Swiss Skills

700 schuften für den Sieg an den Berufsmeisterschaften – darunter auch diese drei Aargauer

Michelle Schär ist Applikationsentwicklerin, Milena Herger hat eine Weiterbildung zur Confiseuse abgeschlossen und Linus Meyer ist Netzwerktechnologe.

Michelle Schär ist Applikationsentwicklerin, Milena Herger hat eine Weiterbildung zur Confiseuse abgeschlossen und Linus Meyer ist Netzwerktechnologe.

Am Mittwoch beginnen die Swiss Skills – coronabedingt nicht als Grossanlass. Die AZ stellt Aargauer Teilnehmer vor. Die ersten drei sind Michelle Schär aus Lenzburg, Milena Herger aus Schöftland und Linus Mayer aus aus Erlinsbach SO.

Michelle Schär (20) aus Lenzburg ist Applikationsentwicklerin. Sie muss in acht Stunden ein Programm schreiben.

Michelle Schär (20) aus Lenzburg ist Applikationsentwicklerin. Sie muss in acht Stunden ein Programm schreiben.

«So würde man sonst nie programmieren»

Die 20-jährige Michelle Schär aus Lenzburg hat im Alter von etwa elf Jahren die Kindersicherung auf dem Laptop ihrer Eltern ausgetrickst. Seither ist es um sie geschehen – nach der Lehre als Applikationsentwicklerin beim Kanton Aargau will sie ein Studium beginnen: Cyber Security. «Wege finden, um eine Software auszutricksen, das fasziniert mich», sagt sie.

Die Lehrstelle beim Kanton hat sie gefunden, nachdem ihr die Verwaltung als guter Arbeitgeber empfohlen worden war. Nun im dritten von vier Lehrjahren gefällt es ihr dort sehr gut. Nachdem sie verschiedene Online-Applikationen für diverse Fachgruppen entwickelt hat, wird sie nun in das Team von Agis wechseln, dem geografischen Informationssystem des Kantons. Gleichzeitig bereitet sie sich auf die Swiss Skills vor. «Ich werde innert acht Stunden eine Software entwickeln müssen», sagt sie. Um dies zu erreichen, wird sie acht Stunden lang Stress haben und jede erdenkliche Abkürzung nehmen müssen, die sie finden kann. «So würde man im Alltag nie programmieren», sagt sie. Normalerweise achten Programmierer darauf, dass ihre Arbeit nach aktuellsten Standards und für andere Berufskollegen gut verständlich aufgebaut ist.

«Für die Swiss Skills lerne ich jetzt eine ganz andere Art des Programmierens, die schnelle Art» – salopp gesagt: Hauptsache, es funktioniert. Gefallen dürfte Michelle Schär, dass beim Wettbewerb für einmal das aufwendige Dokumentieren der Software wegfällt. «Das ist nämlich die eine Facette meines Berufs, die ich weniger mag», schmunzelt sie.

Milena Herger (19) aus Schöftland machte die Lehre in der Jowa, arbeitet jetzt bei Chocolat Kaufmann in Buchs.

Milena Herger (19) aus Schöftland machte die Lehre in der Jowa, arbeitet jetzt bei Chocolat Kaufmann in Buchs.

«Eine Juxidee, doch es hat mir sehr gefallen»

Die 19-jährige Schöftlerin Milena Herger wurde durch Zufall eine der besten Confiseusen im Land. Nachdem sie in den umliegenden Tierpraxen keine Lehrstelle finden konnte, schlug ihr eine Freundin vor, doch bei ihr in der Jowa reinzuschnuppern. «Eine Juxidee, doch es hat mir sehr gefallen», erzählt Milena Herger. Sie war überrascht, wie kreativ die Arbeit in einer Bäckerei sein kann.
In der Ausbildungsbäckerei der Jowa absolvierte sie die dreijährige Lehre und hängte die einjährige Zusatzausbildung zur Confiseuse an. «Mit Fliessbandarbeit hat die Ausbildung bei der Jowa übrigens nichts zu tun», stellt Milena Herger klar. «Die Ausbildungsbäckerei unterscheidet sich kaum von einer normalen kleinen Bäckerei.»

Nach dem Abschluss arbeitet sie nun seit einem Monat bei Chocolat Kaufmann in Buchs. Ihre Anmeldung bei Swiss Skills war naheliegend: Schon zweimal wurde sie bei Wettkämpfen im Aargau Zweitplatzierte. An den Swiss Skills wird sie ein grosses Schokoladeschaustück zum Thema China machen müssen, so viel ist an den Infotagen für die Teilnehmenden verraten worden. Nun haben alle Zeit, für diese kreative Arbeit Ideen zu sammeln. «So viele Möglichkeiten», freut sich die junge Confiseuse.

Ein kleiner Wermutstropfen ist einzig, dass die alle zwei Jahre stattfindenden Berufsmeisterschaften wegen Covid-19 nicht wie üblich in der grossen Bernexpo stattfinden, sondern dezentral in der ganzen Schweiz. Milena Herger wird ihr Können deshalb vom 11. bis 13. November in der Hochschule Luzern zeigen.

Linus Mayer (19) aus Erlinsbach SO hilft mit, dass die IT-Infrastruktur der kantonalen Verwaltung funktioniert.

Linus Mayer (19) aus Erlinsbach SO hilft mit, dass die IT-Infrastruktur der kantonalen Verwaltung funktioniert.

Vom Gamer zum Netzwerktechniker

Gamer, die das meiste aus ihrem Geld herausholen möchten, bauen ihren PC selber zusammen. So wie vor einigen Jahren Linus Mayer. «Dazu musste ich mir beibringen, wie die verschiedenen Komponenten funktionieren und miteinander kommunizieren.» Ist die Grafikkarte mit dem Prozessor kompatibel? Passt Letzterer zur Hauptplatine? Was werde ich wie lange nachrüsten können, bevor eine neue Technologie wichtige Komponenten ablöst?

Bald darauf hat Linus Mayer in artverwandten Berufen geschnuppert; Polymechaniker, Automatiker. Doch angetan hat es ihm schliesslich die Netzwerktechnik. Aktuell im vierten Lehrjahr sorgen er und sein Team dafür, dass bei der kantonalen Verwaltung im ganzen Aargau alles rund läuft. «Für die Swiss Skills lerne ich vor allem das Aufsetzen und Konfigurieren von Servern und deren Services», sagt er. Die Wettkämpfe von Linus Mayer und Michelle Schär werden am 9. und 11. September im Berufsbildungszentrum Bern stattfinden.

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