Suhr

A1-Anschluss: Warum wird Suhr verweigert, was Spreitenbach bekommen hat?

Sind heute nicht mit Anschluss verknüpft: Die A1 führt unter der Gränicher-/Suhrerstrasse hindurch.

Sind heute nicht mit Anschluss verknüpft: Die A1 führt unter der Gränicher-/Suhrerstrasse hindurch.

Viele sehen in einem A1-Halbanschluss die Lösung für die Verkehrsprobleme im Wynental.

Von einem direkten Autobahnanschluss träumt man im Wynental schon lange. Die langen Staus in Gränichen würden dadurch verschwinden, lautet die Hoffnung. «Wir kommen vor lauter Verkehr nicht aus diesem Tal heraus», sagte etwa ein erzürnter Mann an einer Orientierungsversammlung zur geplanten Umfahrung von Suhr (Projekt Veras) in Gränichen letzten Herbst. Er forderte einen Anschluss an die A1, die doch so greifbar nah am Dorf vorbeiführt. Als grosser Heilsbringer in Sachen Stau emporgehoben, blieb der direkte Anschluss aber immer nur eine Utopie. Warum eigentlich?

«Äusserste Zurückhaltung» seitens des Bundes

Nachgefragt beim Bundesamt für Strassen (Astra) erklärt Mediensprecher Thomas Rohrbach, ein neuer Anschluss an die Autobahn sei «immer ein Wunsch Dritter», das heisst der Kanton müsste in dem Fall aktiv werden, was er aber nicht tat. Doch selbst wenn der Kanton dies täte, pflegt der Bund «äusserste Zurückhaltung» bei der Errichtung von neuen Anschlüssen, stellt Thomas Rohrbach klar. Im Aargau klappte es bisher lediglich einmal: 2008 wurde im Shoppi-Dorf Spreitenbach ein Halbanschluss aus respektive in Richtung Bern eröffnet, Neuenhof wurde damit vom Durchgangsverkehr entlastet.

Unterführung für neue Wynentalstrasse gebaut

Ein solcher Halbanschluss war eigentlich schon auch in Suhr/Gränichen vorgesehen. Als der Autobahnabschnitt zwischen Oensingen SO und Hunzenschwil 1967 eröffnet wurde, blieb das Wynental zwar das einzige Aargauer Südtal ohne direkten Anschluss an die Nationalstrasse. Man liess aber dafür ein Hintertürchen offen: Auf dem Strassenrichtplan blieb der Bau einer neuen Wynentalstrasse zwischen Buchs und Teufenthal jahrzehntelang quasi als Platzhalter vermerkt – es wäre die Ostumfahrung von Suhr gewesen – inklusive Halbanschluss an die A1 in Richtung Bern. Beim Bau der Autobahn in den 60ern wurde eigens dafür eine breite Unterführung unter die A1 errichtet. Wer es weiss, sieht es, wenn er auf der schmale Wynemattestrasse von Suhr und Gränichen spaziert.

1993 rieten Experten von einem Halbanschluss in Richtung Zürich ab, weil dieser die Dörfer nicht entlasten, sondern eher Verkehr anziehen würde, vor allem in Suhr. Dieser Ansicht ist man auch heute: «Für uns hätte der Halbanschluss den grossen Nachteil, dass die Tramstrasse zum Zubringer von Aarau her würde, sagte Suhrs Gemeindepräsident Marco Genoni 2018. «So viel Verkehr könnten wir nicht aufnehmen», doppelte Kantonsingenieur Rolf H. Meier an der erwähnten Versammlung in Gränichen nach. Allerdings liess er bei früheren Voten stets eine Hintertür offen: «Was wir jetzt planen» – gemeint war die Ostumfahrung von Suhr – «schliesst einen späteren Autobahnanschluss nicht aus», sagte er 2017. Allerdings käme dieser eher weiter westlich im Gebiet Weltimatt in Oberentfelden zu liegen, knapp drei Kilometer vom A1-Anschluss Aarau-West entfernt – die minimale Distanz zwischen zwei Anschlüssen. Die geplante Südumfahrung von Suhr könnte also gleichzeitig auch der Zubringer zu diesem Halbanschluss sein.

Abstand zwischen Aarau-West und -Ost ist eher gross

2008 hatte der frühere Grossrat und Gemeindepräsident von Suhr, Beat Rüetschi, ein Postulat eingereicht, das den Regierungsrat aufgefordert hatte, sich beim Astra für einen neuen Autobahnanschluss einzusetzen («AZ» von Dienstag). Das Postulat wurde 2014 abgeschrieben, der Anschluss im Richtplan beibehalten, die Lage aber auf die Weltimatt verschoben. Wie nützlich wäre denn ein solcher Anschluss so nahe am bereits existierenden in Kölliken (Aarau-West)? Das Astra jedenfalls wertet einen Halbanschluss Weltimatt in seinem Sachplan Verkehr als unnötig, um die Bildung von Staus und einen Ausweichverkehr aus dem nachgelagerten Strassennetz zu verhindern. Zudem gilt der Punkt «Aktualität und Interesse Bund» als «nicht erfüllt».

«Jeder neue Anschluss ist ein Störfaktor»

Thomas Rohrbach vom Astra sagt: «Die Anschlussdichte auf dem Schweizer Autobahnnetz ist generell sehr hoch. Es hat im Schnitt alle 4 bis 5 Kilometer einen Anschluss.» Nur in der Region trifft dies nicht zu: Die beiden Anschlüsse Aarau-Ost und -West liegen rund 10 Kilometer auseinander. Das ist im landesweiten Vergleich eher viel: Zwischen Baden-Ost und -West etwa sind es 5 Kilometer, zwischen Winterthur-Töss und -Wülflingen etwa 6. Das Problem ist aber ein anderes. «Jeder neue Anschluss ist ein zusätzlicher Störfaktor, sprich: Potenzielle Stauursache und Unfallschwerpunkt auf dem bereits dicht befahrenen und mit vielen Anschlüssen versehenen Netz», sagt Thomas Rohrbach.

A1-Ausbau auf sechs Spuren lässt auf sich warten

Nicht geteilt wird vom Astra die Befürchtung, wonach die A1 bei noch mehr Anschlüssen zu einer Regionalstrasse verkäme. «Die Schweizer Autobahnen sind bereits heute eine landesweite Ortsumfahrung und nur im geringen Mass ein klassisches Fernstrassennetz», sagt Rohrbach. «So übernehmen die Nationalstrassenstrassen seit langem den überaus grössten Teil des Quell- und Zielverkehrs einer Agglomeration.» Für einen Ganz- oder Halbanschluss wäre also nicht zuerst der Ausbau der A1 auf sechs Spuren nötig. Dieser wird für den Abschnitt zwischen Aarau-West und -Ost im strategischen Entwicklungskonzept für Nationalstrassen (Step) in einem Zeithorizont von erst nach 2040 aufgeführt, für geschätzte Kosten von 254 Millionen Franken.

Dann dürfte die Ost- und Südumfahrung von Suhr längst gebaut sein. Am Freitag, 20.März, beginnt die öffentliche Anhörung dazu.

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