moriz» schlägt Crivaro gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Die veränderte Ausgangskultur mit privatem Vorglühen mit günstig gekauftem Alkohol und später wenig Konsum im Lokal, die den «3. Stock» den Garaus gemacht hat, kann Crivaro mit dem veganen Essensangebot tagsüber abfedern. Zur wirtschaftlichen Verbesserung trägt auch die Altersbeschränkung bei, die Crivaro am Donnerstag, Freitag und Samstag ab 22 Uhr jeweils von 18 auf 23 Jahre hochschraubt.

Diese Veränderung zahlt sich nicht nur aus, sondern trägt sicher auch zur Beruhigung der Situation auf der Kronengasse bei – dem Konfliktherd, der seit Eröffnung des «3. Stock» vor sieben Jahren schwelte und immer wieder zu Diskussionen mit den Anwohnern führte. «Um weiter Lärm zu reduzieren, werden wir zusätzlich bauliche Massnahmen ergreifen», so Crivaro. Ausserdem komme er mit einem Sechs-Tage-Betrieb auch all denen entgegen, die sich über wochentags geschlossene Lokale ärgerten.

«Alles in allem machen wir so alle glücklicher», sagt Crivaro. Die Zeit für einen Neustart sei reif gewesen. «Jetzt sind wir voller Tatendrang und freuen uns auf ein neues Kapitel.» Eröffnet wird das «Max-Moriz» am 29. September.