Aarau
Bernheim neu auf zwei ganzen Etagen: Das Flaggschiff an der Modestrasse ist geliftet

Der Bernheim in Aarau wirkt nach dem Umbau des Mobiliar-Hauses viel grösser – obwohl er es gar nicht ist. Der Besitzer sagt: «Aarau ist ein guter Platz.»

Urs Helbling
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Die Schuhe haben jetzt einen grösseren Stellenwert: Alain Bernheim (Besitzer), Brigitte Bolliger (Co-Geschäftsführerin) und Tania Duarte (Filialleiterin Aarau, v.l.).

Die Schuhe haben jetzt einen grösseren Stellenwert: Alain Bernheim (Besitzer), Brigitte Bolliger (Co-Geschäftsführerin) und Tania Duarte (Filialleiterin Aarau, v.l.).

Alex Spichale

«Die Kasinostrasse ist eine Modestrasse geworden. Das hilft uns», sagt Alain Bernheim (54). Er ist Besitzer des Unternehmens, das seit 1956 das Flaggschiff an der Modemeile betreibt. Der Bernheim kommt seit März ganz neu daher. So richtig erkennbar ist das für Passanten aber erst, seit das Gerüst am Mobiliar-Haus weg ist und dieses mit einer völlig neuen Fassade erstrahlt. Die Immobilienbesitzerin, die Mobiliar, hat einen zweistelligen Millionenbetrag in die Gebäudesanierung investiert. Es ging etwa um Erdbebensicherheit und eine energetische Optimierung. Bernheim hat die Gelegenheit für eine Anpassung genutzt.

Das Modehaus wirkt jetzt viel grösser – obwohl die Gesamtfläche gleich geblieben ist. Es hat neu zwei statt vier Etagen, aber dafür auf der ganzen Geschossfläche. Also im Parterre inklusive der Flächen der ehemaligen Hotelplan-Filiale. Gefühlt ist das Mobiliar- jetzt das Bernheim-Haus.

«Unsere Kernkompetenz ist die persönliche Beratung»

«Wir glauben an die Zukunft des stationären Handels», erklärt Brigitte Bolliger. Die langjährige Filialleiterin ist seit November zusammen mit Anne Zenhäu­sern Co-Geschäftsleitern des Unternehmens. Alain Bernheim ergänzt:

«Wir spüren die Konkurrenz des Internets. Doch unsere Kernkompetenz ist die persönliche Beratung. Die können wir am besten vor Ort erbringen.»

Man lege grosses Gewicht auf Emotionen. Das Kleidungsstück müsse von Kopf bis Fuss passen und bei der Kundin das entsprechende Gefühl vermitteln. Zusammengefasst, so Bernheim: «Wir sind ein traditionelles Modegeschäft.»

Das Gerüst ist weg, das «Mobiliar»-Haus und damit der Bernheim an der Kasinostrasse kommen ganz anders daher.

Das Gerüst ist weg, das «Mobiliar»-Haus und damit der Bernheim an der Kasinostrasse kommen ganz anders daher.

Alex Spichale

In Aarau ist das Haus Bernheim seit 1956 präsent. Es ar­beiten 30 der knapp 80 An- gestellten des Unternehmens (inklusive Lernende) an der Kasinostrasse. Das in dritter ­Generation inhabergeführte Unternehmen gibt es seit 1931. Hauptsitz ist Olten, wo auch Herrenmode verkauft wird. Die dortigen Damen- und Herrenmodegeschäfte sind im Frühling letzten Jahres an einem Standort zusammengeführt worden. Der Umbau in Aarau ist jetzt wegen der Gebäudesanierung der Mobiliar gemacht worden. Für Bernheim selber hätte kein unmittelbarer Anlass zur Investition bestanden, hat man doch Modehaus erst 2015 letztmals modernisiert.

Die Schuhe haben neu einen anderen Stellenwert

Der Umbau ist während der coronabedingten Schliessung in den Monaten Januar und Februar forciert worden. Nach der Wieder- respektive Neueröffnung hat sich das Geschäft gut angelassen. «Aber es kommen nicht so viele Kunden wie nach dem Lockdown vor einem Jahr», erklärt Brigitte Bolliger. Das Modehaus leidet darunter, das die Frequenzen in der Stadt noch immer tief sind. Und, dass viele Anlässe, wegen denen traditionellerweise Kleider gekauft werden, etwa Hochzeiten oder Konfirmationen, nicht stattfinden können. Aber es gibt auch Lichtblicke: «Seit in der Gastronomie die Terrassen offen sind, sind die Frequenzen spürbar gestiegen», erklärt Alain Bernheim. Und, so betont Brigitte Bolliger: «Die Kunden, die kommen, schätzen das Einkaufserlebnis. Sie haben grosse Freude, dass wir wieder geöffnet ­haben.»

Das Geschäft an der Kasinostrasse hat seit Anfang Jahr mit Tania Duarte eine neue Filial­leiterin. Nach dem Umbau werden die gleichen Labels angeboten wie vorher. Es fällt auf, dass die Schuhe, die bisher auf vier Standorte im ganzen Haus verteilt waren, einen anderen Stellenwert bekommen haben. Sie sind jetzt zentral im Parterre. «Das ist jetzt eine richtige Ab­teilung, die Kompetenz ausstrahlt», sagt Bernheim. Bereits fertiggestellt, aber wegen Corona noch nicht in Betrieb, ist die kleine Bar. Bis etwa Ende Mai wird es zudem einen zweiten Eingang geben.

Die Hoffnung auf ein vielfältigeres Ladenangebot

Alain Bernheim ist mit dem Standort Aarau zufrieden: «Das ist ein guter Platz.» Aber er würde sich im Bereich der Geschäfte etwas mehr Vielfalt wünschen und hofft deshalb auf «ganz viel innovatives Unternehmertum». Also, dass Leute ihre Ideen umsetzen können. «An Orten, an denen ihnen die Miete nicht gerade das Genick bricht», so Bernheim. An die Adresse der Immobilienbesitzer sagt er: «Die Zeit, in der sie die Wertschöpfung auf der Parterre­fläche generieren konnten, ist vorbei.»