Bezirksgericht Aarau

6 Einbrüche in 10 Wochen: Die Drogensucht brachte einen 41-Jährigen auf Abwege

Fabio bestreitet seinen hohen Kokain-Konsum – während eines Jahres wöchentlich etwa zwei Gramm – nicht.

Fabio bestreitet seinen hohen Kokain-Konsum – während eines Jahres wöchentlich etwa zwei Gramm – nicht.

Murphy’s Law (Murphys Gesetz) besagt, dass schieflaufen wird, was schieflaufen kann. Bei Fabio (Name geändert), 41, Secondo mit astreinem Ostschweizer Dialekt, ist vieles schiefgelaufen. Nun hat er die Chance, sein Leben auf gerade Bahnen zu lenken.

Fabio spricht leise und er gibt seine handfesten Taten zu: gewerbsmässiger Diebstahl, um seinen Drogenkonsum, Kokain, zu finanzieren, dazu mehrfacher Hausfriedensbruch und mehrfache Sachbeschädigung. 16 Mal hat ers versucht. Und das, nachdem Fabio, abgesehen von einem Strassenverkehrsdelikt, gegen 20 Jahre lang nicht mehr straffällig geworden war. Drogenkriminalität wars allerdings schon damals, 1998: Einbrüche, Überfälle, um die Sucht zu finanzieren.

In flagranti erwischt

«Die Scheidung löste den Rückfall aus», erzählt er dem Bezirksgericht Aarau. Der Streit mit der Ex-Frau habe ihn aufgefressen. Burnout, nachdem er selbstständig als Schreiner gearbeitet habe. «Ich bin damit nicht klargekommen.» Fabio flieht in die Drogensucht, schleicht sich, um zu Geld zu kommen, in Aarau mehrfach in eine Kinderkrippe ein, nachdem er einen Ersatzschlüssel entwenden konnte. Auch ein Aarauer Seniorenzentrum sucht er heim, wuchtet Türen auf, bevor ihn eine Nachtschwester bemerkt und die Polizei ruft – und er in flagranti erwischt wird. Eine dissoziative narzisstische Persönlichkeitsstörung bescheinigt ihm ein psychiatrisches Gutachten.

Gewalt gegen Mobiliar

Ebenfalls im Sommer 2015 wird Fabio, Vater zweier Kinder, mit denen er kaum Kontakt hat und der bei seiner 69-jährigen Mutter lebt, in Sirnach aktiv. Hier ist es ihm gelungen, eines Passepartout-Schlüssels einer Gewerbeliegenschaft habhaft zu werden. Bei Firmen, aber auch in Probelokalen von Bands – eine nennt sich «Murphy’s Law» – versucht er an Bargeld oder Wertsachen zu kommen. Und in Gossau holt er sich in einem Zoo-Laden 2600 Franken, in Eschlikon Briefmarken und Bargeld. Die Bilanz: Der Schaden, den er mit seinen Einbrüchen angerichtet hat – allein das Auswechseln der Schliesszylinder bei der Liegenschaft in Sirnach kostet 25 000 Franken – ist mit 37 670 Franken weit höher als die erbeutete Summe von Fr. 9165.30, den Wert einer Fotoausrüstung und zweier Uhren mitgerechnet.

Pornobilder auf Handy

Das alles sowie den Kokain-Konsum – während eines Jahres wöchentlich etwa zwei Gramm – bestreitet Fabio nicht. Doch mit den pornografischen Bilddateien, 29 an der Zahl, die sich auf seinem Mobiltelefon befinden und sexuelle Handlungen mit Minderjährigen zeigen, will er nichts zu tun haben. Er kann sich nicht erklären, wie sie auf sein Handy gekommen sind. Pop-ups beim Konsum legaler Pornografie? Hat jemand anders diese Dateien heruntergeladen? Die Tochter seiner Freundin?

Als «unglaubwürdig» taxiert Staatsanwalt Hans Frey Fabios Erklärungsversuche. Wer etwas abspeichere, müsse bewusst klicken. Er verlangt eine unbedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten und eine Busse von 100 Franken wegen des Drogendelikts, dazu eine vollzugsbegleitende ambulante Massnahme (Therapie, Drogenentzug). Zudem werde die bedingte Strafe für das Strassenverkehrsdelikt aus dem Jahr 2013 (20 Tagessätze zu 90 Franken) fällig.

Ambulante Behandlung

Das Gericht diskutiert lange und kommt zu einem Urteil, das es Fabio anheimstellt, ob er sitzen muss oder nicht. Zwar erhält er eine unbedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten, die aber aufgeschoben wird zugunsten einer Behandlung. Im Klartext: Wenn er die ambulante suchtspezifische Behandlung inklusive Bewährungshilfe zur Schuldensanierung und Drogenabstinenz nicht erfolgreich abschliesst, muss er sitzen. Auf den Widerruf der früheren bedingten Strafe (20 Tagessätze) verzichtet das Gericht unter Gerichtspräsident Andreas Schöb, erhöht dafür die Busse für das Drogendelikt auf 800 Franken. Was die harte Pornografie angeht, folgt das Gericht dem Staatsanwalt: Schuldspruch. Murphy’s Law? Fabio muss seinen Absichten, die Kurve zu kriegen, nun Taten folgen lassen.

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