Es ist eines der grössten Umbauprojekte seit Jahrzehnten in der Aarauer Altstadt. Dass die Grundmann Immobilien AG als Eigentümerin der beiden Häuser Rathausgasse 6 und 8 nach dem Abgang des Möbelhauses Strebel in den oberen Stockwerken Wohnungen plant und im Erdgeschoss sowie im ersten Stock ein Coworking Space entsteht, wurde schon letztes Jahr bekannt. Nun lassen sich auch Details erkennen: Im Stadtbüro liegt bis zum 26. Februar das Baugesuch öffentlich auf. Die Kosten für den Umbau der beiden Altstadthäuser werden laut Baugesuch auf rund 4,5 Mio. Franken veranschlagt. Projektverfasser sind Schneider & Schneider Architekten, Aarau.

Die beiden Häuser «zum Schlüssel» (Rathausgasse 6) und «zum Schwert» (Rathausgasse 8) bilden zusammen mit dem angrenzenden Eckhaus, dem Weibelzahlhaus «zum Erker», ein zusammenhängendes Ensemble in der Gassenzeile. Haus Nummer 6, heisst es im Baugesuch, sei «eines der wenigen repräsentativen Bürgerhäuser mit der für die Schweiz charakteristischen Vermischung von Formen der Spätgotik und der Spätrenaissance». Haus Nummer 8 dagegen ist ein spätbarocker Bau, der mit den Gebäuden Kronengasse 4 und 6 zusammen «eine weitgehend identische Gruppe» bildet.

Total zehn Wohnungen

Haus Nummer 6 wurde früher schon vollständig entkernt und mit einer tragenden Betonstruktur neu aufgebaut. Haus 8 hingegen weist im Innern ältere Substanz mit Holzbalkendecken auf. Die beiden Häuser wurden seit 1945 von der Strebel AG als Einrichtungshaus genutzt und sind im Innern miteinander verbunden. Nachdem die Strebel AG Ende 2017 die Geschäftstätigkeit eingestellt hat, werden die beiden Häuser im Hinblick auf eine neue Nutzung gemeinsam umgebaut.

Während Parterre und 1. Stock weiterhin als Gewerbefläche genutzt werden, soll vom 2. bis und mit 5. Stockwerk ein Wohnungsmix aus insgesamt zehn Anderthalb- bis Dreieinhalbzimmerwohnungen realisiert werden. Teils werden die Wohneinheiten als Maisonette-Wohnungen ausgebaut, in den beiden Dachgeschossen entstehen Loftwohnungen.

«Die jetzige Bausubstanz», heisst es im Baugesuch, «bleibt im Kern erhalten.» Der Wechsel von einer Möbelausstellung zur Nutzung als Wohnraum bedingt allerdings einige bauliche Eingriffe. So wird beispielsweise das nicht mehr den aktuellen Brandschutzanforderungen entsprechende Treppenhaus erneuert. Der bestehende Liftschacht bleibt erhalten, doch wird die Aufzugskabine ersetzt. Auf hausübergreifende Wohnungen wird verzichtet. Damit werden die beiden Häuser räumlich wieder besser voneinander getrennt.

Sowohl gegen den Innenhof als auch gegen die Rathausgasse hin werden die Fenster erneuert. Auf Seite Innenhof werden die Fassadenöffnungen der im 2. Stock vorgesehenen Jahreszeitenzimmer und die Bürofenster im 1. Stock vergrössert. Jahreszeitenzimmer können im Sommer weit geöffnet und auf diese Weise als Loggien genutzt werden; im Winter dienen sie als eine Art Zimmer.

Einbau von Büroräumen

Für die Öffentlichkeit von besonderem Interesse ist die gewerbliche Nutzung: Parterre und 1. Obergeschoss werden von der Aarauer Coworking Genossenschaft gemietet. Diese bietet Arbeitsplätze und Meetingräume auf Zeit an. Ein neuer, zweiter Eingang im Haus 6 soll für die repräsentative Erschliessung dieses Bereichs sorgen. Der bestehende Eingang bleibt jedoch erhalten. Die Flächen im 1. Stock und Teile des Erdgeschosses werden als Büro ausgebaut.

Im Erdgeschoss des Hauses 8 betreibt die Genossenschaft eine öffentliche Kaffeebar. Diese soll an fünf bis sieben Tagen in der Woche ein kleines Angebot an warmen Speisen anbieten. Diese werden, wie im Baugesuch steht, ausser Haus produziert und vor Ort servierfertig aufbereitet. Im rückwärtigen Bereich, so liest man weiter, seien ein kleines Backoffice, eine Anrichte und neue Nasszellen mit Spülküche geplant.