Der Spatenstich fiel ins Wasser. Blitz und Donner zogen über Buchs und der Regen weichte nicht nur Spatenstecher und Boden ein, sondern füllte auch die Büchsen, in denen Jugendliche am Anlass Spenden für den Kirchenbau sammelten. Doch so einfach liessen sich die Buchser Katholiken ihre Freude über ihre eigene Kirche nicht verhageln. Die Nötli wurden kurzerhand mit dem Glätteisen gebügelt und die Batzen frottiert, und die Arbeiter fuhren mit den Baggern auf. Nur zwei Jahre nach dem Spatenstich wurden Kirche und Pfarreizentrum eingeweiht. Am 24. September 1967 – vor 50 Jahren.

Liebe auf den zweiten Blick

Die Kirche St. Johannes ist keine gewöhnliche Kirche. Heute nicht und damals schon gar nicht. Alles, was man sich aus alten Barockkirchen gewohnt ist, fehlt hier, ist anders. Keine farbigen Kirchenfenster, keine opulenten Malereien, keine güldenen Dekorationen, die Kirchenbänke nicht in zwei Reihen hintereinander angeordnet.

Sondern schlichte Eleganz aus Sichtbeton und Tannenholz, ungewohnte Fensteröffnungen, durch die das Sonnenlicht direkt auf den Altar fällt, Sitzbänke, die den Altar auf drei Seiten einrahmen. Hier lenkt nichts ab, hier herrscht eine konzentrierte Ruhe. Selbst aus heutiger Sicht ist es ein mutiger Entscheid, den die Buchser und Rohrer Katholiken mit der Wahl des Zuger Architekten Hanns Anton Brütsch trafen. Und einer, der nicht überall auf Begeisterung stiess.

Auch für Andreas Pechlaner, seit 2013 Präsident der Kirchenpflege Buchs-Rohr, war es keine Liebe auf den ersten Blick, damals beim ersten Betreten vor 25 Jahren. «Eine Kirche hatte für mich bis dato ein Satteldach und einen hohen Turm.» Doch das hat sich geändert. «Heute habe ich eine helle Freude an diesem Bau», sagt Pechlaner, und schwärmt von der Architektur, der Weitsicht in der Planung, dem Raumgefühl.

«Das war nicht nur ein mutiger Entscheid, den die Kirchgemeinde damals traf, das war ein revolutionärer Entscheid», sagt Pechlaner. Einer, der 2013 mit der Unterschutzstellung der kantonalen Denkmalpflege gekrönt wurde. Reto Nussbaumer, oberster Denkmalpfleger, sagt über die Kirche, sie sei «eines der beeindruckendsten Baudenkmäler im Kanton Aargau.» Das macht Pechlaner stolz: «Wer kann schon behaupten, eine Kirche zu haben, die bereits mit 50 Jahren denkmalgeschützt ist?»

«Freude hat überwogen»

Jahrhundertelang mussten die Gläubigen aus Buchs und Rohr nach Suhr oder Aarau marschieren, kilometerweit, jeden Sonntagmorgen, lange bevor der Hahn krähte, für jede Taufe, jede Hochzeit, jede Abdankung. Deshalb waren Erleichterung und Freude über die eigene Kirche laut Pechlaner so gross, dass die Kritiker am ungewöhnlichen Bau in Buchs bald verstummten, während aus anderen Kirchgemeinden heftige Diskussionen über architektonische Würfe überliefert sind. «Die Freude am Eigenen hat alles überwogen.»

Zur Feier ihres Jubiläums hat die Pfarrei St. Johannes Buchs-Rohr eine Festschrift herausgegeben. Darin finden sich die wichtigsten Meilensteine der Gründung und des Kirchenbaus, Anekdoten aus der Pfarreigeschichte und viele persönliche Wünsche und Eindrücke. Zu Wort kommen nicht nur Felix Gmür, Bischof von Basel, Ortskirchenpflegepräsident Andreas Pechlaner, Architekt Peter Osterwalder, der seine Seminararbeit über die Kirche geschrieben hat, sowie der Kantonale Denkmalpfleger Reto Nussbaumer.

Sondern auch die Menschen, die die Pfarrei in den letzten 50 Jahren prägten und noch immer prägen: Myrta und Peter Trunz, die seit der Gründung mit dabei sind, die Lektoren Heidi und Toni Niedermann sowie Christina Pallikudiyil, Gemeindeleiter Marco Heinzer, Sakristan Gyula Laber, die ehemaligen Gemeindeleiter Christina und Niklaus Baumgartner oder Don Giuseppe Bressani und Pater Niko Leutar.

Eine in der Broschüre erwähnte Anekdote aus den letzten 50 Jahren sei noch verraten. Eine, bei der der Beton ausnahmsweise eine unglückliche Rolle spielte: In den Siebzigerjahren wurde aus Versehen ein Bursche im Jugendtreff «Life» eingeschlossen – ein Telefon gab es da unten nicht und die dicken Betonmauern schluckten seine Hilferufe. Wie lange der Pechvogel im Keller ausharren musste, ist nicht überliefert.

Vernissage der Broschüre am Freitag, 1. September, 19 Uhr, u. a. mit Vortrag von Reto Nussbaumer, kant. Denkmalpfleger.

Festgottesdienst unter der Leitung von Weihbischof Denis Theurillat am Sonntag, 3. September um 10 Uhr.