Aarau
500 Arbeiter krampften für die Telli-Eröffnung vor 40 Jahren

Inmitten des Einkaufszentrums-Booms wurde das Telli Zentrum vor 40 Jahren eröffnet. Jetzt wird Jubiläum gefeiert. Die Aargauer Zeitung schaut zurück und wühlt dafür im Archiv des Aargauer Tagblatts.

Katja Schlegel und Janine Müller
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Die Frontseite der Baubeilage im «Aargauer Tagblatt» vom 23. Oktober 1973.
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Telli früher - Bus pink 90er jahre
Die Telli-Fotos
ABM-Werbung
Telli 1983 - P. Renggli & Gewinnerin
5 Jahre Jubiläum
Aerobic Show im Jahr 1983

Die Frontseite der Baubeilage im «Aargauer Tagblatt» vom 23. Oktober 1973.

az/Archiv

Es war das Jahrzehnt der Einkaufszentren: die Siebzigerjahre. 1970 wurde in Spreitenbach das schweizweit erste Einkaufszentrum, das «Shoppi», eröffnet, 1973 doppelten die Spreitenbacher mit dem «Tivoli» nach.

Aarau stand den Ostaargauern in nichts nach: Hier entstand nicht nur das Telli-Zentrum, sondern eine ganze kleine Stadt darum herum.

«Ein Schritt der Vernunft», wie es in der Baubeilage des «Aargauer Tagblatts» vom 23. Oktober 1973 heisst.

«Die Schaffung einer grossen, zeitgemässen und mit der nötigen Infrastruktur versehenen Wohn- und Geschäftsüberbauung in unmittelbarer Nähe des organisch gewachsenen Stadtzentrums und zur Ergänzung des fehlenden Wohnraumes, der dringend notwendigen Schaffung von Arbeitsplätzen und Erholungsraum.»

1500 Tonnen Stahl in elf Monaten

1971 hatte der Stadtrat grünes Licht für die Grossüberbauung in der Telli gegeben. Zeitweise krampften 300 bis 500 Arbeiter auf den Baustellen des Zentrums samt 85-Meter-Hochhaus und der ersten Wohnreihe.

Insgesamt verbauten sie 15 000 Kubikmeter Beton und rund 1500 Tonnen Stahl.

Nur elf Monate nach der Baubewilligung und nach rund 120 000 Arbeitsstunden wurde am 1. Dezember 1972 das Richtfest gefeiert. Und noch einmal knappe elf Monate später wurde das Einkaufszentrum eröffnet.

«Diese Baudaten zeigen, dass der Gebrauch gewisser Superlative durchaus gerechtfertigt ist», steht in der Baubeilage vom 23. Oktober 1973.

Einen Tag später, am 24. Oktober, war es dann so weit: Das Einkaufszentrum Telli feierte offiziell Eröffnung.

32 Firmen hatten sich im Zentrum eingemietet: vom Warenhaus ABM über Coop, eine Filiale der Allgemeinen Aargauischen Ersparniskasse, zum Aargauischen Milchverband Suhr mit seiner Chäslaube bis hin zum Herrenmodegeschäft Leutwyler.

«In diesem modernen und grosszügig gestalteten, klimatisierten Einkaufszentrum finden Sie alles, was Ihnen den täglichen oder wöchentlichen Einkauf gemütlich und praktisch macht», lockte ein Werbespruch.

Highlight: Auftritt des FC Aarau

Um attraktiv zu bleiben und weiterhin Kunden anzulocken, wurde die Verkaufsfläche weiter ausgebaut.

Anfangs waren es 5000 Quadratmeter, Mitte der Achtzigerjahre wurde das Telli-Zentrum auf 7000 Quadratmeter ausgebaut.

2007 folgte ein weiterer wichtiger Schritt: Das erste Obergeschoss wurde erweitert; die Verkaufsfläche beträgt heute 9000 Quadratmeter.

Peter Renggli, Werbeleiter des Telli-Zentrums, schaut gerne zurück in die Vergangenheit.

Er erinnert sich an verschiedene Events in den Achtzigerjahren: «Damals gab es auf der Eventbühne Veranstaltungen. Da kamen Aerobic-Tänzerinnen für eine Show, Guggenmusiken hatten ihren Auftritt oder der FC Aarau schaute für eine Autogrammstunde vorbei.»

Der Auftritt des FC Aarau im Jahr 1985 – kurz vor dem Cupsieg – sticht noch heute als Highlight heraus.

Mittlerweile seien solche Events weniger gefragt, sagt Renggli. «Die Leute wollen so rasch wie möglich ihre Einkäufe erledigen. Mit den elektronischen Medien holen sie sich heute die Unterhaltung nach Hause.»

Ein Treffpunkt für Tellianer

Für die Tellianer allerdings ist das Telli-Zentrum noch immer ein Treffpunkt. Und das soll auch so bleiben, sagt Stefan Küchler.

Seit rund eineinhalb Jahren leitet er das Einkaufszentrum. Ständige Modernisierung sei wichtig, sagt er. Darunter fällt auch die momentane Sanierung des Flachdachs. Dies werde sich wohl einige Zeit negativ auf die Zahlen auswirken, sagt Küchler. «Aber danach erhoffen wir uns einen Aufschwung.»

Für Küchler ist die Aarauer Bevölkerung noch immer die wichtigste Kundschaft. Ganz sorgenfrei ist er aber nicht: «Wir müssen die Entwicklungen im Detailhandel gut beobachten und uns ständig an die Kundenbedürfnisse anpassen.»

Darum wolle man das Telli weiterentwickeln und auch Kundschaft von weiter her holen.

Als positive Entwicklung sieht er, dass die Geschäfte immer mehr in die Nachhaltigkeit investieren.

Für Werbeleiter Renggli ist klar, dass sich Einkaufszentren wie das Telli noch mehr den Bedürfnissen der Kundschaft und deren Einkaufsverhalten anpassen müssen.

«Früher oder später müssen die Öffnungszeiten angepasst werden. 8 Uhr bis 20 Uhr wird wohl die Zukunft sein.»

Mit bekannten Geschäften wie H&M und Coop locke das Telli auch Kunden von weiter her an, so Renggli. «Und doch ist das Telli über all die Jahre hinweg ein Quartierzentrum geblieben.»

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